• Hotel Schaanerhof in Schaan
    Ende Mai wurde das Abbruchgesuch vom zuständigen Amt bewilligt.  (Daniel Schwendener)

Nach 60 Jahren ist Schluss

Das Hotel-Restaurant Schaanerhof wurde im November 1959 erbaut – nach fast 60 Jahren wird es nun abgerissen. Ein Rückblick.
Schaan. 

Geschichtsträchtige Mauern werden dem Erdboden gleich gemacht: Das Hotel-Restaurant Schaanerhof wird nach fast 60-jährigem Bestehen abgerissen. Das teilte das Amt für Bau und Infrastruktur (ABI) auf Anfrage mit. Bereits Ende Mai bewilligte das Amt das Abbruchgesuch der Eigentümer. Der Betrieb des Hotel-Restaurants war bereits seit längerer Zeit eingestellt. 
Ein Blick zurück: Am Wochenende des 14. und 15. November 1959 eröffnete das Hotel-­Restaurant Schaanerhof oberhalb der Laurentius-Kirche in Schaan seine Türen. Ein Spektakel, das auch in den Landeszeitungen abgedruckt wurde. So stand in der «Vaterland»-Ausgabe vom 14. November, dass sich die Familie Kindle, die am selben Standort eine Pension betrieb, sich dazu entschlossen hatte, diese zum Hotel-Restaurant Schaanerhof umzubauen. Es entstand ein Restaurant mit 50 Sitzplätzen, ein Saal mit 60, ein Treppenhaus, das eine gute Verbindung vom Alt- zum Neubau gewährleistete, sowie eini­ge Fremdenzimmer. Der Ar­chitekt des Neubaus Franz Hasler schrieb: «Im Obergeschoss des Neubaus befinden sich 
mo­der­ne Fremdenzimmer mit fliessend Kalt- und Warm­wasser und Balkone, sauber 
und heimelig möbeliert.» Das Hotel-Restaurant Schaanerhof wartete gar mit einer Be- und Entlüftungsanlage auf, was für damalige Zeiten dem neuesten Stand der Technik entsprach. «Das neue Hotel-Restaurant wird sich in seiner idealen Lage oberhalb von Schaan sicherlich bald eines guten Zuspruchs erfreuen», stand in einem weiteren Bericht des «Vaterlands» kurz nach der Eröffnung. Diese Zeilen sollten sich bewahrheiten. 

Vorsteher- und Gemeinderatswahlen in Schaan

Daniel Hilti freut sich gemeinsam mit seinem Bruder über seine Wiederwahl im Jahr 2011.


Von Sportlern bis hin zu Promis
Im Laufe der vergangenen sechs Jahrzehnte wurde im Schaa­nerhof nicht nur gespeist und geschlafen, es wurde debattiert, gefeiert, geweint, entschieden und referiert. Am Abend des 15. Juni 1968 fand beispielsweise ein Festban­kett aufgrund des Rad­rennens «Österreich-Rundfahrt» statt. Damals hatte es der Radsport­verein Schaan zum ersten Mal geschafft, eine Etappe der Rundfahrt in die Gemeinde zu bringen. Somit feierten an besagtem Abend nach erfolgreichem Abschluss der Etappe, Gäste, Betreuer, Rennleiter und Fahrer im Schaanerhof. Da­runter der Etappensieger in Schaan, der Italiener Maggioni. Neben Sportgrössen wie Franz Beckenbauer fanden auch andere Prominente den Weg in den Schaanerhof. So beispielsweise Komiker Marco Rima oder der Altbundesrat der Schweiz, Adolf Ogi. Im Jahr 1976 trank die brasilianische 
Jugend-Fussballnationalmannschaft einen Absacker im Hotel-Restaurant Schaanerhof. Das «Vaterland» schrieb damals: «Die Mitglieder der brasilianischen Jugend-Nationalmannschaft sassen noch lange diskutierend im Schaanerhof zusammen.»
In all den Jahren gingen nicht nur die Gäste ein und aus, auch die Betreiber des Schaanerhofs wechselten einige Male. Nachdem im Jahr 1973 die Gebrüder Frick aus Schaan das Areal von der Familie Kindle übernommen hatten, wurden sogleich zahlreiche Sanierungsmassnahmen in die Wege geleitet. Dies mündete in der Neueröffnung Ende November 1974. Neben dem roten Fassadenstrich – seit dieser Zeit ein Charakte­ris­ti­kum des Hotels – erhielt der Schaanerhof auch das Schwimm­bad mit den Glaswänden, die zum Garten hin geöffnet werden konnten. Jedermann, der schwimmen gehen wollte, konnte das für einen Eintrittspreis von fünf Franken tun. Auch die Hotelzimmer wurden auf Vordermann gebracht und serienmässig mit Telefon und Radio ausgestattet. «Auf be­sonderen Wunsch gibt’s auch Fernsehen auf dem Zimmer», schrieb das «Vaterland». Für 30 Franken pro Nacht konnte damals das Doppelzimmer gebucht werden. 

Brand Hotel Schaanerhof in Schaan

Der Grund für den Brand im November 2018 war ein defekter elek­trischer Heizkörper.


Der Brand besiegelte das Schicksal 
Im Jahr 2002 pachteten die langjährigen Mitarbeiter Hannelore Beck und Enzo Montinari den Schaanerhof. Enzo Montinari führte den Betrieb einige Jahre alleine, bis er Anfang 2013 mitteilte, dass er sich neuen Herausforderungen stellen wolle und die Führung des Schaanerhofs deswegen abgebe. Montinari war es auch, der das Gericht «Ogisuppe» erfand. Eine Gerstensuppe mit Wienerle – diese hatte sich Altbundesrat Adolf Ogi beim Besuch im Schaanerhof gewünscht. Nach Montinari übernahm die Familie Christine und Hans-Peter Digruber den Schaanerhof. Sie liessen die Hotelzimmer renovieren und starteten den Betrieb Mitte Juni 2013. Dieses Bündnis währte jedoch nicht lange. Auf immer wiederkehrende Gerüchte, dass der Betrieb eingestellt werde, reagierte Hans-Peter Digruber im Jahr 2016 und dementierte vehement. Das Schicksal des Gastronomiebetriebes sollte aber kurze Zeit später besiegelt sein. Als am 20. November der Dachstuhl und das Obergeschoss aufgrund eines defekten elektrischen Heizkörpers lichterloh brannten und es bis in die Abendstunden dauerte, bis auch das letzte Glutnest gelöscht werden konnte, wurde später auf der Webseite des Betriebes mitgeteilt, dass «aufgrund des Feuers der Betrieb nicht fortgesetzt werden könne». Nun wird das Gebäude abgerissen. Was stattdessen folgen soll, konnte die Redaktion bis gestern Abend nicht in Erfahrung bringen. Den Traditionsbetrieb in dieser Form wird es nicht mehr geben. Das Gebäude mit den verblichenen violetten Mauern gehört somit bald der Geschichte an. (qus)

Hotel Schaanerhof in Schaan

Vom Glanze früherer Zeiten ist nicht viel übrig geblieben.

18. Jul 2019 / 06:30
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