• Visualisierung Überbauung "BahnhofplatzInSchaan"
    Eine Visualisierung zeigt, wie sich das höhere der beiden geplanten Gebäude einem Betrachter von der Bahnstrasse aus präsentiert.  (Hasler Architekturbüro)

Räume schaffen für Menschen über 55

Nach dem «Pöstle» ist vor dem «BahnhofplatzInSchaan». Zwei Gebäude, 12 und 22 Meter hoch, Gewerbeflächen, vor allem aber altersgerechte Wohnungen – das plant Grundeigner Walter Wachter. Kosten: Gut 22 Millionen Franken. Heute startet die Investorensuche.
Schaan. 

Immer wieder beisst sich der Bagger im Gemäuer fest, reisst riesige Brocken heraus, lässt sie zu Boden krachen. Es ist schon fast nicht mehr, das «Pöstle», wie es im Volksmund liebevoll genannt wird. Schon bald wird nur noch eine Lücke daran erinnern. Eine Leere, die sich dort ausgebreitet hat, wo das einstige Hotel fast 200 Jahre lang seinen festen Platz im Schaaner Dorfkern hatte.

Viele bekunden ihr Bedauern, einige ihr Unverständnis darüber, dass das an Geschichten reiche Haus, ein Stück gewordene Kultur, nun sein Ende findet. Oft genug auch gegenüber Walter Wachter. Der Grund- und Immobilienbesitzer hat indes eine andere Sicht auf die Dinge. Das Gebäude möge von aussen durchaus gut ausgesehen und einen kulturellen Wert ausgestrahlt haben, räumt er mit Blick auf etwas länger zurückliegende Tage ein. Das Innenleben habe damit aber nie mithalten können. «Als meine Eltern das Gebäude 1956 kauften, befand es sich in einem desolaten Zustand.» Restauriert wurde zwar eifrig, allerdings nie im ganz grossen Stil. «Uns war immer klar, dass irgendwann der Abriss erfolgen wird. Das Pöstle war seit jeher ein Zweckbau und deshalb auch nie erhaltenswert.»

«Ich verspüre keine Wehmut»
Diese Haltung ist sicher hauptursächlich dafür, dass Walter Wachter auch in den Tagen des Abbruchs seines Elternhauses ganz nüchtern bleibt. «Ich verspüre keine Wehmut. Es geht mir sehr gut», sagt er. Doch auch eine persönliche Komponente schwingt mit. Klar, das Pöstle stehe für eine tolle Zeit mit vielen legendären Feiern, weiss der Schaaner. In erster Linie seien das allerdings nicht seine Erinnerungen, sondern die der vielen treuen Gäste. «Und selbst die betonen: ‹Es ist vorbei.›»

Vorbei. Wenn bei Walter Wachter eine Regung zu erkennen ist, dann Erleichterung. Endlich das nächste Kapitel aufschlagen. «Mein Fokus liegt immer auf dem Neuen», sagt er. Als das Land ihn wegen der nicht den Anforderungen der Linienbusse entsprechenden Zufahrt zum Schaaner Busbahnhof bezüglich eines Landabtauschs anfragte, sei ihm deshalb schnell klar gewesen, dass der Zeitpunkt für einen Abbruch nun gekommen war. «Ich war sofort einverstanden. Entweder du gehst mit der Zeit, oder du gehst mit der Zeit.» Natürlich war die Gelegenheit aber auch aus finanzieller Sicht günstig. Da der Abriss des Gebäudes in erster Linie zwecks Optimierung der Verkehrsführung ins Auge gefasst wurde, erklärte sich der Staat bereit, die Kosten dafür zu tragen.

Zentrale Lage ideal für Ü55-Bevölkerung
Davon, was das nächste Kapitel der Geschichte des Pöstle-Areals erzählen soll, hat Wachter schon lange klare Vorstellungen. Das Hasler Architekturbüro hat sie in Projektform gebracht. Geplant ist eine Überbauung mit Namen «BahnhofplatzInSchaan», bestehend aus zwei Gebäuden mit einer Bruttogeschossfläche von 3540 m2. Das eine mit zwei Obergeschossen ragt 12, das andere mit fünf Obergeschossen 22 Meter in die Höhe. Für Schaaner Verhältnisse durchaus hochhaushaft. Unterirdisch befinden sich zwei Untergeschosse mit Tiefgarage (78 Plätze), deren Ausfahrt unter den Bahngleisen hindurchführen und in die Bahnstrasse münden soll. Gut möglich, dass dann auch Nutzer der Parkgarage unterhalb des Busbahnhofs dort ausfahren werden. Laut Wachter plant das Land, durch die Schaffung einer entsprechenden Verbindung den Grosskreisel zu entlasten.

