• Formula E, Hong Kong E-Prix 2019
    Daniel Abt: «Laute autos und quietschende Reifen, damit bin ich gross geworden.»  (Audi)

Magazin: Daniel Abt im Promi-Interview

Wenn andere auf die Bremse treten, gibt Daniel Abt erst richtig Gas. Das Talent aus Kempten ist aktiver Rennfahrer in der Formel E beim Team Audi Sport ABT Schaeffler und jettet dafür um die ganze Welt. Abseits der Rennstrecke ist er aber nicht weniger rasant unterwegs. Schnelle Autos faszinieren ihn und er ist ein Autofan durch und durch. Auf Youtube und Instagram hält er seine Fans über aktuelle Projekte auf dem Laufenden und gibt Einblicke in seinen Rennalltag.

Herr Abt, Sie sind in letzter Zeit viel unterwegs: Lanzarote im Trainingslager, Berlin bei der Guide-Michelin-Preisverleihung und nächste Woche geht es weiter nach Hong Kong zum Formel-E-Rennen. Ihr Terminplan scheint sehr voll zu sein. Stehen sie gerne unter Strom?
Daniel Abt: Bei mir ist das saisonal unterschiedlich. Während der Saison habe ich schon viele Termine und es ist auch stressiger. Und es gibt auch viele andere Verpflichtungen. Es ist intensiv, aber es macht mir Spass und ich mache das alles sehr gerne.

Die aktuelle Formel-E-Saison läuft und momentan liegen Sie im Mittelfeld auf Rang 11 mit 22 Punkten. Wie sehen Sie Ihre Chancen für die Saison?
Realistisch ist im Prinzip alles. Wir hatten jetzt vier Rennen und jedes Mal einen anderen Sieger. Die Fahrer sind alle stark, manchmal hat der eine Pech und eine Panne, mal trifft es einen anderen. In der Formel E ist es nicht wie in anderen Rennserien, bei denen zwei oder drei Teams die Siege unter sich ausmachen, jeder kann mitmischen. Es ist sehr anstrengend und hart und die Situation kann sich schnell verändern. Wir sind noch nicht einmal in der Hälfte der Saison angekommen und viele Punkte sind noch offen. Wenn ein Fahrer an einem oder zwei Wochenenden punktet, kann das schon wieder alles verschieben. Aber das Ziel ist sicherlich, noch weiter vor zu fahren und Punkte zu sammeln. 

Gibt es eine Strecke, die Ihnen besonders liegt oder die Ihnen speziell Spass macht?
Es gibt sicherlich Strecken, die einem besser liegen und solche, die nicht so zu einem passen. Mexiko gefällt mir besonders gut. Ich finde die Strecke interessant und eine spannende Herausforderung. In Mexiko konnte ich auch im letzten Jahr meinen ersten Sieg einfahren. Hong Kong steht bei mir ebenfalls hoch im Kurs. Und natürlich sind Heimrennen immer ein besonderes Ereignis. Das hängt nicht nur mit der Strecke zusammen, sondern mit allem Drumherum. Generell gibt es bei der Formel E eigentlich keine Strecken, die mir keinen Spass machen – alle sind imposant und eindrücklich und es ist eine Freude, dass wir in so tollen Metropolen Rennen fahren dürfen.

Die Rennen der Formel E wird im Unterschied zu anderen Serien ja nicht auf klassischen Rennstrecken ausgetragen, sondern mitten in den Weltmetropolen, zwischen den Häuserschluchten. Was reizt Sie dabei besonders?
Das ist in mehreren Punkten etwas ganz Besonderes. Zum einen ist es eine Herausforderung, weil die Strecken nicht speziell für Rennen ausgelegt sind. Der Asphalt ist unruhiger, es gibt mehr Unebenheiten, kaum Auslaufzonen und oftmals ist der Kurs auch schmutzig. Links und rechts neben der Strecke sind Häuser und Mauern – jeder Fehler im Rennen wird hart bestraft. Das gibt mir und den anderen Fahrern einen extra Kick. Natürlich ist auch die Atmos­phäre eine ganz andere. Durch eine Weltmetropole zu fahren, wo das tägliche Leben rundherum pulsiert, ist etwas ganz anderes, als abseits auf einer Rennstrecke zu fahren. Dieses Kernelement der Formel E ist, glaube ich, auch das, was die Menschen und Zuschauer so fasziniert. Das macht nicht nur Spass beim Fahren, sondern auch beim Zuschauen und es bietet eine ganz andere Art von Rennsporterlebnis.

