• Michele Porzio
    Michele Porzio  (Daniel Ospelt)

«Ich hatte immer die Nase vorn»

Er ist ein Mann mit 1000 Geschichten, ein Tausendsassa. Zahlreiche Berufe hat er in seinem Leben ausgeübt, Rennautos gebaut und Oldtimer zu neuem Glanz verholfen: Michele Porzio. Während spätestens im Jahr 1974 durch seine Siege bekannt wurde, geniesst er heute die Langsamkeit seiner Oldtimer und alten Holz-Segelschiffe, die er in Elba geankert hat. Wie Autos und der Rennsport sein Leben beeinflusst haben, erzählt er im grossen «autofrühling»-Interview.
Vaduz. 

Herr Porzio, Sie sind stolzer Besitzer zweier Oldtimer. Verraten Sie uns etwas über die Raritäten?
Michele Porzio: Bei dem einen handelt es sich um einen Renault Celta, Jahrgang 1937, den ich aktuell noch restauriere. Der andere Oldtimer ist ein Corvette-Cabriolet, Jahrgang 1964. Von dieser Corvette sind dazumal nur drei Stück in die Schweiz importiert worden. Ehemals gehörte sie meinem Ex-Chef in Walenstadt. Ich erinnere mich, als er das erste Mal mit ihr vorfuhr und ich bei ihrem Anblick fast ausflippte. Jahre später dann stiess ich per Zufall auf genau diese Corvette, die zum Verkauf stand. Der Motor war komplett verbrannt. Ich erkannte sie wieder und ergatterte sie für rund 8000 Franken. Anschliessend restaurierte ich den gesamten Wagen mit viel Geduld in meiner Garage. Sie hat nur 27 000 Kilometer auf dem Tacho und eine Urgewalt unter der Haube. Sowohl der Renault Celta wie die Corvette sind seit den 70er-Jahren in meinem Besitz. Früher hatte ich ausserdem noch rund 12 Porsche 356er in der Garage in Sevelen eingestellt – doch die sind mittlerweile alle verkauft.

Sie hatten 12 Porsche 356er in Ihrer Garage stehen?
Genau. Ich hatte jeden einzelnen in schlechtem Zustand für wenig Geld gekauft und anschliessend eigenhändig repariert und restauriert – ich habe ja Automechaniker auf Porsche gelernt. Der Einkaufspreis lag bei rund 500 Franken, der Verkaufswert war natürlich um das Vielfache höher. Das war ein gutes Geschäft. Im Moment habe ich noch einen Original-Motor eines Carrera 51er in der Garage – ein sehr seltenes Modell. Ich habe ihn komplett auseinandergenommen und repariert. Leider war das Chassis kaputt und nicht mehr zu retten. Ich bin deswegen in Kontakt mit dem Porsche-Werk in Stuttgart, ob sie mir ein neues liefern können.

Würden Sie Ihre Oldtimer verkaufen oder hängt das Herz zu sehr daran?
Den Renault schon, aber die  Corvette momentan nicht. Sie war einmal für meinen Sohn gedacht, der leider viel zu früh starb. Jetzt behalte ich sie als Erinnerung an ihn.

Waren Sie schon als kleiner Bub autoverrückt? Oder wer hat Ihre Leidenschaft geweckt?
Seit ich denken kann, faszinieren mich Autos und ihre Technik. Ich bin als jüngster von vier Söhnen auf einem grossen Landwirtschaftsbetrieb in Apulien aufgewachsen. Dort hatten wir die ersten Traktoren und Dreschmaschinen in der Region, die wir selbst reparierten. Später eröffnete mein Bruder seine eigene Garage, wo er Autos und Mopeds reparierte. In seiner Werkstatt habe ich die Grundlagen gelernt. Eigentlich wollte ich nach der Grundschule mit 12 Jahren in die Garage meines Bruders einsteigen, aber das war nicht so einfach. Auf der einen Seite wollte mein Vater, dass ich den heimischen Landwirtschaftsbetrieb übernehme, auf der anderen Seite gab es noch meinen Grossvater, der mich gerne in seiner Schreinerei gehabt hätte. Am Ende lernte ich dann erst einmal Maurer, bis ich mit 16 ½ Jahren nach Mailand ging, um Konstruktionsschlosser zu lernen.

Bereits mit jungen 18 Jahren verliessen Sie Italien, um in der Schweiz sesshaft zu werden. Was bewog Sie zu diesem Schritt?
Ein Bruder von mir arbeitete bereits in der Schweiz und sagte mir, dass man hier gut verdiene. So besuchte ich ihn am 10. Mail 1960 – und bin gleich geblieben. Obwohl ich meine Ausbildung damals noch nicht abgeschlossen hatte, trat ich in einer Fabrik in Flawil eine Stelle als Konstruktionsschlosser an. Später arbeitete ich auch in anderen Regionen, begann in Bad Ragaz mit dem Heizungstankbau und bekam 1965 schiesslich eine Anstellung in Liechtenstein als Kunstschlosser. Nebenbei habe ich immer abends die Autos von Freunden repariert und kleine Servicearbeiten erledigt. Und am Wochenende habe ich noch Tanzmusik im Rheintal mit den «Tornados» gemacht. Man kann sagen, dass ich damals drei Berufe gleichzeitig ausgeführt habe (lacht).

Können Sie sich noch an Ihr erstes Auto erinnern?
Das war ein Ford Taunus 12M. Den Fahrzeugausweis habe ich immer noch. Irgendwann hatte das Auto einen Motorenschaden, aber die Karosserie konnte ich trotzdem noch verkaufen. Damals merkte ich, dass man mit alten Autos viel verdienen kann, wenn man sie restauriert oder Ersatzteile verkauft.

