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Klara Theater inszeniert Gefängnisleben

Der Stempel auf dem Handrücken zeigt, wo das Publikum eingeschleust wird: "Palmasola". So heisst der grösste Knast in Bolivien und auch das Rechercheprojek des Basler Klara Theaters, das am Mittwoch in der Tuchlaube in Aarau Station gemacht hat.
Das Rechercheprojekt "Palmasola" von KLARA Theaterproduktion machte am 16. Oktober 2019 in der Tuchlaube in Aarau Halt.
Das Rechercheprojekt "Palmasola" von KLARA Theaterproduktion machte am 16. Oktober 2019 in der Tuchlaube in Aarau Halt. (Bild: David Campesino / Klara Theater)

Was es heisst, in der Gefangenenstadt Palmasola in Santa Cruz einzusitzen, zeigt der Autor und Regisseur Christoph Frick exemplarisch anhand von Klaus (Nicola Fritzen), der das schnelle Geld verdienen will. Er lässt sich in Basel für den Kokainschmuggel von Bolivien in die Schweiz anheuern (von wem, bleibt unklar).

Am Flughafen von La Paz geht Klaus der Polizei in die Falle. Ab nach Palmasola, wo ihn drei Insassen (Jorge Antonio Arias Cortez, Omar Callisaya Callisaya und Marioly Urzagaste Galarza) ins Leben hinter den Mauern einführen.

Das ist zunächst alles andere als ein Honigschlecken. Palmasola ist ein von den Gefangenen selbstverwalteter Moloch mit mafiösen Strukturen. Wer sich seines Lebens sicher sein will, zahlt Schutzgeld. Wer aber Geld hat, kann sich sogar einen recht feudalen Aufenthalt erkaufen.

Eine Art Ferienlager

Christoph Frick hat das - so seine Definition - "faszinierende und zugleich erschreckende Sozialexperiment" Palmasola vor Ort studiert. Bewohnt wird die Haftanstalt zurzeit von etwa 6000 verurteilten Verbrechern und Untersuchungshäftlingen, Männern und Frauen, von Kleinkriminellen ebenso wie von Mördern, Vergewaltigern und - im Frauensektor - von Kindern.

Klaus bekommt das harte Klima am eigenen Leib zu spüren. Mit der Zeit aber scheint er sich als Mitläufer damit zu arrangieren, wird Teil der Gemeinschaft, feiert Parties, spielt in der Fussballmeisterschaft mit. Der anfänglich als Hölle erlebte Knast verwandelt sich, das jedenfalls vermittelt der Abend, für ihn beinahe in einer Art Ferienlager, wo es sich sehr gut leben lässt.

Die vier Spielenden geben alles, vor allem viel Tempo, kräftige Stimmen und totalen Körpereinsatz. Gleichwohl hinterlässt der Abend einen schalen Geschmack. Der anfängliche Schrecken schwächt sich ab. Schliesslich schaut man nur noch ziemlich gleichgültig, im besten Fall interessiert zu. Und das irritiert.

Verfasser: Karl Wüst, ch-intercultur (sda)

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