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Planen ist das Wichtigste in der Pension

Heinzpeter Vogt, 40 Jahre lang Gemeindesekretär in Balzers, ging vergangenen Sommer in Pension. Schnell erkannte er, dass auch der Ruhestand organisiert sein will. Ein Selfie-Porträt.
Heinzpeter Vogt (64), Pensionist (Bild: pd)

«Ich bin zwar seit Juli 2019 pensioniert, aber noch nicht ganz im Ruhestand angekommen. Ich habe es mir easy, locker und toll vorgestellt. Doch die ersten drei Wochen waren eine Katastrophe. Wenn man 40 Jahre bei der Gemeinde arbeitet und dann plötzlich von 100 auf 0 Prozent runterfahren muss – das ist schon nicht einfach. Ich bin nicht in ein Loch gefallen, aber ich habe mich zunächst nicht ganz wohl gefühlt. Plötzlich wird man nicht mehr gebraucht. Ich erkannte schnell, dass ich eine Struktur in den Tag bringen muss; einen Plan aufstellen. Ich habe zwar meine Pferde als Hobby und dachte, dass ich in der Pension viel Zeit habe, aber dem ist nicht so. Manchmal mache ich jetzt fast schon wieder zu viel.

Ich war von Beginn an als Gemeindesekretär bei der Gemeinde angestellt. Nach 28 Jahren wurde daraus eine Stabsstelle des Gemeindevorstehers. Ich bin ein Gemeinde-Fan: Es hat mir sehr gut gefallen, mit der Bevölkerung zu arbeiten. Wann ich konnte, habe ich geholfen. Wenn ich am Wochenende im Garten arbeitete und mir jemand im Vorbeigehen seine Sorgen schilderte, musste ich mir das Anliegen gleich aufschreiben, damit ich es nicht vergesse. Irgendwie hat mich diese ständige Bereitschaft nie belastet, es hat mir immer gefallen. Man erfährt natürlich sehr viel, zum Teil auch Belastendes. 

Die schwierigste Situation war sicher der Waldbrand von 1985, der durch das Schweizer Militär verursacht wurde. Das war ein einschneidendes Erlebnis. Einen einzelnen Höhepunkt gibt es nicht. Ich bin an fast jedem Tag gerne zur Arbeit gegangen. Mein Nachfolger ist Alexander Vogt. Wir hatten eine gewisse Einarbeitungszeit. Weil der Chef jedoch zwei sehr grosse Projekte startete und Alexander involvierte, fehlte uns diese Zeit bei der Einarbeitung.

Von der Sekretärin habe ich am letzten Tag einen Liegestuhl für die Pension erhalten. Es lief natürlich nicht mehr viel; ich habe ein paar letzte Dinge erledigt. Und dann den Schlüssel abgeben. Aber den habe ich nicht gerne abgegeben, das hat mir schon etwas wehgetan. Die Arbeitskollegen wollten noch spontan etwas essen gehen. Aber ich hatte schon mit Kollegen aus dem Reitstall in Maienfeld abgemacht. Ob eine Träne zum Abschied geflossen ist? Öffentlich nicht. Was ich wirklich vermisse, ist der tägliche Kontakt mit meinen Ex-Arbeitskolleginnen und Kollegen.

Ich bin ein eingefleischter Balzner und dennoch sehr offen anderen gegenüber. Aber ich würde nie von Balzers nach Mäls ziehen. Wegen meiner Pferde fahre ich jeden Tag über die Steig (St. Luzisteig, die Red.) und da geht mir jedes Mal das Herz auf, wenn ich Balzers und die Burg sehe. Wirklich.»

Aufzeichnung: Daniel Bargetze

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