• Nigel Farage
    SPECIAL PRICE APPLIES. ..Nigel Farage - British politician and leader of the UK Independence Party since 2010.. (KEYSTONE/CAMERA PRESS/Joe Plimmer)  (JOE PLIMMER)

«Manchmal muss man sich vom Teufel zahlen lassen»

Der Ex-Ukip-Chef Nigel Farage redet viel und gerne. Fragt man ihn aber nach den Folgen des Brexit, bleibt er vage. Farages Mission ist es, die EU von innen zu bekämpfen. Im Interview erklärt er, warum er kein schlechtes Gewissen hat und welches Land als nächstes aus der EU austreten wird.

Herr Farage, Sie sind am 21. November am Event «Wirtschaftswunder» in Liechtenstein zu Gast. Normalerweise nehmen der liechtensteinische Regierungschef und weitere Minister teil, die meisten sagten dieses Jahr aber ab. Mehrere Leser haben angedroht, ihre Abos zu kündigen, einige Werbekunden ihre Anzeigen sistiert. Gehören diese Nebengeräusche dazu, wenn man Sie als Referenten einlädt?
Nigel Farage: Das ist normal, ja. Jeder, der sich in unseren Breitengraden gegen die etablierten Politiker – das sogenannte «Establishment» – stellt, muss mit solchen negativen Reaktionen rechnen. Denken Sie aber daran: Die Ansichten, die ich äussere, das sind nicht nur meine eigenen. Diese Ansichten werden laut jüngsten Meinungsumfragen von etwa 70 Prozent der Briten geteilt. Sie alle wollen den Brexit möglichst schnell durch haben, die EU verlassen und die Kontrolle über unsere Grenzen wiedererlangen. Ich würde Ihren Ministern also sagen: Wenn Sie zu engstirnig sind, sich mit meinen Ansichten auseinanderzusetzen, dann stellen Sie sich gegen den Gang der Zeit.

2011 sagten Sie in einem Interview, dass alle EU-Parlamentarier gefeuert werden sollten. Sie selber sitzen immer noch im EU-Parlament. Das passt absolut nicht zusammen.
Wenn ich nicht da wäre, dann würde eine andere Person mit viel EU-freundlicheren Ansichten meinen Platz übernehmen. Wenn ich nicht da gewesen wäre in den vergangenen Jahren, dann hätte es niemals so massive Kritik an der EU von innen heraus gegeben. 

Naja, Sie sind ja nicht der einzige EU-Gegner in Brüssel.
Nein, aber die allermeisten EU-Politiker lassen sich von der Atmosphäre einlullen, gewöhnen sich an die Limousinen und Champagner-Partys. Auch die meisten EU-Gegner werden da weich und werden plötzlich ganz enthusiastisch, wenn es ums Projekt Europa geht. Ich habe während meiner ganzen Karriere als EU-Parlamentarier versucht, mich davon zu distanzieren und das Ganze als vorübergehende, notwendige Massnahme zu sehen. 

Sie haben die EU mal als «Mafia» bezeichnet, beziehen aber seit Jahren ein Gehalt als Parlamentarier. Sie profitieren also von der «Mafia», die Sie offenbar so verabscheuen.
Manchmal muss man sich vom Teufel zahlen lassen, um Gottes Werk zu vollbringen. (lacht) Aber nochmals: Wenn ich nicht da wäre, würde ein anderer, EU-freundlicherer Mensch dafür bezahlt werden. Mit der erfolgreichen Brexit-Kampagne habe ich meine Karriere jetzt ja aber faktisch beendet. Im Frühling 2019 werde ich aus dem EU-Parlament zurücktreten. 

Sie waren das Gesicht der Brexit-Kampagne, haben auf allen Kanälen gegen die EU gewettert. Jetzt aber sind Sie still geworden. Sie haben der britischen Regierung kein bisschen bei den Brexit-Verhandlungen geholfen. Warum nicht?
Ich bin jederzeit bereit, der britischen Regierung unter die Arme zu greifen. Die Regierung ist es, die nicht will, dass ich mitmache, weil die meisten in dieser Regierung eigentlich in der EU bleiben möchten und kein Ohr haben für meine Umsetzungsideen. Meine Tür steht aber weit offen. Ich warte nur darauf, meine Ärmel hochzukrempeln und zu helfen. Die «classe politique» in Grossbritannien mag mich aber einfach nicht, und im Geheimen wollen sie den Brexit nicht. 

Sie haben Ihr Amt als Ukip-Parteichef 2016 abgegeben. Das zeugt nicht gerade vom Willen, die Brexit-Verhandlungen aktiv mitzugestalten.
Ach was, im Europaparlament bin ich weiterhin Ukip-Chef und Mitglied in der Fraktion für ein «Europa der Freiheit und der direkten Demokratie». Als Europa-Politiker bin ich immer noch sehr aktiv.

Haben Sie kein schlechtes Gewissen, dass Sie Ihren Landsleuten den Brexit mit falschen Versprechungen verkauft haben?Meine Versprechungen waren alle wahr. Im Gegensatz zu jenen der britischen Regierungen, die uns 50 Jahre lang angelogen und uns erzählt haben, wir würden einem gemeinsamen europäischen Markt beitreten, ohne politische Verpflichtungen einzugehen. Das war die grösste Lüge in der Geschichte Grossbritanniens. 

Was ist mit den 350 Millionen Pfund, die Grossbritannien durch den Brexit angeblich jede Woche einspart und nach dem Brexit für das Gesundheitssystem brauchen kann? Das war doch reine Propaganda.
Dieses Versprechen war ein Fehler. Ich habe das aber nie gesagt. Da müssen Sie mit Boris Johnson (Anm. der Redaktion: britischer Aussenminister und Brexit-Befürworter) reden. 
Ausgeblieben ist bis jetzt auch der wirtschaftliche Aufschwung. Das Wachstum hat sich verlangsamt, die Inflation ist angestiegen, rund 10 000 Finanzjobs werden wohl ins Ausland verschoben. 
Wir haben Zehntausende Finanzjobs verloren. Die sind jetzt in Zürich oder Genf. Schuld daran waren die EU-Gesetze. In Grossbritannien gibt’s derzeit rund 2,2 Millionen Finanzjobs. Wenn wir jetzt nicht mehr unter dem EU-Joch wirtschaften müssen, werden wir als Finanzzentrum weit attraktiver sein als Paris oder Frankfurt.

Was soll Grossbritannien denn jetzt machen? Der kompromisslose «harte Brexit», der totale Bruch mit der EU, der wäre gefährlich für den Handel?
Grossbritannien muss den Fokus wegnehmen von den unmittelbaren Nachbarn und in die weite Welt hinausschauen. Der US-Handelsminister sagte vergangene Woche in London, er wolle, dass wir Amerikas wichtigster Handelspartner werden. Die Japaner, die Inder, die Australier, die Kanadier: Die wollen das alle auch. Die ganze Welt steht an, um mit uns Handel betreiben zu dürfen.

Das ganze Interview in der Print- und ePaper-Ausgabe des «Wirtschaft Regional»

13. Nov 2017 / 09:52
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