Bekommen Sie von den einzelnen Städten überhaupt etwas mit oder haben Sie dafür kaum Zeit?
Meistens nehme ich mir schon vor, etwas in den jeweiligen Städten zu unternehmen – vielleicht in ein Restaurant essen zu gehen oder etwas anzuschauen. Wir sehen schon etwas von der Stadt, da wir im Vorfeld ja auch Marketingveranstaltungen haben, die abseits der Strecke stattfinden. Manchmal reise ich auch einen Tag früher an, wenn es sich zeitlich ausgeht – besonders wegen des Jetlags ist das besser. Aber die meiste Zeit bin ich auf das jeweilige Rennen konzentriert. Schliesslich ist es ja auch Arbeit und jedes Rennen ist eine grosse Herausforderung, die ich bestmöglich bewältigen möchte. 

Sie kommen aus einer Motorsportfamilie. Wurde Ihnen quasi Geschwindigkeit und PS in die Wiege gelegt?
Ja, klar. Wenn man aufwächst, bekommt man mit, was die Eltern so machen und wofür sie sich interessieren, das prägt einen. Meine Eltern waren oft auf dem Rennplatz und ich auch. Laute Autos und quietschende Reifen, damit bin ich gross geworden. Das weckte schon früh mein Interesse. Das schöne war, dass mir meine Eltern immer freigestellt haben, ob ich in diesen Bereich gehen möchte. Es gab keinen Zwang oder Druck. Es war eine Chance und eine Option, für die ich mich frei entscheiden konnte. Angefangen habe ich als Kind mit Kartfahren. Damals habe ich es nicht als Job gesehen, sondern als cooles Hobby – andere gingen Fussball spielen. Ich bin dann unterschiedliche Serien gefahren und erst als ich zum ersten Mal in einem Formel-Auto sass, wusste ich, dass ich diesen Beruf ausüben wollte. 

Welche Rolle spielte Ihr Vater bei der Entwicklung? Hatte er Einfluss auf den Weg, den Sie eingeschlagen haben?
Mein Vater ist für mich ein absolutes Vorbild. Er ist aber kein Motorsportler, sondern hat sich besonders auf sein Geschäft konzentriert. Es war also nicht so, dass er mich zu jedem Rennen begleitet und mir Tipps zur Strecke gegeben hat. Er hat mich in die Welt losgelassen und gesagt: «Mach dein Ding.» Für mich ist mein Vater auf der menschlichen und geschäftlichen Seite ein Vorbild und Ratgeber. Es gibt viele Beispiele von Rennfahrern, die rund um die Uhr von ihrem Vater betreut und überwacht werden, was nicht unbedingt der richtige Weg ist. Ich finde unser Verhältnis ideal. Er baut keinen zusätzlichen Druck auf und lässt mir meinen Freiraum. So konnte ich mich selbst besser weiterentwickeln und ich wurde schneller erwachsen. 

Sie sind seit dem Beginn der Formel-E-Serie 2014 als aktiver Pilot mit dabei. Was macht für Sie den besonderen Reiz beim Elektrorennsport aus?
Das gesamte Konzept ist sehr reizvoll. Die Formel E ist mit der Idee gestartet, die Elektromobilität zu fördern und die Entwi­cklung in diesem Bereich voranzutreiben. Gleichzeitig wollte die Formel E eine Veränderung bringen und das bestehende Rennformat abändern. Der komplette Ansatz war damals erfrischend und neu. Es hat mir von Beginn an Spass gemacht, mit dabei zu sein. Ich habe die Atmosphäre genossen, es war wie ein Start-up, an das alle glaubten und viele Menschen teilgehabt haben. Mit der Zeit hat sich die Serie weiterentwickelt und Fortschritte gemacht. Nach wie vor finde ich die Formel E spannend und freue mich, dass ich Teil von diesem Projekt sein darf. Es ist schön zu sehen, wie die Formel E wächst, neue Strecken dazu kommen, sich die Fahrzeuge weiterentwickeln. Am Anfang konnte noch niemand voraussagen, dass das Konzept so erfolgreich sein wird und so gut bei den Fans ankommt. Ich bin froh, dass ich in die Formel E gewechselt bin, mir hat es gut getan.

