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Tolkien-Zeichner John Howe sucht Antworten

Das Universum von J. R. R. Tolkien - "Der Herr der Rinde" oder "Der Hobbit" - hat er in Bilder übersetzt; weltweit ist er damit bekannt geworden: John Howe. Ein Gespräch mit dem kanadischen Illustrator, der in Neuenburg lebt.
John Howe illustriert die Werke von J.R.R. Tolkien für Bücher, Kalender oder Filme. Die fantastischen Welten von Mittelerde faszinieren den Kanadier, der seine Wahlheimat in Neuenburg hat, seit seiner Kindheit.
John Howe illustriert die Werke von J.R.R. Tolkien für Bücher, Kalender oder Filme. Die fantastischen Welten von Mittelerde faszinieren den Kanadier, der seine Wahlheimat in Neuenburg hat, seit seiner Kindheit. (Bild: Keystone/JEAN-CHRISTOPHE BOTT)

An "Der Herr der Ringe" hat Amazon 2017 die weltweiten Fernsehrechte gekauft und die Serie für 2021 angekündigt. Diesen Plan hat das Coronavirus erst einmal vereitelt. Und der Unterhaltungskonzern macht ein grosses Geheimnis um den Stand der Dinge. Nur tröpfchenweise gelangen Informationen an die Öffentlichkeit. Bekannt ist aber, dass John Howe an der Produktion beteiligt ist. Zusammen mit seinem Landsmann Ted Nasmith und dem britischen Illustrator und Filmdesigner Alan Lee gilt er als bedeutendster Illustrator der Werke von J. R. R. Tolkien.

Grosse Vielseitigkeit

Dabei gibt sich Howe bescheiden: "Das ist alles relativ", sagt er gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Immerhin habe ihm seine Bekanntheit eingebracht, dass er nicht andauernd erklären müsse, was er tue. "Der Beruf des Illustrators ist nicht anerkannt. Im Handelsregister bin ich als Graphiker eingetragen."

Das Metier ermögliche ihm indes eine grosse Vielseitigkeit; er befasse sich mit Büchern, Filmen, Design, Grafik, Plakaten, Architektur- und städtebaulichen Projekten sowie der Leitung und Gestaltung von Kulturprogrammen. Ganz besonders das Kino "mit seinen vielfältigen Anforderungen hält den Geist beweglich."

Beweglich ist Howe auch sonst: So hatte er beispielsweise letzten August eine Ausstellung in Shanghai; Bücher mit seinen Illustrationen erscheinen in allen möglichen Sprachen, so auch auf chinesisch. Für kommenden Herbst hat der Verlag Harper Collins Tolkiens "Unfinished Tales" (dt. "Nachrichten aus Mittelerde") mit Illustrationen von Howe, Lee und Nasmith angekündigt. Und derzeit arbeitet Howe an einer Serie für den Fernsehsender Arte über Fantasy-Literatur, als deren Wegbereiter in die Moderne Tolkien gilt.

Diese Resonanz sei ein Zeichen dafür, dass "die Heldenphantasien Fragen aufwerfen, an denen sich im Verlauf der Zeit nichts ändert", sagt Howe, der bereits als 14-Jähriger von den Geschichten Tolkiens fasziniert war. Diese Faszination habe er sich bis heute erhalten, sagt der 62-Jährige. Als Grund führt Howe an, dass Tolkiens Heldenfantasien weder wissenschaftlich noch religiös seien. "Tolkiens Antworten sind nicht demagogisch. Seine Romane öffnen den Lesern die Augen."

Eine weitere Stärke macht Howe darin aus, dass Tolkien, von Haus aus Philologe und Professor für englische Sprache an der Universität Oxford, für seine Werke aus verschiedenen Mythologien geschöpft hat. So flossen beispielsweise das angelsächsische frühmittelalterliche Heldenepos "Beowulf", das mittelhochdeutsche "Nibelungenlied", die isländische mittelalterliche "Völsunga saga" oder "Mabigion", die walisisch-keltische Sammlung von Erzählungen aus dem Mittelalter, in Tolkiens Universum ein.

Platz des Menschen in der Welt

"All diese Geschichten haben nur ein Ziel", so Howe, "nämlich den Platz zu bestimmen, den der Mensch in der Welt einnimmt." Geradezu philosophisch wird der Illustrator, wenn er dazu rät, diese Mythologie auf das gegenwärtige wissenschaftliche Zeitalter zu übertragen: "Es würde uns erlauben, dass wir uns moralisch besser verorten." Denn mit den Fortschritten in der Wissenschaft "haben wir zwar Grenzen verschoben, aber den Antworten auf die ewigen Fragen sind wir nicht näher gekommen".

Dieser Gedanke scheint Howe auch bei seiner Arbeit als Illustrator von Tolkiens Werken zu begleiten. Tolkien sei einer jener Autoren, deren Texte starke Bilder hervorriefen. Zeichnen und Schreiben lägen da ganz nah beieinander, sagt Howe. Beides seien Ausdrucksmittel für die Suche nach Antworten. (sda)

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