• Annalena Kaiser, Ruggell
    Annalena Kaiser engagierte sich Anfang des Jahres über «One World» als Volontärin im Sozialprojekt im «Casa Padre Silvio» in Macas.  (Tatjana Schnalzger)

«Ich entdecke gerne Neues»

Annalena Kaiser ist eine Frohnatur – eine, die Lindy Hop tanzt, Frisbee und Eufonium spielt und im Chor singt. Beim Reisen lernt sie fürs Leben, egal ob im Dschungel oder auf einer Alp.

Einfach, Annalena Kaiser zu erwischen, ist es nicht. Sie studiert an der Universität in Basel Pharmazie, spielt Eufonium im Musikverein, bei Projekten mit Dozenten der Wiener Symphoniker, der Philharmoniker und singt im «Young Unlimited Chor» in Mauren. Ausserdem tanzt sie Lindy Hop. «Der Tanz ist fröhlich, herausfordernd und macht unendlich viel Spass.» Er ist in den 20er-Jahren entstanden und spiegelt die Energie der Swingmusik wider. 

Energie versprüht auch die quirlige Ruggellerin. Sie ist keine, die lang still sitzt, eine, die gerne Neues ausprobiert und für jeden Spass zu haben ist. Eines ihrer liebsten Hobbys ist «Ultimate Frisbee» – eine Teamsportart, in der Schnelligkeit gefragt ist. Die Ruggellerin ist zudem eine Frohnatur – eine, die gerne Unbekanntes kennenlernt. Nicht nur ein Praktikum aufgrund ihres Studiums, sondern vor allem die Neugier nach unberührter Natur, fremden Kulturen und Leuten führte sie Anfang des Jahres für zwei Monate nach Südamerika. Als erste Volontärin war sie über ein Hilfsprojekt von «One World» in Ecuador im Einsatz. 

Karneval: Inmitten des Festes der Früchte und Blumen

Einfach so in ein Land zu reisen, ohne dass sie sich richtig verständigen konnte, kam für Annalena Kaiser nicht infrage. Deshalb besuchte sie zunächst in Kuba eine Sprachschule – eine mit «Travelling Classroom», das heisst, dass sie sich nicht nur in der Schule befanden, um die Sprache zu lernen, sondern auch Ausflüge unternahmen, um Land und Leute kennenzulernen. Besonders fasziniert habe sie in Kuba die vielfältige Natur mit Meer, Gebirge und Bambus, aber auch die Landschaft mit ihren Reisfeldern und Zuckerrohrplantagen. Musik und Tanz waren zudem Dinge, die sie in ihren Bann zogen. «Und das haben die Kubaner absolut im Blut», so die 26-Jährige. Sie musste aber auch erleben, wie angespannt die politische Lage ist. Blockaden würden die Wirtschaft massiv einschränken und es sei nicht immer ganz ungefährlich gewesen. Ihre Reise führte sie anschliessend nach Südamerika. «Als ich in Ambato ankam, wurde dort gerade Karneval, das Fest der Früchte und Blumen, gefeiert.» Es habe Stände gegeben, ähnlich wie an einem Jahrmarkt, und in den Gebäuden prachtvolle Figuren, aus Blumen gemacht, zudem ein grosser Umzug bei Tag und bei Nacht. 

Betreuung für Kinder, die aus dem Dschungel kommen

Als Höhepunkt ihrer Reise stand dann im Februar ihr Aufenthalt im «Casa Padre Silvio» in Macas an. Auf dieses Sozialprojekt sei sie über «One World» gestossen. «Es wird von den Schweizern Janina und Benjamin Hofer seit Dezember 2019 als eine Art Tagesstruktur geführt. Ich war eine der ersten Volontärinnen, die dort mitwirken durften», erzählt die Ruggellerin. Macas, eine rasant wachsende Stadt, liege im Orient Ecuadors und sei von Landflucht geprägt. Viele Familien kämen aus dem Dschungel in die Stadt in der Hoffnung auf ein besseres Leben – mit Familie, aber ohne Geld und Bildung. Das Projekt im «Casa Padre Silvio» setze sich für Familien ein, welche diese Herausforderungen nicht alleine bewältigen könnten. «Morgens betreuten wir bis zu sechs Kinder», erzählt die 26-Jährige. Diese durften die reguläre Schule nicht besuchen, da sie während des Schuljahres in den Ort gezogen waren und nicht aus Familien stammten, die das Schulzubehör bezahlten konnten, oder Kinder hatten, die nicht durch das System aufgefangen werden konnten. «Wir haben Essen gemacht und sie unterrichtet mit dem Ziel, dass sie später in die Regelschule integriert werden können.» Nachmittags hätten sich dann etwa 40 Kinder im Alter von 5 bis 16 Jahren dort aufgehalten. «Sie stammten aus Familien, in denen die Eltern arbeiteten und nicht auf die Kinder aufpassen konnten oder nicht das Geld hatten, sie angemessen zu ernähren.» 

Corona lässt sie früher heimkehren

Schon einige Tage nachdem sie im «Casa Padre Silvio» angekommen war, wurden in Guayaquil, das sechseinhalb Autostunden von Macas entfernt liegt, die ersten Coronafälle bekannt. «Zuerst hatte ich die Hoffnung, dass sie die Situation in den Griff bekämen, denn es war nur von etwa fünf Infizierten die Rede – bald war aber klar, dass es immer mehr werden.» Zwei Wochen später seien dann von einem Tag auf den anderen auch alle Schulen in Ecuador geschlossen worden. «Im ersten Moment meinte ich aufgrund von Sprachproblemen etwas falsch verstanden zu haben.» Annalena Kaiser wollte aus der Situation das Beste machen, die Zeit nutzen und die Gegend erkunden. Nach Telefonaten mit der Familie wurde ihr jedoch bewusst, dass es nicht mehr lange dauern könnte, bis sie im Orient Ecuadors festsitzen würde. Die Aussichten auf ein ohnehin schon überfordertes Gesundheitssystem in einem Drittweltland liess sie auf ihr Bauchgefühl hören und einen Flug nach Hause buchen. Wie sich herausstellte, gerade noch rechtzeitig. Schon am darauf­folgenden Tag wurden alle internationalen Flüge gestrichen. 

Von Südamerika ins Berner Oberland

«Es kommt alles so, wie es kommen muss und nichts passiert ohne Grund», meint die 26-Jährige. «So schade wie es ist, dass ich meinen Einsatz früher als geplant beenden musste, bin ich dennoch dankbar für die Zeit.» Derzeit lernt sie für Prüfungen, die im Juli stattfinden, hat aber für den Sommer bereits ein neues Praktikum in Aussicht: «Ich gehe auf eine Alp ins Berner Oberland, um beim Misten und Melken zu helfen», erzählt sie lachend. «Ich weiss, es ist etwas ganz Anderes, aber so bin ich – ich entdecke gerne Neues und probiere allerlei Dinge aus.» Auf der Welt gebe es überall schöne Ecken. «Egal, was man tut, jede Reise ist ein spannendes Erlebnis, um fürs Leben zu lernen.» Und wie es scheint, hat Annalena Kaiser noch lange nicht ausgelernt … (bc)

12. Jul 2020 / 06:00
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