Das Schönste ist natürlich, nach einem Rennwochenende als erster ins Ziel zu fahren. Sie konnten in der vergangenen Saison in Mexiko und Berlin gewinnen. Was ist das für ein Gefühl?
In jedem Sport und natürlich auch in der Formel E baut sich der Druck und das Adrenalin über einen Zeitraum auf. An einem Rennwochen­ende kann so viel passieren, es gibt Höhen und Tiefen. Gerade in der Formel E, wo alles an einem Tag stattfindet, kann sich das Blatt schnell wenden. Wenn man dann ein Rennen gewinnt, ist das ein unbeschreibliches Gefühl – das ist der Grund, warum man Rennen fährt. Für ein, zwei Stunden fühlt man sich dann wie ein Rockstar. Das schöne an der Formel E ist auch die Festzeremonie. Wir stehen am Ende nicht auf einem Podest über den Fans und Kollegen, sondern wir laufen durch die ganze Menge hindurch – wir klatschen mit allen ab und freuen uns gemeinsam, jubeln und haben Spass – das ist unbeschreiblich.

Was war Ihre extremste Erfahrung mit einem Fahrzeug?
Schwer zu sagen. Es gibt viele gute Autos und jedes hat seine eigene Richtung und Vorteile. Ich habe die Möglichkeit durch meinen Beruf und meinen Youtube-Kanal mit vielen unterschiedlichen Autos in Berührung zu kommen. Und auch die Fahrzeuge, die wir hier bei ABT haben sind alle speziell. Da kann ich kaum eine Erfahrung herauspicken, weil alle auf ihre eigene Art beeindruckend sind. Ich geniesse es, dass ich viele unterschiedliche Autos fahren darf und ich hoffe, dass da noch viel Gutes in Zukunft kommt.

Neben Ihrer aktiven Karriere als Rennfahrer sind Sie auf Social Media sehr aktiv. Ist das quasi ein zweiter Job neben der Formel E?
Genau. Ich habe mit den Videos auf Youtube einmal mit der Intention angefangen, mich als Rennfahrer und unseren Sport den Fans näherzubringen. Sonst sieht man uns oft nur mit Helm, man kennt die Gesichter nicht. Die sozialen Kanäle wie Youtube und Instagram sind dafür ideal. Und nach einer Weile hat das seine eigene Dynamik angenommen – man will besser werden und professionellere Videos machen. Ein Kameramann kam hinzu und mittlerweile sind wir zu viert – ich plus zwei Kameraleute und eine Person im Hintergrund, der für das Organisatorische zuständig ist. Es ist eine Win-win-Situation. Ich kann zeigen, was in meinem Leben passiert. Aber auch unsere Firma, die Audi-Produkte und der Motorsport und alle anderen Teilbereiche haben hier ihren Platz. Ich denke, dass so ein Format eine Zukunft hat und auch künftig mehr Rennfahrer auf dieser Schiene aktiv sein werden. Die Fans wollen näher dran sein und stets neuen Content. 

Auf Social Media sehen Sie direkt, wie gut ein Video läuft, wie viele Menschen sich das anschauen, und Sie können mit Ihren Fans interagieren. Was ist das für ein Gefühl, mit Ihren Beiträgen so viele Menschen zu erreichen?
Teilweise verstehe ich das gar nicht. Schliesslich steht da unter den Videos ja einfach eine Zahl – das ist sehr abstrakt. Wenn ich mir die Zahl einmal bildlich vorstelle, ist das für mich immer ein ultimativer Kick. Aber das hat nicht von Beginn an so geklappt. Als wir die Marke von 10 000 Abonnenten auf Youtube erreicht haben, war das ein riesiges Ereignis und wir haben das gefeiert. Heute kommen so viele Fans im Monat neu dazu. Es war ein Prozess. Man muss die Fans unterhalten und sich stets neu erfinden. Sie wollen immer etwas Cooles sehen, etwas Neues und das ist nicht immer einfach. 

