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Hoffnung für Huntington-Betroffene

Chorea Huntington ist eine unheilbare, heimtückische Krankheit, die etwa ab dem 30. Lebensjahr die Nervenzellen im Gehirn zerstört. Wissenschaftler an der Lausanner ETH (EPFL) haben ein Enzym entdeckt, das eine wichtige Rolle bei der Therapie spielen könnte.
Mutiertes Huntingtin, erkennbar am langen Glutamin-Schwanz, der zur Zusammenlagerung des Huntingtins in den Gehirnzellen führt und diese zerstört. (EPFL)
Mutiertes Huntingtin, erkennbar am langen Glutamin-Schwanz, der zur Zusammenlagerung des Huntingtins in den Gehirnzellen führt und diese zerstört. (EPFL)

Huntington äussert sich in unkontrollierten Bewegungen, psychologischen Problemen und dem allmählichen Verlust des Bewusstseins. Sie wird durch eine Mutation in dem Gen verursacht, welches das Protein Huntingtin kodiert, wodurch es einen abnorm langen Schwanz der Aminosäure Glutamin bildet. Dieser Schwanz hindert Huntingtin daran, sich zu falten, so dass es sich in den Nervenzellen des Gehirns ansammelt und diese abtötet.

Hunderttausende Menschen weltweit sind betroffen, und als "autosomal dominante" Krankheit genügt ein Elternteil, um die Krankheit mit einer 50-prozentigen Wahrscheinlichkeit zu vererben. Wissenschaft und Wirtschaft erforschen verschiedene Therapieansätze. Strategien, die den grössten Erfolg versprechen, bauen auf die Senkung der Huntingtin-Konzentration oder die Hemmung der Zusammenlagerung - oder beides. Entweder steht die Unterdrückung des Huntingtin-Gens im Fokus oder die Aktivierung von Mechanismen, welche den Abbau des Proteins fördern.

Wissenschaftler um Professor Hilal Lashuel an der EPFL haben ein neues Enzym identifiziert, das beides kann. Das Enzym "TBK1" spielt eine zentrale Rolle bei der Regulierung des Abbaus und der Freisetzung des Proteins und führt Modifikationen ein, die seine Zusammenlagerung blockieren. "Wir glauben, dass dies ein brauchbares Ziel für die Entwicklung einer möglichen Behandlung der Huntington-Krankheit darstellt", sagt Lashuel.

Phosphat verhindert Klumpen

Studien haben gezeigt, dass die künstliche Hinzufügung von Phosphatgruppen zu Huntingtin die Entstehung der Krankheit verhindern kann. "Um das therapeutische Potenzial der Phosphorylierung zu erforschen, mussten wir jedoch die natürlichen Kinasen identifizieren, die diese Aufgabe im Inneren der Zelle übernehmen", sagt Lashuel. "Nachdem wir Hunderte von Kinasen gescreent hatten, waren wir begeistert, TBK1 zu identifizieren, weil es seine Aufgabe sehr spezifisch und hoch effizient erfüllte."

Im Tiermodell bestätigte sich die Wirksamkeit: Die Überexpression der TBK1-Kinase schützte vor der Toxizität des mutierten Huntingtins im Versuchstier und verhinderte die Entwicklung der Krankheit. Die Forscher erzielten ähnliche Ergebnisse bei kultivierten Neuronen. (sda)

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