«Das habe ich mit einem Mann noch nie gemacht»: Trumps neue Wahlkampfmasche
Eine Wahlkampfrede von Donald Trump kommt einer rhetorischen Achterbahnfahrt gleich: Man weiss nie so recht, was als Nächstes kommt.
Neuerdings gibt es aber zumindest eine Konstante in Trumps Auftritten. Er spricht oft über das äussere Erscheinungsbild von Männern, mit denen er sich umgibt. Und zwar nicht nur in Nebensätzen, sondern in aller Ausführlichkeit – schliesslich hat der amerikanische Präsident viel Zeit. Seine Auftritte dauern mittlerweile länger als 90 Minuten.
Dabei gibt es Unterschiede. Recht harmlos sind die netten Komplimente, die Trump in seinen Reden verteilt. So lobte er diese Woche in Kansas die ranghöchsten Generäle des amerikanischen Militärs für ihr «grossartiges Aussehen». Auch sprach er dem alternden Rockmusiker Ted Nugent ein Kompliment aus. «Dein Sohn ist ein gutaussehender Kerl», sagte der Präsident.
Seit einigen Tagen geht Trump aber noch einen Schritt weiter. Er findet nicht nur nette Worte, er beschreibt dem Publikum auch detailliert, warum er die Männer attraktiv findet. So sagte er über den republikanischen Senator Jon Husted während eines Wahlkampfauftritts in Kentucky: «Ich untersuchte seinen Arsch. Das habe ich mit einem Mann noch nie gemacht.»
Seine Schultern? «Ein Stück Stahl»
Man könnte das als launige Nebenbemerkung eines 80 Jahre alten Mannes aus New York City abtun, der schon immer eine Schwäche für die amerikanische Glitzerwelt hatte. Aber Trump liess es nicht dabei bleiben. Er sagte: «Ich schaute mir seine Schultern an, ich schaute mir seine Füsse an, ich schaute mir seine Hände an, ich schaute mir seine Kieferpartie an, untersuchend.» Dann habe er Husted auf die Schultern geklopft und diese hätten sich angefühlt wie «ein Stück Stahl». Seine Hand schmerze noch immer, witzelte Trump.
Das Publikum lachte. Husted, 59 Jahre alt, hat in der Tat einen ausgeprägten Kiefer. Und es ist kein Geheimnis, dass Trump davon überzeugt ist, gut aussehende Menschen hätten es einfacher in dieser Welt. Er spricht ständig über die «good genes» von Politikern und Sportlern. Aber so anschaulich hat ein Präsident wohl noch nie ein Kongressmitglied beschrieben.

Auffallend an dieser Anekdote ist, dass Trump seinen Parteifreund bereits vor einigen Tagen während eines Auftrittes in Ohio mit Komplimenten überschüttet hatte. Dabei erwähnte er auch das Hinterteil des Senators und zwar lobend. In Kentucky behauptete Trump dann, dieses Lob habe dazu geführt, dass Husted in den Meinungsumfragen zehn Punkte zugelegt habe. Belege dafür gibt es keine.
Der Präsident kann übrigens auch anders. Während des Parteitags der Republikaner in Dallas, Texas, machte sich Trump einen Spass daraus, das Aussehen von Senatskandidat Ken Paxton zu kritisieren. «Er ist vielleicht nicht der attraktivste Mann, den ich je gesehen habe», sagte er über seinen Parteikollegen. Aber weil er Erfolge vorweisen könne, habe Paxton die Wahl in den Senat verdient, sagte Trump.
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