Aktiv auf Social-Media-Kanälen zu sein und regelmässig neuen Content zu produzieren, fordert jedoch auch kreative Ideen und bedeutet viel Arbeit. Wie gehen Sie mit diesem Druck um?
Ich glaube, dass alle Druck verspüren, die ein gewisses Ziel verfolgen und etwas schaffen wollen. Die Erwartungshaltung ist hoch, egal ob man morgens ins Büro geht oder Rennen fährt. Es ist wichtig, dass man sich Ziele setzt und diese versucht zu erreichen. Ich habe das Glück, dass ich ein tolles und dynamisches Team habe. Es macht Spass zu überlegen, was wir als nächstes machen können. Ich empfinde es nicht als Druck, sondern es hilft mir und ich fühle mich gut dabei.

Ein aktuelles Projekt auf Ihrem Youtube-Kanal ist im Moment «Mein neues Auto». Sie nehmen einen Audi A1 und passen den an, bauen alles um und machen daraus etwas Einzigartiges. Wie ist Ihnen die Idee dazu gekommen?
Wir haben schon immer gerne Autos umgebaut und getunt. Als der neue A1 herausgekommen ist, hat er mir auf Anhieb gut gefallen. Da kam die Idee, dieses Mal einen kleinen Wagen als Grundlage für unser aktuelles Tuningprojekt herzunehmen. Damit sind wir näher bei unseren Fans. Der A1 ist leichter erschwinglich, es ist ein tolles Auto und man kann viel damit machen. Es ist eine neue Chance und ich kann allen versprechen: Das Ergebnis wird extrem und einfach supercool. Aber zu viel kann ich leider nicht verraten. Wir werden unsere Fans aber auf Youtube auf dem Laufenden halten. 

Wenn Sie sich entscheiden müssten, was liegt Ihnen mehr? Elektrofahrzeuge oder Benzinmotoren?
Diese typische Frage: das eine oder das andere – die stellt sich für mich nicht. Ich bin ein Autofan. Es gibt gute Autos mit Verbrennungsmotoren und es gibt super Fahrzeuge mit elektrischem Antrieb. Beide Varianten haben ihren Reiz und Charme und beides hat Vor- und Nachteile. Ich finde nicht, dass man sich da entscheiden muss – das ist der falsche Ansatz. Es entwickeln sich auch immer neue Möglichkeiten und am Ende des Tages muss man offen sein und nicht in Schwarz oder Weiss denken. 

Sie betreiben auch Merchandising und haben eine eigene kleine Modelinie mit «allthewayabt». Interessieren Sie sich für Mode oder wie hat sich das ergeben?
Ich kenne mich in der Modewelt nicht sonderlich gut aus, aber ich trage gerne schöne Kleider. Irgendwann haben Fans angefragt, ob es Fanartikel zu kaufen gibt und so haben wir es ausprobiert. Für mich ist das ein völlig neues Terrain und ich musste mich erst damit auseinandersetzten. Wir haben eine kleine Kollektion mit Kleidern entworfen, wie ich sie gerne trage. Und es kommt gut an. 

Was ist das Verrückteste, was Sie jemals gemacht haben?
Da fällt mir beispielsweise ein, dass ich einmal mit einem Fallschirm aus einem Flugzeug gesprungen bin. Das Gefühl, aus 4000 Metern zu springen, ist schon gewaltig und eine geile Erfahrung. Es ist ein ganz anderer Adrenalinkick als in einem Rennauto. Das war eine tolle aber auch komische Erfahrung. Es ist eine Art Kontrollverlust, den ich ja sonst als Rennfahrer möglichst vermeide. 

Was wird man in Zukunft noch von Ihnen sehen oder hören? Welche Pläne haben Sie?
Ich werde weiterhin Formel E fahren und meine anderen Projekte vorantreiben. Ansonsten möchte ich mir noch viel offen lassen und spontan entscheiden. Aber es wird coole Projekte geben und meine Fans können sich noch auf vieles freuen.

Kennen Sie eigentlich Liechtenstein?
Einer meiner Sponsoren kommt aus Liechtenstein und deshalb war ich schon einige Male dort. Ansonsten kenne ich das Land nicht besonders gut. Aber natürlich kenne ich Tina Weirather und Marco Büchel – beide waren auch schon bei Formel-E-Rennen. Marco konnte ich einmal persönlich kennenlernen, Tina bisher noch nicht. (lat)

19. Mär 2019 / 17:53
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