• Liechtenstein Vaduz LIE-Marketing Zukunftsvision Mein Liechtenstein 2039
    Erbprinz Alois und Regierungsrätin Dominique Hasler besuchten den Marktplatz in der Universität Liechtenstein.  (Eddy Risch)

Den Rahmen für die Zukunft festgelegt

Das Wochenende stand ganz im Zeichen des letzten Jubilaumsprojektes «Mein Liechtenstein 2039» und damit der Zukunft Liechtensteins. Wahrend sich am Samstag rund 200 Personen an Workshops engagierten, wurden am Sonntag die Ergebnisse, Visionen und Ideen, am Marktplatz der Ideen breit diskutiert und bewertet.
Vaduz. 

Das Jubiläumsjahr neigt sich allmählich dem Ende zu. Begonnen hat die Veranstaltungsreihe zum 300. Geburtstag Liechtensteins mit dem Geburtstagsmarsch im Januar. Dieser wurde zum Anlass genommen, in die Vergangenheit zu blicken. Am Staatsfeiertag wurde wiederum die Gegenwart gefeiert und mit  dem letztem grossen 300-Jahr-Projekt «Mein Liechtenstein 2039» stand am Wochenende eine Zeitreise an, um gemeinsam mit der Bevölkerung Ideen und Visionen zu erarbeiten, in welche Richtung sich Liechtenstein in den kommenden Jahren entwickeln soll. Sechs Workshops mit Fragestellungen zu den Themen Liechtenstein als Vorbild, Generationen in Liechtenstein, Bildung und Individualität, nachhaltige Entwicklung, Arbeitsmodelle und Raumplanung wurden am Samstag erarbeitet und gestern den Workshop-Teilnehmenden sowie allen Interessierten im Rahmen eines Marktplatzes in der Universität Liechtenstein präsentiert. 
Den Auftakt in das Workshopwochenende bildeten am Samstag in der Hofkellerei zwei Kurzreferate zum Thema Zukunft. Damit legten die Referenten Peter Grünenfelder, Avenir Suisse, und Karin Frick vom Gottlieb Duttweiler Institut den Zukunftsrahmen für «Mein Liechtenstein 2039» fest und läuteten das Workshopwochenende gebührend ein. Zuerst erklärte Christian Wolf, Verwaltungsratspräsident von Liechtenstein Marketing, allerdings, weshalb gerade das Jahr 2039 im Fokus steht. «Es ist genug weit weg, um über den Tellerrand hinausschauen zu müssen und dann aber doch nahe genug, damit wir es alle noch erleben», erklärte er. Dem fügte Regierungsrätin Dominique Hasler an, dass alle Menschen in Liechtenstein Visionen und Pläne hätten und sich alle vorstellen könnten, was 2039 sein werde und könne. «Es ist ein grosser Segen, in einem Land zu leben, indem sich die Bevölkerung gemeinsam diesen Zukunftsfragen stellt und sie diskutiert», sagte Hasler. 

Mut zur Idee, selbst wenn sie nicht fertig gedacht ist
Karin Frick, Leiterin Research und Mitglied der Geschäftsleitung des Gottlieb Duttweiler Instituts, ist der festen Überzeugung, dass die Zukunft jenen gehört, die gute Ideen entwickeln und andere davon überzeugen können – das sollte den Zuhörern bereits genügend Motivation gegeben haben, um anschliessend in den Workshops innovative Ideen und Visionen zu Papier zu bringen. Auch sagte Frick in ihrem Kurzreferat, dass so manche Idee am Anfang unrealistisch erscheinen würde, dann aber doch zum Ziel führe. «Dynamisch entwickeln sich neue Technologien, die sozialen Veränderungen gehen demgegenüber viel langsamer einher», erklärte sie. 
Dran bleiben lohnt sich also, wollte Frick damit sagen und gab den Interessierten und Workshop-Teilnehmenden anschliessend einige nützliche Tipps für die Ideenfindung und Umsetzung mit auf den Weg: Man solle Technologien nutzen und sich stets fragen, für wen die Idee gedacht ist. Auch erklärte die Referentin, dass es nicht zwingend eine grosse richtige Idee geben würde. «Um einiges besser ist, möglichst viele Ideen zu haben, auch wenn diese nicht fertig ausgedacht sind. Denn mit diesen kann man experimentieren und so herausfinden, ob sie etwas taugen», sagte Frick. Schliesslich sei es das Wichtigste, immer offen und flexibel zu sein, damit man auf die sich ständig wandelnde Umwelt reagieren könne. 
Gerade diese Flexibilität, die Liechtenstein unter anderem wegen der Kleinheit des Landes besitzt, ist laut Peter Grünenfelder, Direktor von Avenir Suisse, die grosse Chance in Zeiten der globalen Umwälzung. «Liechtenstein kann dahingehend ein Vorreiter sein, sofern das Land offen ist und Veränderungen bereitwillig aufnimmt», erklärte Grünenfelder. In seinem Keynote-Referat sprach er über die Megatrends und wie sich diese auf Liechtenstein auswirken. 

