­
­
­
­

Massenkollisionen im All

Gleich zweimal haben Forscher gewaltige Galaxienhaufen aufgespürt - weit zurück im jungen Universum. Dass sie zu jener Zeit schon zu Haufen verschmolzen, lässt die Astronomen rätseln. Beeindruckend ist noch eine andere Eigenheit der Massemonster.
Eso publizierte anlässlich des Entdeckung dieses künstlerische Nachahmung des Galaxiehaufens.
Eso publizierte anlässlich des Entdeckung dieses künstlerische Nachahmung des Galaxiehaufens. (Bild: KEYSTONE/EPA European Southern Observatory/ESO/ALMA/MILLER HANDOUT)

Die Sterneninseln sind im Begriff, zu Galaxienhaufen zu verschmelzen. Diese frühen "Megafusionen" verblüffen die Wissenschaftler - sie waren davon ausgegangen, dass solche Ereignisse erst später in der Geschichte des Kosmos stattgefunden haben. Zwei Forscherteams stellen ihre Beobachtungen in den Fachblättern "Nature" und "Astrophysical Journal" vor.

Eine Gruppe um Tim Miller von der Yale-Universität in den USA hatte mit den Radioteleskopen "Alma" und "Apex" in Chile durch 90 Prozent des sichtbaren Universums gespäht und damit zurück in eine Zeit, als der Kosmos erst 10 Prozent seines heutigen Alters besass. Die Astronomen untersuchten einen auffälligen Lichtfleck, der bereits in den Daten des Weltraumteleskops "Herschel" der europäischen Raumfahrtagentur Esa aufgefallen war.

Die neuen, hochauflösenden Beobachtungen zeigten, dass es sich dabei nicht um ein einzelnes Objekt handelt, sondern um gleich 14 grosse Galaxien, die gerade dabei sind, einen Galaxienhaufen zu bilden, wie die Forscher in "Nature" berichten. "Wie diese Ansammlung von Galaxien so schnell gewachsen ist, bleibt ein Rätsel", erläutert Miller.

Deutlich früher als erwartet

Die jetzt beobachtete Verschmelzung fand bereits rund 1,5 Milliarden Jahre nach dem Urknall statt. Nach den gängigen Theorien hätte sie sich erst ungefähr nach der doppelten Zeit ereignen sollen.

"Unsere Entdeckung bietet eine hervorragende Gelegenheit, zu untersuchen, wie aus massereichen Galaxien diese gewaltigen Galaxienhaufen entstehen", betont Miller. Galaxienhaufen sind die massereichsten bekannten Strukturen im Universum.

Beeindruckend ist zudem die Sternproduktion der Galaxien: Zusammengenommen schmieden sie pro Jahr rund 15'000 neue Sonnen. Unsere eigene Galaxie, die Milchstrasse, produziert im Schnitt nur einen einzigen neuen Stern im Jahr. Die Galaxienansammlung ist damit die aktivste Region überhaupt, die bislang im jungen Universum entdeckt worden ist.

Vermutlich keine Einzelfälle

Ähnlich aktiv sind auch die zehn Galaxien, die ein zweites Team um Iván Oteo von der Universität Edinburgh im Fachblatt "Astrophysical Journal" vorstellt und die sich ebenso früh zusammengeballt haben.

"Die Tatsache, dass wir so viele Galaxien in beiden Haufen gleichzeitig in dieser Starburst-Phase sehen, deutet entweder auf einen bisher unbekannten Mechanismus, der die Sternentstehungsaktivität über Hunderttausende von Lichtjahren hinweg anregt, oder aber auf die Existenz von Gasströmen aus dem ursprünglichen kosmischen Netz, die den Gasvorrat in diesen aktiven Galaxien jeweils wieder auffüllen", erläutert Axel Weiss vom Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn, der Ko-Autor beider wissenschaftlichen Veröffentlichungen ist.

Die Astronomen gehen davon aus, dass die beiden Beobachtungen keine Einzelfälle sind. "Die neuen Entdeckungen mit 'Alma' stellen nur die Spitze des Eisbergs dar", meint Eso-Astronom Carlos De Breuck. "Zusätzliche Beobachtungen mit 'APEX' haben schon gezeigt, dass die tatsächliche Anzahl dieser sternbildenden Galaxien sogar dreimal höher sein dürfte." (sda/dpa)

Lädt

Schlagwort zu Meine Themen

Zum Hinzufügen bitte einloggen:

Anmelden

Schlagwort zu Meine Themen

Hinzufügen

Sie haben bereits 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

Entfernen

Um «Meine Themen» nutzen zu können, stimmen Sie der Datenspeicherung hierfür zu.

Kommentare
0 Kommentare
Kommentare hinzufügen
Noch Zeichen

Um Kommentare zu schreiben, müssen Sie eingeloggt sein!

Wenn Sie noch keinen Account haben, füllen Sie bitte die notwendigen Daten für eine Registrierung aus. Sie werden automatisch eingeloggt und können anschliessend Ihren Beitrag verfassen.

Anmelden oder registrieren

oder

Ähnliche Artikel

Die Aufnahme des Schwarzen Lochs in der Galaxie M87 stellt den ersten direkten visuellen Nachweis eines Schwarzen Lochs dar.
Bislang gab es von Schwarzen Löchern nur Illustrationen. Jetzt haben Astronomen das erste Bild gemacht.
10.04.2019
Tiefer Blick in die Vergangenheit des Alls: Das "Hubble"-Teleskop erspähte Galaxien kurz nach dem Urknall.
Astronomen haben rund 7500 Einzelaufnahmen des "Hubble"-Weltraumteleskops zu einem Panoramabild mit 265'000 Galaxien kombiniert.
05.05.2019
Künstlerische Darstellung eines Magnetar. Dank dem Bildstabilisator Ibis im Weltraumteleskop "Integral" konnte ein Magnetar erstmals als Quelle eines Schnellen Radioblitzes lokalisiert werden. (Bild Esa)
Ende April schrillte der Alarm in Observatorien rund um die Welt: Ein toter Stern in unserer Galaxie sendete ein einzigartig intensives Gemisch ...
28.07.2020
­
­