• Den Mut mit dem Leben bezahlt
    Johann Tappeiner und Elisabeth Tappeiner-Öhri mit den Kindern Johnny, Mary, Lucy, Charles und Louis vor ihrem Haus in Santa Monica, Kalifornien um 1873/74.  (Privatarchiv John Dey)

Den Mut mit dem Leben bezahlt

Dank eines Zufallsfunds im Internet stiess Archivar Jürgen Schindler auf die tragische Auswanderergeschichte der Familie Johann und Elisabeth Tappeiner-Öhri aus Ruggell, deren Sohn Johnny das erste Opfer des bekannten «Bisbee-Massakers» wurde.
Ruggell. 

Bei Recherchen zu dem ehemaligen Gasthof Sternen in Ruggell stiess Gemeindearchivar Jürgen Schindler vor ein paar Monaten auf eine weitere Wirtschaft, die sich im Haus Nr. 58 in Ruggell befand, deren Namen jedoch nicht überliefert ist. Und nicht nur das: Per Zufall fand er heraus, dass sich auch hinter dem Besitzer Johann Tappeiner und seinem Sohn «Johnny» eine abenteuerliche und zugleich tragische Geschichte verbirgt. Nachdem die Familie 1860 nach Amerika auswanderte, kamen sie in Iowa an, zogen später aber nach San Francisco und Los Angeles weiter. 1883 musste die Familie einen schweren Schicksalsschlag erleiden, als Sohn Johnny durch einen dummen Zufall von Desperados erschossen wurde. 

Zufallsfund auf der Plattform «findagrave» 
Doch wie kam diese Geschichte ausgerechnet 160 Jahre nach diesem Mord ans Licht? Nach der «Wiederentdeckung» des ehemaligen Ruggeller Gasthauses machte sich Archivar Jürgen Schindler im Landesarchiv auf die Suche nach weiteren Daten. Dort stiess er auf die Auswanderungsbewilligung von Johann Tappeiner, die belegte, dass dieser 1860 in die USA auswanderte. Da in den Auswandererdokumenten nichts über die Familie in Erfahrung gebracht werden konnte, suchte Schindler auf der Internetplattform «findagrave.com» und wurde tatsächlich fündig. Auf dieser Plattform sind über 140 Millionen Datensätze zu Grabsteinen (Lebensdaten, Fotos, weitere Beschreibungen) publiziert, die von Freiwilligen zusammengetragen werden. Durch diese Plattform stiess Schindler auch auf Nachfahren der Tappeiner-Familie, die ihm viele Informationen zu deren Familiengeschichte zutrugen, welche später in einem Essay im Ruggeller Gemeindeblatt aufgearbeitet werden konnten. 

Als Feldwebel nach Ruggell gekommen
Doch nun die ganze Geschichte: 1853 kam der aus Südtirol stammende Johann Tappeiner als Feldwebel der k.k. österreichischen Finanzwache nach Ruggell. Ein Jahr später erhielt er vom fürstlichen Oberamt die Niederlassungsbewilligung. 1855 baute er sich ein Haus, für das er wiederum ein Jahr später die Wirtebewilligung beantragte. Wie Jürgen Schindler in seinem aktuellen Beitrag im Ruggeller Gemeindemagazin Underloft schreibt, war dies kein leichtes Unterfangen: «Er musste sich mit dem damaligen «Schwert»-Wirt Johann Jakob Heeb anlegen, dem jedoch der Ruggeller Ortsrichter Josef Dietrich ein schlechtes Zeugnis ausstellte. So erhielt Tappeiner die Bewilligung und begann mit dem Betrieb seiner Wirtschaft.» Am 11. August 1856 heiratete Johann Tappeiner die Ruggellerin Elisabeth Öhri, worauf 1858 Sohn Johann «Johnny» und 1860 Tochter Agatha geboren wurde. 

Wirtschaft in San Francisco
Noch im selben Jahr stellte Johann Tappeiner ein Auswanderungsgesuch nach Amerika. «Die Gründe waren wohl wirtschaftlicher Natur», heisst es im Gemeindemagazin. Über Bremen reiste die Familie mit dem Schiff «Herzogin von Brabant» in die USA. Zuerst liessen sie sich in Iowa nieder, doch zogen sie schon drei Jahre später weiter nach San Francisco, wo Johann als Schuhmacher arbeitete und ab 1865 auch eine Wirtschaft betrieb. Um das Jahr 1873 lebte die Familie zusammen mit den weiteren Kindern Mary, Lucy, Charles und Louis in Santa Monica/Los Angeles. Um 1880 liessen sich Johann und Sohn Johnny in den Minenstädten Tombstone und Bisbee nieder, während Elisabeth und die jüngeren Kinder in LA blieben. (mk)

Mehr in der Print- und ePaper-Ausgabe des «Liechtensteiner Vaterlands» vom Samstag, 19. Mai 2018.

19. Mai 2018 / 06:56
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