• Andrea Davaz, Fläsch
    Andrea Davaz  (Tatjana Schnalzger)

«Der Betrugsfall hat die Probleme von Rimuss verschärft»

Miese Zahlen und Veruntreuung führten die Rimuss- und Weinkellerei Rahm an den Rande des Ruins. Nach der dramatischen Rettung will der Weinbauunternehmer Andrea Davaz aus Fläsch dem Produkt, das jedes Kind kennt, neues Leben einhauchen und die Marke entstauben.
Herr Davaz, wie alt waren Sie, als Sie das erste Mal Rimuss getrunken haben? 
Andrea Davaz: Zum ersten Mal habe ich Rimuss-Sekt im Jahr 1980 getrunken, als ich die Berufslehre und Ausbildung dort zum Weinküfer gemacht habe. 
 
Sie erlernten Ihr Handwerk bei Robert Rahm, der Rimuss über Jahrzehnte zusammen mit seinem Bruder führte. Was ist die wichtigste Lektion, die Sie vom Firmenpatron gelernt haben? 
Ich habe von Robert Rahm als Betriebsleiter vor allem gelernt, dass man sehr viel arbeiten muss, um erfolgreich zu sein. Es hat mich beeindruckt, wie sehr sich die beiden Brüder für ihre Firma engagierten. 
 
Wenn Sie an diese Zeit zurückdenken, gibt es eine Geschichte, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist? 
Es gibt eine lustige Anekdote von Robert Rahm. Als er jung war, sollte er eine Leiter hinaufklettern, doch während der Erntezeit geht es sehr hektisch zu. Weil er die Stufen in der Eile nicht ganz erwischte, ist er gestürzt und mit dem Kopf angeschlagen. Die Leiter war relativ hoch und während des Sturzes soll er gerufen haben: «Es ist Herbst, ich habe keine Zeit zu sterben.» Das zeigt, dass er für Rimuss lebte – mit Herz und Seele.
 
Steckt also ein emotionaler Grund dahinter, warum Sie den Familienbetrieb retten wollten und ihn übernommen haben?
Ich kannte den Betrieb schon sehr lange, wenn auch nicht bis ins kleinste Detail. Nach meiner dreijährigen Lehre und nach meinem Abschluss als Önologe habe ich noch zwei Jahre bei Rimuss als Betriebsleiter gearbeitet. Dadurch bekam ich einen guten Einblick in die Abläufe. Ich hatte Rimuss später aber aus den Augen verloren, weil ich meinen eigenen Betrieb aufgebaut habe. Als ich später zwischen 2010 und 2014 im Verwaltungsrat von Rimuss sass, konnte ich auch sehen, wie das Unternehmen finanziell aufgestellt ist. Dazu entschieden, den Betrieb zu kaufen, habe ich mich nach dem Betrugsfall, der gross durch die Medien ging und durch den die Firma ins Schlittern geriet. Ich wurde angefragt, ob ich mir vorstellen kann, den Betrieb zu übernehmen. Zuerst habe ich abgelehnt. Der Firmenpatron hat mich dann nicht in Ruhe gelassen und mich gebeten, eine Übernahme durch Fachleute zu prüfen und bewerten zu lassen. 
 
Und dann haben Sie gemerkt, dass es doch kein schlechter Deal ist?
Wir haben gesehen, dass es eine Chance gibt, aus diesem Familienbetrieb wieder eine Perle zu machen. Es war nicht nur meine Entscheidung, sondern auch die meiner Familie und meiner Kinder. Die Voraussetzung war, dass sie sich auf dem Weingut und im Weinhandel engagieren möchten. Ich habe sechs Kinder, wobei vier von ihnen im eigenen Betrieb mitarbeiten werden. Für mich war klar: Ohne die Zusage meiner Kinder hätte ich es nicht gemacht. Wichtig war auch meine Frau, sie übernimmt nicht nur die Finanzen und die Verwaltung, sie kennt auch die Kunden am allerbesten. 
 
Aus Ihrem Weinbauunternehmen in Fläsch wollen Sie sich zugunsten Ihrer Kinder schrittweise zurückziehen. 
Ein Sohn arbeitet bereits in unserer Weinhandlung von Salis, er muss aber noch sein Studium an der HSG abschliessen. Die anderen Kinder werden sich mehrheitlich um das Weingut kümmern. Ich bin zurzeit drei Tage in Schaffhausen und zwei Tage auf dem Weingut, wobei ich in Fläsch mehr Beobachter und Tippgeber bin. 
 
Sie kümmern sich also um Rimuss. Wie gehen Sie nun vor? 
Der Betrugsfall führte zu einer hohen Medienpräsenz. Zwar wird die Marke dadurch öfters wiederholt, aber sie ist etwas angestaubt. Ich habe festgestellt, dass die Abläufe sehr kompliziert sind und dass die Aufgabenteilung nicht klar geregelt ist. Wir sehen auch, dass die Effizienz nicht so hoch ist, wie sie bei einem heutigen KMU eigentlich sein müsste. Es gibt genug Ansatzpunkte, um den Betrieb wieder auf Vordermann zu bringen. Dafür benötigen wir drei bis vier Jahre. 
 
Wie wollen Sie die Marke entstauben?
Durch Marketing und Werbung. Die Markenarchitektur der Weine werden wir sicher überarbeiten und wir werden sicher auch moderner im Markt agieren. Wir bekommen fast wöchentlich Anfragen von Agenturen, die das gerne für uns angehen möchten. Wir werden uns demnächst entscheiden, mit wem wir das umsetzen möchten. Wir sind hier auf Spezialisten angewiesen, da dies nicht unsere Kernkompetenz ist.
 
Das ganze Interview lesen Sie in der Print- und ePaper-Ausgabe der aktuellen Ausgabe von «Wirtschaft Regional».
26. Jan 2018 / 15:58
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