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Anatolia Imbiss: Kulinarischer Treffpunkt im Unterland

Im Februar 2002 eröffnete Ayhan Gündogdu im Eschner Dorfzentrum den Anatolia Imbiss. Mit dem Lokal erfüllte er sich einen lang gehegten Traum. In den bislang 16 Jahren hatte er allerdings auch einige Herausforderungen zu bewältigen.
Imbiss Anatolia in Eschen
Ayhan Gündogdu mit seiner Familie. (Bild: Daniel Schwendener)

Wenn der plötzliche Hunger kommt, ist der Anatolia in Eschen für viele sowohl ein zentraler als auch bekannter Imbiss im Unterland. Sein Standort unweit der weiterführenden Schulen und der Industrie führt dazu, dass er sich für einige zum Stammlokal entwickelt hat. Den Inhaber Ayhan Gündogdu kennen viele als «Döner Hasler». Auf den Spitznamen angesprochen, lacht er. «Ich nehme das Telefon immer mit Anatolia ab», fängt der Imbissbetreiber seine Erklärung an. «Auf der anderen Seite der Leitung scheint daraus irgendwie Hasler zu werden.»

Der Traum vom eigenen Imbiss

Geboren in Adiyaman, eine Provinz im Südosten der Türkei, ist der Unternehmer über seine Familie schon früh in Kontakt mit der Gastronomie gekommen. «Dort gibt es an jeder Ecke eine Dönerbude.» Am 31. Dezember 1989 ist Ayhan Gündogdu seinem Vater nach Liechtenstein gefolgt, nachdem die Bedingungen für einen rechtmässigen Familiennachzug erfüllt waren. Dieser arbeitete damals schon zehn Jahre im Land. Als sein Vater 1995 verstarb, war er 21 Jahre alt.

«Ich wollte schon immer einen Imbiss führen», berichtet Ayhan Gündogdu. Um sich seinen Traum zu erfüllen, arbeitete er rund 14 Jahre in verschiedenen Betrieben und legte sich das Ersparte auf die Seite. Bevor sich der Türke selbstständig machte, war er bei einer Autogarage, einem Fahrradhändler sowie einem Lebensmittelhersteller in Liechtenstein angestellt. Im Februar 2002 eröffnete er den Anatolia Imbiss gegenüber den Pfrundbauten im Eschner Zentrum. Der Name «Anatolia» nimmt Bezug auf jenen Teil der Türkei, welcher zu Vorderasien gehört. Ayhan Gündogdu findet den Namen passend, weil die Region mit Türken, Kurden und verschiedenen Minderheiten eine Art «Kulturmosaik» darstelle. Der Anatolia in Eschen sei genauso ein Treffpunkt für verschiedene Völker, erklärt der Imbissbetreiber.

Baustelle sorgte für einen holprigen Start

«Die ersten Jahre waren nicht einfach», erzählt Ayhan Gündogdu. Zu Beginn arbeitete er morgens noch beim Lebensmittelhersteller und führte seinen Imbiss am Nachmittag. Wenige Wochen nach der Eröffnung stand vor dem Anatolia eine Strassensperre, was dem jungen Unternehmer eine schwierige Ausgangssituation bescherte. Auslöser hierfür waren die Bauarbeiten an der Tiefgarage im Eschner Dorfzentrum. Nach ihrem Abschluss verbesserte sich die Situation und das Geschäft nahm allmählich Fahrt auf. «Wir haben überhaupt keine Werbung gemacht. Der Anatolia hat sich durch die Empfehlungen von zufriedenen Kundenetabliert.»

Die Lokalfläche für seinen ersten Imbiss stellte ihm Hedi Batliner-Hagen zur Verfügung, welche im Hinterdorf 1 einst mit ihrem Mann Otto Batliner eine Metzgerei führte und die Vermieterin seiner ehemaligen Wohnung war. Fünf Jahre lang bestand eine Abmachung. Anschliessend teilte sie der Familie Gündogdu Folgendes mit: «Wir brauchen nichts Schriftliches. Ich bin euer Vertrag.» Nach ihrem Tod 2014 stand der Imbiss auf wackligen Füssen. Erneut war eine Baustelle die Ursache dafür; in Eschen wurde eine Neugestaltung des Dorfzentrums initiiert. Dass der Imbiss hierfür weichen musste, erfuhr Ayhan Gündogdu aus der Zeitung. Insofern war der Auszug auf längere Sicht zwar absehbar, doch die ungewisse Situation sorgte für schlaflose Nächte beim Imbissbetreiber. Der Anatolia hatte drei Monate lang geschlossen. «Wenn das Geschäft zu ist, fehlen einem Einnahmen. Die Rechnungen laufen aber weiter», so der Unternehmer. Der Stress schadete auch seiner Gesundheit. «Ich war mehrmals im Spital.»

Temporäre Lösung in Eschen gefunden

Ayhan Gündogdu hätte sich mehr Unterstützung von der Gemeinde gewünscht. Batliner-Hagen habe die Liegenschaft nämlich unter einer Bedingung verkauft: Bei einem Abriss müsse für den Anatolia eine Lösung gefunden werden. Vergangenen August wurde das Haus ohne Einvernehmen abgebrochen. Die Angebote der Gemeinde seien ökonomisch gesehen keine Alternative gewesen, erläutert Gündogdu. Also suchte der Unternehmer nach einer anderen Lösung und wurde mit Bodenbesitzer Donat Matt an der Dr. Albert Schädler-Strasse einig. Der Gemeinderat hat bewilligt, dass er seinen Container drei Jahre in der Wohnzone aufstellen kann. «Ich wollte unbedingt in Eschen bleiben», erklärt Gündogdu die Standortwahl: «Hier habe ich mir etwas aufgebaut und die Leute kennen mich.»

Seit über 16 Jahren im Geschäft

Wenige Wochen nach dem Abriss des alten Lokals eröffnete Ayhan Gündogdu den neuen Anatolia Imbiss. Laut eigenen Aussagen investierte der Unternehmer schätzungsweise 200000 Franken in den mobilen Container. «Das Geschäft hat seit unserem Umzug deutlich zugenommen», betont der Inhaber. Wie schon davor arbeiten seine Frau und seine beiden Kinder fleissig im Imbiss mit. Ein Erfolgsrezept habe Gündogdu nicht. «Manchmal frage ich mich selbst, weshalb das Geschäft so gut läuft.» Mitunter hängt es damit zusammen, dass er seit über 16 Jahren seine Leidenschaft ausübt. «Solange ich gesund bin, werde ich den Imbiss in Eschen weiterführen.» Einen Tipp lässt sich Ayhan Gündogdu schliesslich doch noch entlocken: «Beim Geschäft ist es wie mit der Frau: Es braucht Liebe, damit die Beziehung funktioniert.» (gk)

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