Megatrends mit Chancen und Herausforderungen
Die globale Vernetzung nimmt immer mehr zu, der weltweite Wohlstand steigt – so präsentiert sich die Ausgangslage laut Peter Grünenfelder für die Megatrends, die auch vor Liechtenstein keinen Halt machen. Einer davon ist die Verschiebung der Wirtschaftskräfte. «Asien ist auf dem Vormarsch. China und Hongkong werden zur dominanten Wirtschaftsmacht», erklärte der Direktor der Avenir Suisse. Gleichzeitig gilt es aber zu beachten, dass es in der globalen Wirtschaftsarchitektur bereits schon heute knarzt. In der Zukunft werde es demnach immer schwieriger, verdeutlichte der Referent. Nicht zuletzt auch wegen der wachsenden Globalisierungskritik, die vor allem von der ­jungen Generation ausgeht. Grünenfelder veranschaulichte sein Argument anhand eines Beispiels: Der Modemarkt ist hart umkämpft. Die einzigen Marken, die sich künftig in der Branche halten können, sind jene, die auf lokale Ressourcen zurückgreifen – also weg von der Globalisierung hin zum Lokalen und Regionalen. 
«Ein weiterer Megatrend ist die Digitalisierung. Je technologieaffiner ein Land ist, desto geringer fällt die Arbeitslosigkeit aus.» Mit der Digitalisierung fallen gewisse Jobs weg, die Anzahl neu geschaffener sei aber in Summe grösser. Auch liege in der Arbeitswelt die Teilzeit-Anstellung oder Ortsunabhängigkeit im Trend. Dahingehend zeigt sich ein weiterer Megatrend: Die sich verändernden Migrationsströme. Asien und Afrika würden unter erheblichem Migrationsdruck stehen – auch nach Liechtenstein wer­den laut Grünenfelder zunehmend neue Ethnien mit neuen Wertvorstellungen kommen. Das soll aber kein Nachteil sein. Immerhin ist Liechtenstein gerade im Hinblick auf den Fachkräftemangel auf Ausländer angewiesen. Diese kommen in Zukunft aber nicht mehr nur aus dem europäischen Raum, sondern eben auch aus Asien und Afrika. 
Der letzte Punkt, den der Referent ansprach, war die Demographie, die auch das grösste Risiko für Liechtenstein darstellt. «Sie sind in einer Region mit einer der höchsten Lebenserwartungen zu Hause», sagte Grünenfelder an die Zuhörer gerichtet. Die Menschen werden immer älter. Konflikte und Spannungen um die finanziellen Mittel werden unausweichlich zunehmen. «Denn die Pflege ist eine teure Angelegenheit.» Gerade für die Politik wird es so zu einer gewaltigen Diskussion kommen, damit die Finanzierung ohne Generationenkonflikt über die Bühne gehen kann, ist sich Grünenfelder sicher. «Es sollte nicht so sein, dass der Enkel in Sachen Finanzmittel gegen die Grossmutter ausgespielt wird», verdeutlichte er. Das grosse Risiko daran: «Wenn man älter ist, zeigt man nicht mehr so viel Veränderungsbereitschaft. Entwicklungen sind allerdings unausweichlich. So heisst es letztlich, dass man Erneuerungen zulassen muss.» (jka)

Workshop Wochenende

Albert Frick, Dominique Hasler, Karin Frick, Peter Grünenfelder und Christian Wolf (v. l.).

