• Mahsa Bagheri Hosseini mit Kindergarten- und Primarschülern, die für den Animationsfilm Zeichnungen gemacht haben.  (Sandra Maier)

Heimische Kultur in Zeichentrickfilm verpackt

Ende Jahr soll mit «Vaduzer Weihnachtsgeschichte» der erste Zeichentrickfilm hierzulande in die Kinos kommen. Zwar denkt jetzt noch niemand an Winter und Weihnachten – die Dreharbeiten allerdings laufen schon auf Hochtouren. Geplant ist ein Animationsfilm über Vaduz, initiiert von der Iranerin Mahsa Bagheri Hosseini. Der Film lässt in die Welt der 1950er- bis 1970er-Jahre eintauchen und bringt Liechtensteins Traditionen näher.

Eine kleine Schneeflocke fällt auf die Kirchenuhr, bewegt sich mit dem Zeiger weiter vorwärts und landet auf dem Flügel eines Spatzen, der sich zusammengekuschelt auf dem Kirchturm ausruht. Der Spatz schüttelt sein Federkleid, während seine Augen noch geschlossen sind – er möchte weiterschlafen. Aufgeschreckt durch die laute Kirchenglocke fliegt er über das Vaduzer Städtle, vorbei am Roten Haus durch den Schornstein hinunter in die Stube eines grossen Holzhauses. Dort setzt sich der Spatz vor den Nikolaus und fängt aufgeregt an zu zwitschern. Der Vogel erzählt von David, einem Jungen, dem der Spatz auf seinem Flug durch das Städtle begegnet ist. Ein Junge, der sehr traurig ist. 

Unterhaltung für Jung und Alt
Die Rede ist von dem Zeichentrickfilm «Vaduzer Weihnachtsgeschichte», ein Animationsfilm, der im November in Liechtensteins Kinos gezeigt wird. Initiiert ist der Film von Mahsa Bagheri Hosseini, Inhaberin der Firma 2view, einem jungen Animationsstudio mit Sitz in Vaduz. Die gebürtige Iranerin lebt seit sieben Jahren mit ihrem Mann und ihren zwei sechsjährigen Kindern in Liechtenstein. «Meine Leidenschaft ist es, Kindergeschichten zu schreiben sowie zu malen und illustrieren», sagt Mahsa Bagheri Hosseini. Weil es bis anhin in Liechtenstein noch keinen animierten Film gäbe, der das Land einem lokalen wie gerade auch einem internationalen Publikum näherbringt, hat es sich die Iranerin zum Ziel gesetzt, dieses Projekt auf die Beine zu stellen. «Der Film bietet Unterhaltungswert für Jung und Alt und lässt die Zuschauer in die Welt der 1950er- bis 1970er-Jahre eintauchen», sagt Mahsa Bagheri Hosseini. Der Film basiert auf historischen Recherchen und stellt die Gemeinde Vaduz und seine Bewohner, Architektur und Kultur aus diesen beiden Jahrzehnten dar. Zugleich solle der Film ein Werbeträger für das Land Liechtenstein sein. «Denn der Film vermittelt heimische Kultur liebevoll, emotional und anschaulich.» Zielpublikum sind Touristen aus der ganzen Welt, gezeigt wird der Film in Vaduzer Dialekt mit hochdeutschen, englischen und chinesischen Untertiteln. Ebenso spannend ist der Film aber auch für Liechtensteiner, die sich ein Bild über Vaduz aus jener Zeit machen möchten. Die Geschichte spricht ebenso Kinder ab drei Jahren an.

Freiwilliges Engagement
«Das Projekt lässt sich nur aufgrund des grossen freiwilligen Engagements zahlreicher Menschen in Liechtenstein realisieren», sagt Mahsa Bagheri Hosseini. «Über diese wertvolle Unterstützung bin ich sehr dankbar.» So habe sie beispielsweise Markus Meier beraten, das Drehbuch geschrieben, die Texte verfasst und das Lektorat übernommen. Ebenso habe er die Texte in den Vaduzer Dialekt übersetzt. Unterstützung hat die Filmemacherin auch von den Sprecherinnen Elena Oehry, Ursula Oehry-Walter und Schauspielerin Katja Langenbahn bekommen. Die Musik und die Gedichte stammen aus der Feder der liechtensteinischen Sängerin Rahel Oehri-Malin, begleitet wird sie von Mark B. Lay an der Gitarre. Auch fliessen in den 40-minütigen Film Zeichnungen mit ein, die Schulkinder gemalt haben, Nachwuchskicker des FC Vaduz und des Flüchtlingsheims. Ganz ohne Geld geht es dann eben doch nicht und so hat Mahsa Bagheri Hosseini von verschiedenen Stiftungen auch finanzielle Unterstützung bekommen, um das rund 50 000 Franken teure Projekt stemmen zu können, ebenso von der Kulturkommission.

Mahsa Bagheri Hosseini wuchs in Iran auf und studierte Business Administration in Teheran. «Als gut integrierte Bewohnerin Liechtensteins mit Migrationshintergrund möchte ich mich gesellschaftlich engagieren und mit diesem Film dem Land etwas zurückgeben», sagt sie. «Denn ich habe in Liechtenstein eine zweite Heimat gefunden.» Eine Heimat, die sie sehr schätze, denn in Iran würden die Uhren etwas anders ticken, vor allem was Frauen anbelangt. Ihr Vater sei sehr konservativ gewesen und so sei ihr als Frau lange vieles verwehrt geblieben. «Ich durfte beispielsweise nicht meiner Leidenschaft, dem Schreiben, nachgehen. Oder ich durfte nicht Fahrradfahren.» Den Weg nach Liechtenstein hat sie schliesslich durch die Liebe gefunden, als sie einst ihre Mutter in der Schweiz besuchte und dort auf ihren heutigen Mann traf, mit dem sie nun seit sieben Jahren in Liechtenstein lebt. Ihre Chance hat Mahsa Bagheri Hosseini gepackt und bereits mehrere Kinderbücher realisiert. So erschienen auf Persisch «Toghi», auf Deutsch «Der grüne Planet» und auf Persisch und Deutsch die beiden Bücher «Atal Matal Khoda Jan» und «Du kannst».

Mit dem Animationsfilm hat die Iranerin eines ihrer grössten Projekte angepackt. Das Vaduzer Kino wie auch das Skino in Schaan hätten bereits zugesagt, den Film im November zu zeigen, und auch von verschiedensten Geschäften habe sie die Zusage, die DVD verkaufen zu können. Aufgrund der Coronakrise musste sie in den vergangenen Wochen mit den Filmarbeiten eine Pause einlegen – «seit zwei Wochen läuft es aber schon wieder rund». Sie ist optimistisch, dass der Film planmässig bis Ende September fertig wird. Den Moment, wenn der Animationsfilm zum ersten Mal im Kino auf der Leinwand zu sehen ist, kann sie kaum erwarten. So, wie es nun hoffentlich die Leser kaum erwarten können, zu erfahren, wie die Geschichte um den traurigen Jungen David weitergeht. Was der Spatz genau dem Nikolaus zwitschert und was sich dieser schliesslich einfallen lässt, um den Jungen wieder glücklich zu machen. (bfs)

 

25. Jun 2020 / 19:10
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