In den Erdgeschossen der beiden Häuser sollen «verbrauchs- und serviceorientierte» Anbieter Platz finden, wie Wachter erklärt. Wobei im höheren Gebäude vornehmlich Gastronomieeinrichtungen – etwa ein Café, ein Restaurant oder eine Bar –, im tieferen vornehmlich Dienstleistungsbetriebe wie Friseurgeschäfte, Blumenläden oder ähnliches zu finden sein werden. Der zwischen den Gebäuden geplante Platz ist als öffentlich zugängliche Begegnungszone gedacht.

Die Obergeschosse möchte Wachter ganz mit altersgerechten 2,5- und 3,5-Zimmerwohnungen versehen. «Wohnungen, die über breite Türen für Rollstühle und Rollatoren, Haltegriffe in den Badzimmern oder schwellenfreie Durchgänge verfügen.» Um sicherzustellen, dass sie auch tatsächlich von jenen genutzt werden, für die sie gedacht sind, schwebt Wachter eine Altersgrenze nach unten vor. Als Bewohner in Frage kommen soll nur, wer die Ü55-Schwelle überschritten hat.

Ihre zentrale Lage prädestiniert die Gebäude geradezu für einen solchen Verwendungszweck, ist er überzeugt. «Im Alter ist es wichtig, mit anderen Menschen in Kontakt zu stehen, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen und nach Möglichkeit ein hohes Mass an Selbstständigkeit zu wahren.» All das werde durch ein Leben im Dorfzentrum begünstigt. Zudem biete die unmittelbare Nähe zum LAK Haus St. Laurentius viele Chancen.

Bewilligt ist der Gestaltungsplan schon lange. «Gemeinde und Land stehen dahinter», betont Wachter. 2017 hat Schaan ein breit abgestütztes Gesamtkonzept für das Gesicht seines Zentrums präsentiert. Darin festgehalten sind auch drei Stellen, an denen bis zu 22 Meter hoch gebaut werden kann. Das «Pöstle»-Areal ist eine davon. Entsprechend kann er auch die Bedenken, der Gebäudekomplex könnte sich negativ auf das Ortsbild auswirken, nicht nachvollziehen.

Was nun noch fehlt, sind Investoren für das laut Wachter rund 22 Millionen Franken teure Projekt. Der heutige Tag soll den Startschuss für die Suche nach ihnen darstellen. Für den 64-Jährigen ist das  genau der richtige Zeitpunkt. Früher wäre für ihn nicht in Frage gekommen. «Ich wollte, dass das Pöstle dann nicht mehr steht. Nicht zuletzt, um zu unterstreichen, wie ernst es mir mit diesem Projekt ist.»

Investoren «mit Herzblut» gesucht
Ansprechen möchte Wachter Menschen und Unternehmen «mit Herzblut», wie er sagt. Geldgeber, die nicht nur ein Geschäft wittern. Indem sie in Wohnungen oder Gewerbeflächen investieren, werden sie Teil einer Trägerschaft. «Als Absicherung erfolgt ein Eintrag ins Grundbuch.» Will sich ein Investor zurückziehen, kann er selbst als Verkäufer aktiv werden oder erhält den eingebrachten Betrag ausbezahlt.

In zwei bis drei Jahren, hofft Wachter, wird der Spatenstich erfolgen. Sollte die Deckung des Finanzbedarfs nicht gelingen, wird er verkaufen. Er ist jedoch frohen Mutes, sich nicht eingehender mit diesem Szenario befassen zu müssen. Die Überzeugung, auf das richtige Pferd zu setzen, ist gross: «Ich bin sehr zuversichtlich.» (bo)

31. Aug 2018 / 11:21
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