Fast 200 Personen, 4839 Inspirationen und 485 Ideen
Nach dem Auftakt in der Hofkellerei verteilten sich die fast 200 Workshop-Teilnehmenden am Samstag auf sechs verschiedene Orte. Dort haben sie während des ganzen Tages mit dem Leitungsteam anhand unterschiedlicher Methoden Visionen zu den jeweiligen Kernthemen erarbeitet. Das Resultat: 4839 Inspirationen wurden aufgelistet, woraus sich 485 konkrete Ideen ergaben. Jene 69 von ihnen, die ein grosses Potenzial aufwiesen, wurden anschliessend über Nacht von einem Illustratoren-Team visualisiert und gestern beim «Marktplatz der Ideen» an der Universität Liechtenstein der Öffentlichkeit vorgestellt. Mit grossem Interesse nahmen daran auch Erbprinz Alois, Regierungsrätin Dominique Hasler sowie diverse weitere Politiker teil. 
Es war ein durchwegs gelungenes Wochenende, das sich der Zukunft Liechtensteins verschrieben hatte. Dominique Hasler schaute zudem auch bei allen Workshops vorbei und liess sich von den Ideen inspirieren: «Was ich in den vergangenen zwei Tagen an Ideen, Engagement und Zusammenhalt miterleben durfte, war sehr eindrücklich. Ich nehme diese Impulse dankbar mit für die Gestaltung weiterer Projekte», sagte sie gestern an die Teilnehmenden gerichtet. Die Stossrichtungen für «Mein Liechtenstein 2039» sind nun erfasst, werden digital aufgearbeitet und am Abschlussanlass vom 23. Januar 2020 nochmals präsentiert. Die Paten und Patinnen sowie das Leitungsteam werden diese schliesslich weitertragen. «Sie sollen das Thema und die persönliche Prägung ins Studium oder in den Beruf mitnehmen, einen Anker setzen und weiterbringen», erklärte Hasler bereits am Samstag. (pd/jka)

Für den Favoriten stimmen
Die Auswertung und Bewertung der Ideen steht allen noch bis Ende Jahr offen. Unter www.300.li/2039 kann man für seinen Favoriten stimmen.

 

Fotostrecke: Mein Liechtenstein 2039 in Vaduz
Workshopwochenende im Rahmen des Projekts "Mein Liechtenstein 2039"
Workshopwochenende im Rahmen des Projekts "Mein Liechtenstein 2039"
Workshopwochenende im Rahmen des Projekts "Mein Liechtenstein 2039"
Workshopwochenende im Rahmen des Projekts "Mein Liechtenstein 2039"
Workshopwochenende im Rahmen des Projekts "Mein Liechtenstein 2039"
Workshopwochenende im Rahmen des Projekts "Mein Liechtenstein 2039"
Workshopwochenende im Rahmen des Projekts "Mein Liechtenstein 2039"
Workshopwochenende im Rahmen des Projekts "Mein Liechtenstein 2039"
Workshopwochenende im Rahmen des Projekts "Mein Liechtenstein 2039"
Workshopwochenende im Rahmen des Projekts "Mein Liechtenstein 2039"
24. Nov 2019 / 17:19
Geteilt: x
1 KOMMENTAR
Die Loesung auf die Probleme des Globalismus, ist nicht Mehr Globalismus.
1.«Asien ist auf dem Vormarsch. China und Hongkong werden zur dominanten Wirtschaftsmacht»

2.«Ein weiterer Megatrend ist die Digitalisierung. Je technologieaffiner ein Land ist, desto geringer fällt die Arbeitslosigkeit aus.»

3.«Asien und Afrika würden unter erheblichem Migrationsdruck stehen – auch nach Liechtenstein wer­den laut Grünenfelder zunehmend neue Ethnien mit neuen Wertvorstellungen kommen.»

4.«Konflikte und Spannungen um die finanziellen Mittel werden unausweichlich zunehmen. «Denn die Pflege ist eine teure Angelegenheit.»

Angesichts der Vorhersage, dass "Konflikte und Spannungen unausweichlich sind," wundere ich mich ob wir die Punkte 1-3 so hinnehmen muessen?

> China ist nicht die neue Weltmacht ohne Technologietransfer aus dem Westen.
> Arbeitslosigkeit kann man durch diverses Berufsangebot vorbeugen, nicht blindlinks den 'Trends' folgen.
> Migrationsprobleme kann man nicht loesen indem Menschen umgesiedelt werden
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet 25.11.2019 Antworten Melden

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