Das haben Sie ja bereits zu Beginn angemerkt, dass sich in dieser Branche viel machen liess. So werden Sie sich vermehrt auf die Arbeit mit Autos fokussiert haben.
Das ist so. Ich investierte immer mehr Zeit in die Autospengler-Arbeiten – auch wenn ich den Beruf zum damaligen Zeitpunkt noch nicht gelernt hatte. 1968 begann ich, mich auf Alfa Romeo zu spezialisieren und den Autorennsport für mich zu entdecken. Ich fuhr für Liechtenstein und gewann mit meinem damaligen Rennauto, ein Alfa Romeo Cabriolet, dann mit einem werkgetunten Sunbeam Imp praktisch jedes Rennen. Zu jener Zeit habe ich auch meine Frau kennengelernt.

War Ihre Frau eine Autoliebhaberin? Oder wie sonst konnte Sie Ihr Herz gewinnen?
Natürlich spielten die Autos auch bei unserem Kennenlernen eine Rolle. Es war ein Sommer und ich bin mit ein paar Kollegen vor dem Café Wolf gesessen – mein schönes schwarzes Alfa Romeo Cabriolet davor parkiert. Da fuhr meine jetzige Frau mit einem schnittigen MG vor. Wir haben gegenseitig unsere Autos bewundert und zusammen einen Kaffee getrunken. So hat es begonnen. Und vier Jahre später haben wir dann geheiratet. Sie hat mich – wann immer möglich – zu den Rennen begleitet.

Wo sind Sie Rennen gefahren?
Europaweit – vom Hockenheim-Ring über Monza, Mugello, bis hin zu allen Bergrennen. Ich hatte praktisch immer die Nase vorne. Als Liechtensteiner fuhren wir für die Schweiz. Wir haben sowohl an der Schweizer Meisterschaft wie auch an der Europameisterschaft teilgenommen.

Zu jener Zeit haben Sie die Rennautos von Heidegger mitentwickelt. Wie kam diese Zusammenarbeit zustande?
Max Heidegger rief damals seine erste Tuning-Abteilung für BMW-Rennwagen ins Leben. Da er mich kannte und über meine Erfolge Bescheid wusste, fragte er mich an, ob ich für ihn arbeiten wollte – und ich sagte zu. Wir bauten die Abteilung zu dritt auf. Ich war zuständig  für den Ausbau und die Montage. Das heisst, meine Aufgabe war es, erst den gesamten Motor, die Sitze, Aufhängung und alles auszubauen, um anschliessend die frisierten Teile wieder zu montieren und Probe zu fahren. Die zweite Person hatte die Aufgabe, die Motoren zu frisieren, einzustellen und zu prüfen. Und der dritte Mann im Bunde war für die Feinmechanik des Motors zuständig. Wir waren ein gutes Team. Irgendwann beendete ich allerdings die Zusammenarbeit aufgrund eines Missverständnisses.

Ein Missverständnis?
Als ich für einige Zeit in Italien war, hat man ohne mein Wissen den Motor meines Sunbeam zerlegt, um zu sehen, was ihn so leistungsfähig macht. Ein Kunde wollte den gleichen Wagen wie ich. Ich war damals sehr zornig und verliess das Unternehmen, um meine eigene Garage in Vaduz zu eröffnen. Es war allerdings ein rein geschäftlicher Bruch, Max Heidegger und ich blieben weiterhin befreundet.

War es schwer, mit einer eigenen Garage in Vaduz Fuss zu fassen?
Es lief eigentlich gut – ich hatte ja bereits einen Namen. Zu Beginn, als ich noch kein Diplom hatte, habe ich Autos vermietet, Servicearbeiten erledigt sowie einen Pneu- und Autohandel betrieben. Später lernte ich in Chur den Beruf des Automechanikers. Mein Leben lang habe mich ständig weitergebildet. Schon meine Grosseltern sagten immer: Wer stehen bleibt, ist verloren. Als ich den Abschluss in der Tasche hatte, begann ich, Autos zu frisieren und mich auf Rennwagen zu spezialisieren. Ich habe meinen Sunbeam gegen einen Formel-V-Rennwagen eingetauscht und stürzte mich in den Rennsport.

Irgendwann haben Sie begonnen, Ihre eigenen Rennwagen zu bauen.
Das war das Grösste für mich, ein Auto selbst zu konstruieren. Ich habe das Chassis ganz neu aufgebaut – mit einer anderen Karosserie. Die Motoren habe ich selbst frisiert. Aus den 1300 VW-Motoren mit 34 PS holte ich gewaltige 107 PS heraus. Nicht einmal das VW-Werk in Deutschland, das ebenso Formel-V-Wagen baute, erreichte diese PS-Zahl. Sie stiessen bei 92 PS an ihre Grenzen. Das ärgerte sie, denn die Vorgaben waren ja für alle gleich: Es durfte ausschliesslich Original-VW-Zubehör verwendet werden. So habe ich dann Rennen gewonnen.

Was war Ihr grösster Erfolg im Formel-V-Autorennsport?
Das waren die Triesenberger Bergrennen, die ich oft gewonnen habe. 1974 wurde ich in Liechtenstein sogar zum Sportler des Jahres gewählt. (Interview: ne)

Das ganze Interview mit Michele Porzio lesen Sie im neuen Vaterlandmagazin «autofrühling».

17. Mär 2015 / 06:00
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