• Franz Wirnsperger, Vaduz
     (Tatjana Schnalzger)

«Wir müssen das Vertrauen wieder Schritt für Schritt aufbauen»

Nach den jüngsten Turbulenzen bei der Telecom Liechtenstein will Franz Wirnsperger, der neue Verwaltungsratspräsident, Ruhe in das Unternehmen bringen. Im Interview erklärt er, weshalb er auf Ausgleich setzt und weshalb die Telecom bald Schweizer Nummern anbieten dürfte.
Herr Wirnsperger, Sie haben ein turbulentes erstes Halbjahr als Verwaltungsratspräsident hinter sich. Gab es einen Zeitpunkt, an dem Sie bereut haben, die Verantwortung für diesen Laden übernommen zu haben?
Franz Wirnsperger: Interessante Frage zum Einstieg (lacht). Nein, bis jetzt habe ich es nicht bereut. Als die Anfrage kam, ging alles relativ schnell. Doch es war von Anfang an eine sehr spannende Aufgabe, gerade auch, weil die Industrie selbst äusserst interessant ist. Aber ich wusste natürlich auch, dass es Herausforderungen gibt. Der Markt ist sehr dynamisch. Das betrifft nicht nur die Telecom, sondern alle Unternehmen in der Branche. 
 
Die Herausforderungen bei der Telecom dürften aber schon etwas grösser sein als anderswo. Immerhin sind ja Sie auch zu Ihrem Job gekommen, weil Ihr Vorgänger «nicht mehr zumutbar» war, wie es die Regierung als Mehrheitsaktionär ausdrückte. Da liegt doch einiges im Argen.
Das muss man etwas differenzierter sehen. Es ist sehr viel Gutes in der Telecom passiert, gerade auch seit der Fusion. Aber natürlich gibt es Rahmenbedingungen, die nicht ganz unkompliziert sind. Wir haben sehr viele Stakeholder. Da erfordert es meiner Meinung nach eine ausgleichende Rolle des Verwaltungsratspräsidenten. Über Versäumnisse in der Vergangenheit möchte ich mich nicht äussern., Ich habe aber doch gespürt, dass vor allem in diesen ausgleichenden Tätigkeiten Probleme bestanden haben. Das betraf den Umgang mit Stakeholdern, aber auch die Kommunikation.
 
Dort werden Sie ansetzen, sprich die Kommunikation verstärken?
Ja, absolut. Hier sehe ich auch meine Stärken. Das war mitunter ein Grund für meine Zusage. Es ist auch bei der Kommunikation gegen aussen nicht alles immer optimal gelaufen, was natürlich auch das Vertrauen in die Telecom nicht stärkte. Hier wollen wir transparenter werden. 
 
Wie steht es derzeit um die Beziehung zu den Stakeholdern?
Die Fronten zwischen den Stakeholdern waren teilweise verhärtet. Es wurde mit guter Absicht versucht, gewisse Dinge im Interesse der Telecom, der Kunden und des Landes weiterzubringen, aber die Art und Weise war wohl nicht die richtige. Diese Fronten versuchen wir nun etwas aufzuweichen und einen Schulterschluss herzustellen, soweit es möglich ist.
 
Wie sind die ersten Erfahrungen?
Sehr positiv. An einigen Fronten konnten wir gewisse Spannungen lösen. Bis es dann zur nachhaltigen Lösung von Problemen kommt, dauert es natürlich seine Zeit. Derzeit führen wir aber auf alle Seiten sehr konstruktive Gespräche.
 
Bei der Bilanzmedienkonferenz meinten Sie auch, dass früher zu wenig in die Infrastruktur investiert wurde. Dies würde man jetzt aufholen – mit teilweise bekannten Folgen. 
Da die Architektur des bestehenden Festnetzes auf einer alten Technologie beruht (L2 Ethernet), wurde bereits im Herbst 2016 mit dem Aufbau eines komplett neuen Transportnetzes begonnen, das auf Basis neuester Technologie, der sogenannten IP-MPLS-Technologie, nicht nur 10-fach höhere Übertragungsbandbreiten erlaubt, sondern aufgrund einer mehrfach redundanten Architektur deutlich höhere Zuverlässigkeit verspricht. Die Migration des gesamten Sprach-/Datenverkehrs ist für Mitte 2018 geplant. Wir sind da weiter voll auf Kurs. Die Ausfälle wurden mit grosser Akribie analysiert. Wir sind bei solchen Dingen stark abhängig von unseren Systemlieferanten. Die Ursache war keine Schlamperei der Telecom, sondern effektiv eine fehlerhafte Komponente. Das Feedback der Lieferanten war dann auch eindeutig: Das hätte nicht passieren dürfen. Es wurde nämlich alles im Labor getestet. 
 
Sobald die neue Technologie aber läuft, sollten solche Ausfälle nicht mehr passieren?
Wie gesagt, es hätte auch jetzt nicht passieren dürfen. Einerseits zeigt der Fall auf, wie abhängig wir auch von unseren Lieferanten sind. Und zweitens erkennen wir hier ein architektonisches Problem. Wir werden nur nachhaltig rauskommen, wenn wir auf die neue Technologie umstellen. Das wird voraussichtlich Ende Juni der Fall sein. Unabhängig von der Fehlerquelle – solche Ausfälle kosten nicht nur Geld, sondern vor allem viel Vertrauen. Das ist so. Es ist der Anspruch, sowohl jener der Kunden als auch unserer selbst, dass alles reibungslos und störungsfrei läuft – und zwar rund um die Uhr, sieben Tage die Woche. Was passiert ist, hat natürlich Vertrauen gekostet. 
 
Hat sich das auch in den Zahlen niedergeschlagen?
Nur sehr gering. Wir haben gewisse Schadenersatzforderungen geleistet, deren Summe sich auf einen niedrigen fünfstelligen Betrag beläuft. Wir sind bei den Kunden aber auch auf viel Verständnis gestossen und mussten keine Kündigungswelle zur Kenntnis nehmen. 
 
Wie soll das zerstörte Vertrauen wieder repariert werden?
Wir müssen es Schritt für Schritt wieder aufbauen. Kurzfristig wollen wir vor allem mit sehr transparenter Kommunikation dazu beitragen.Das alleine reicht aber nicht, sondern am Ende geht es nur um Leistung, Leistung, Leistung. Wir müssen alles dafür tun, dass unsere Kunden zufrieden mit uns sind. Wir haben diesbezüglich intern auch eine Service-Initiative lanciert.
 
Das ganze Interview lesen Sie in der Print- und ePaper-Ausgabe von «Wirtschaft Regional».
01. Jun 2018 / 17:10
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