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Wo in Europa am meisten gekokst wird – zwei Schweizer Städte in den «Top 10»

Der europäische Drogenreport zeigt: Ketamin und synthetische Opioide verbreiten sich zunehmend. Bei den harten Drogen ist Kokain aber weiterhin an der Spitze. Das hat seine Gründe.
Kokain ist nach Cannabis die am meisten konsumierte illegale Droge in Europa. Und die Schweiz ist seit einigen Jahren vorne mit dabei. (Bild: Symbolbild: Raphael Rohner)
Nimmt Ketamin, um seine Depressionen zu behandeln: Der reichste Mann der Welt, Elon Musk. (Bild: Keystone)

Europa hat ein Drogenproblem. Und es läuft zunehmend aus dem Ruder. Dies ist das Kürzest-Fazit des jährlichen Berichts der Europäischen Drogenagentur (EUDA), der am Dienstag erschienen ist.

An der Spitze der harten Drogen steht weiterhin Kokain. Dieses sei heute «so leicht verfügbar wie nie zuvor». Das sagte EU-Innenkommissar Magnus Brunner in Brüssel. Zwar wurden 2024 mit 330 Tonnen etwas weniger Kokain-Sendungen aus Südamerika an den europäischen Häfen beschlagnahmt. Im Vorjahr waren es noch 419 Tonnen. Das allein will aber nicht heissen, dass weniger Kokain in Europa ankommt.

Eher zeigt sich, dass die Schmuggler neue Wege gefunden haben. Sie laden ihre Waren vermehrt auf hoher See um und bringen sie mit Schnellbooten oder Seedrohnen an Land. Oder sie integrieren das Kokain mit aufwendigen chemischen Prozessen in andere Waren und lösen es nachher wieder heraus.

Genf und Zürich stabil in den vorderen Rängen

Vor allem aber weichen die Schmuggler von den grossen Frachthäfen wie Antwerpen und Rotterdam zunehmend auf kleinere Häfen aus. Die grösste sichergestellte Kokainmenge fand sich 2024 in Spanien mit 124 Tonnen. Frankreich meldete mit 53,5 Tonnen einen historischen Spitzenwert.

In Belgien gingen die konfiszierten Mengen dagegen um 64 Prozent zurück. In den Niederlanden war es ein Rückgang von 36 Prozent. Was auch auffällt: Für ihr Geschäft, den Strassenverkauf und die damit verbundene Gewaltkriminalität, missbraucht die Kokain-Mafia zunehmend vulnerable Minderjährige.

In diesen Städten in Europa wird am meisten gekokst, proportional zur Einwohnerzahl:

1. Middlesbrough (UK)
2. Bristol (UK)
3. Lleida (ESP)
4. Antwerpen (BEL)
5. Granada (ESP)
6. Amsterdam (NL)
7. Genf (CH)
8. Zürich (CH)
9. Lüttich (BEL)
10. Brüssel (BEL)

Wie schon in den vergangenen Jahren sind die Schweizer Städte Genf und Zürich in den Top Ten von Europas Kokain-Hotspots. Luzern befindet sich auf Platz 15 und aus früheren Abwasseranalysen wissen wir, dass auch in St. Gallen überproportional viel gekokst wird.

Nimmt Ketamin, um seine Depressionen zu behandeln: Der reichste Mann der Welt, Elon Musk. (Bild: Keystone)

Elon Musks Lieblingsdroge ist auf dem Vormarsch

Der Tesla-Chef und reichste Mann der Welt, Elon Musk, hat öffentlich eingeräumt, dass er Ketamin verwendet. Er nimmt es demnach, um seine depressiven Phasen zu behandeln.

Während der auch als Pferdenarkosemittel verwendbare Stoff lange nur in einer Nische konsumiert wurde, wird er von jungen Leuten zunehmend als Freizeitdroge entdeckt. Der Markt und mit ihm die Anzahl der Konsumenten wachsen.

«Diese Normalisierung bereitet mir Sorgen», sagt EUDA-Chefin Lorraine Nolan. Denn Ketamin kann schwere Gesundheitsschäden verursachen. Laut Nolan hat sich die Anzahl der Patientinnen und Patienten, die wegen Ketamin behandelt werden mussten, in den vergangenen Jahren vervierfacht. Besonders in Deutschland scheint Ketamin beliebt zu sein. Hier fanden sich 77 Prozent der sichergestellten Ketaminmenge.

Synthetische Drogen verbreiten sich rasant

Unter den Opioiden bleibt zwar Heroin weiter auf dem Spitzenplatz. Aber synthetisch hergestellte Opioide haben auch in Europa Fuss gefasst. Das bekannteste davon ist wahrscheinlich das Schmerzmittel Fentanyl, das in den USA zu einer regelrechten Epidemie geführt hat. Es ist so stark, dass schon eine Messerspitze davon tödlich sein kann. Auch in Europa spielen synthetische Opioide bei Überdosierungen eine wachsende Rolle. Während in Westeuropa eher gekokst wird, bereiten synthetische Opioide im Baltikum und in Bulgarien Sorgen.

Ein Problem, das sich ebenfalls immer weiter vergrössert, sind neu entwickelte Substanzen. 50 neue Substanzen wurden im vergangenen Jahr in Europa entdeckt – jede Woche kommt eine dazu. Nolan: «Die Vielfalt der auf Europas Strassen anzutreffenden Substanzen wird zunehmend unberechenbar.» Konsumentinnen und Konsumenten erhalten einen Stoff, von dem sie nicht wissen, wie stark er wirken wird.

Das betrifft auch die am meisten konsumierte Droge in Europa überhaupt: Cannabis. Dieses wird teilweise mit hochpotenten synthetischen Cannabinoiden gestreckt, was das Risiko einer Vergiftung erhöht. 

 
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