• Ein Relikt aus längst vergangenen Tagen
    Während mehrerer Jahrhunderte kam der Brücke eine grosse Bedeutung zu.  (Daniel Schwendener)

Ein Relikt aus längst vergangenen Tagen

Unscheinbar ist die «Hochbrogg», die in Ruggell über den Spiersbach nach Bangs führt. Dabei hat sie mindestens schon 250 Jahre auf dem Buckel und schon einiges erlebt.
Ruggell. 

Die Naturstein- und Bogenbrücke in Ruggell hat ein bereits bewegtes Leben hinter sich und trägt gleichzeitig auch einige Geheimnisse in ihrem Gemäuer. So lässt sich zum Beispiel nicht sagen, wann die im Volksmund genannte «Hochbrogg» genau erbaut wurde. Nichtsdestotrotz bildet sie den heute ältesten noch bestehenden Grenzübergang zwischen den beiden Nachbarländern Liechtenstein und Österreich. 

Zu finden ist die «Hochbrogg» im Ruggeller Riet. Wer sie überquert, findet sich am westlichsten Punkt Österreichs wieder. Genauer gesagt in Bangs, einem kleinen Weiler, der mit seinen rund 300 Einwohnern zur Stadt Feldkirch zählt. Schon in der Vergangenheit muss diese Brücke das Interesse der Bevölkerung geweckt haben, denn immer wieder war von ihr die Rede. 


Baujahr der Brücke bislang unbekannt
Erstmals urkundlich erwähnt wurde die «Hochbrogg» 1701, eingezeichnet in eine Karte wurde sie jedoch bereits 1614 unter dem Namen «Banggser Pruggen». Aus dieser Karte lassen sich interessante Rückschlüsse ziehen – nicht nur zur Brücke selbst, sondern auch zum Verhältnis der an der Grenze lebenden Menschen. Die Matschelser aus dem Weiler in Ruggell führten mit den Bangsern immer wieder Auseinandersetzungen über den Grenzverlauf, der vor allem im Zusammenhang mit der jeweiligen Besteuerungsform der Länder von Bedeutung war. Weitere auf der Karte markierte Objekte lassen zudem darauf schliessen, dass die Brücke von der Bevölkerung beider Länder rege genutzt wurde: Denn auf der österreichischen Seite der «Hochbrogg» gab es zwei Mühlen, die auf Getreide aus Liechtenstein angewiesen waren. Ausserdem reichte der Wuhrbereich, der von den Bangser zu betreuen war, weit über die Grenze nach Liechtenstein. 
1756 fand die Brücke unter dem Namen «Spiers Bruck» eine weitere Erwähnung. Nun aber auf der seitens Liechtensteins angefertigten Karte von Obristleutnant Kolleffel. Doch trotz dieser frühen Zeugnisse ist das genaue Errichtungsdatum der Brücke bis anhin nicht bekannt: Historiker sowie die Gemeindeverantwortlichen Ruggells gehen davon aus, dass sie um einiges älter sein könnte, als die Aufzeichnungen belegen. Denn solche Natursteinbrücken wie die Spiersbachbrücke wurden bereits im 15. Jahrhundert gebaut. Sie wurde mit gebrochenem Steinmaterial als Bogenbrücke mit beidseitig gemauerten Wangen errichtet. Beton wurde damals noch nicht verwendet, was ebenfalls ein Indiz für ihr Alter ist. Klar ist auch, dass die Brücke Ihren Spitznamen eben wegen dieser Bauweise erhielt, die eine beträchtliche Wölbung des Objekts zur Folge hat. 


Die Folgen des Ersten Weltkrieges
Mit einem Sprung in das 20. Jahrhundert wird deutlich, dass die «Hochbrogg» plötzlich ihre Bedeutung verlor. Zuvor geführte Auseinandersetzungen über den Besitz der Brücke waren vergessen. Denn der Erste Weltkrieg führte dazu, dass Ruggell immer mehr von der Aussenwelt abgeschnitten war. Die dort gelegene Handstickerei erhielt beispielsweise keine Aufträge mehr. Die Maschinen standen still und die produzierte Ware konnte nicht mehr in die Schweiz ausgeführt werden, da dies verboten wurde. Auch die Rheinfähre stellte 1917/18 ihren Betrieb ein. Als der Krieg sein Ende fand, war die Donaumonarchie zerschlagen. Ruggell musste sich daher eher nach Westen, zur Schweiz orientieren.  «Durch diese Neuorientierung an die Schweiz waren die Verbindungen nach Österreich vorerst nicht mehr von zentraler Bedeutung. An der Hochbrogg wurde eine Schranke errichtet, die mehrheitlich geschlossen blieb», sagt Herbert Kind, ehemaliger Leiter der Gemeindekanzlei Ruggell. 
Lediglich Landwirte, die ihr Grundstück direkt hinter der Brücke hatten, sind berechtigt gewesen, die «Hochbrogg» zu passieren. «Ausserdem bildete die Noflerstrasse, die bereits Mitte des 19. Jahrhunderts gebaut wurde, von nun an die Hauptverbindung von Ruggell nach Österreich. Die Schranke an der Hochbrogg blieb bis in die 1980er Jahren gemäss Zeitzeugen geschlossen», so Kind. Fussgänger und auch Velofahrer konnten die Brücke nicht mehr passieren.


Nach Sperrung wieder für Bevölkerung zugänglich
Als die «Hochbrogg» schliesslich für die breite Bevölkerung wieder zugänglich war, konnten auch landwirtschaftliche Fahrzeuge diese wieder als Transportweg nutzen. In den vergangenen Jahren wies die Brücke aber immer stärkere Nutzungsspuren auf. 
Daher wurde auf Initiative der Bevölkerung im Sommer 2015 mit einer umfangreichen Sanierung begonnen. Diese konnte im Frühling 2016 abgeschlossen werden. Die Arbeiten an der historischen Brücke umfassten das Aufstocken der bestehenden Natursteine mit Kalksteinen der Burg Tosters, die von Hand eingesetzt wurden. Zudem kam originalgetreuer Mörtel zur Anwendung. 
Gleichzeitig steht die Spiersbachbrücke seither wegen ihrer besonderen Konstruktion und ihrem Alter unter Denkmalschutz. Die Brücke ist für jeglichen Motorfahrzeugverkehr gesperrt. (jka)

20. Mai 2018 / 06:52
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