• Gottfried von Haberler Konferenz in Vaduz
     (Daniel Schwendener)

Den Mythos entzaubern

Karl Marx hat den Lauf der Weltgeschichte durch sein Werk verändert. 200 Jahre nach seiner Geburt rufen seine Ideen und Theorien an der Goffried von Haberler Konferenz etliche Kritiker auf den Plan.
 
Das Werk des Karl Marx hat in den vergangenen 170 Jahren Wellen geschlagen, die bis heute nicht verebbt sind. Was macht den Mythos Karl Marx aus? Was war sein Ziel – Freiheit und Gerechtigkeit? Nach der gestrigen XIV. Gottfried von Haberler Konferenz bleibt von seinen Theorien und Ideen nicht mehr übrig als ein Kartenhaus. Diesen Schluss legen zumindest einige Referenten der Konferenz nahe. 
Dazu gehörte auch der renommierte Ökonom sowie Doyen der Europäischen Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik Pedro Schwartz. Der 83-Jährige Professor aus Spanien, der an der London School of Economics studierte, sprach über das Kommunistische Manifest als «explosives Pamphlet». In diesen Schriften prophezeiten Marx und Friedrich Engels, den – in ihren Augen  – unausweichlichen Niedergang des Kapitalismus und damit das Erwachen des Kommunismus. Schwartz machte die verführerische Faszination des Manifests an drei Elementen fest: Die Behauptung, die darin vorgebrachten Argumente seien wissenschaftlich, den Ton der moralischen Entrüstung und der mitreissende Aufruf zum Klassenpampf. 
 
Eine Ideologie des Neides
«Natürlich scheiterte Marx in seinen Vorhersagen einer Verelendung der Arbeiterklasse», wie der Ökonom Schwartz betonte. Der grosse Fehler in seinen Augen: Marx`Annahme, dass der Kapitalismus auf der primitiven Anhäufung von Werten durch das Ausbeuten der Arbeiterklasse beruht. Marx war überzeugt, dass nicht der freie Wettbewerb wissenschaftlichen und technologischen Fortschritt hervorbringe, sondern dass dies ein automatisches Ergebnis sei. Marxismus und Sozialismus sind nach Schwartz im Wesentlichen eine Ideologie des Neides und der Unterdrückung individueller Freiheit. 
Trotz der Kritik ist Marx ein Mann, dessen Ideen den Lauf der Weltgeschichte verändert haben. Deswegen und anlässlich des Geburtstages befassten sich an der XIV. Gottfried von Haberler Konferenz sechs international führende Professoren und andere Experten mit seinem Werk, das auch durch seine Rhetorik zum Mythos wurde. «Ausbeutung», «Verelendung» und «Selbstentfremdung des Menschen» oder die «Entwertung der Menschenwelt» sind nur einige seiner Parolen. An einem Maitag vor 200 Jahren kam Karl Marx in Trier als Sohn eines Anwalts auf die Welt. Vor 170 Jahren schrieb er zusammen mit Friedrich Engels das «Manifest der kommunistischen Partei». Zwanzig Jahre später veröffentlichte er den ersten Teil von «Das Kapital». Er sah den Kapitalismus als notwendiges Übel und Stufe hin zu einer neuen und in seinen Augen besseren Welt, in der Menschen nicht zwischen Arbeit und Kapital zerbrechen.  Es wäre der Abschied aus einer bösen Welt, in der Arbeiter nicht frei sind und der «Kapitalist» unter der Peitsche des Geldes stehe. 
 
Tyrannei statt Freiheit
«Die marxistische Lehre, insbesondere die Illusion der Gleichheit wurde im real existierenden Sozialismus umgesetzt. Gleichheit – auch gemäss Marx selbst – kann nicht in Freiheit, sondern nur in Tyrannei erzielt werden», erklärte Prinz Michael von und zu Liechtenstein gestern während der Konferenz. Das Resultat des Marxismus waren Prinz Michael zufolge Millionen von staatlich verordneten Morden weltweit, insbesondere in China und der Sowjetunion. «Es ist schwer verständlich, dass der Geist von Marx – zwar unter anderen Bezeichnungen heute noch lebt», betonte er weiter. Dass er diesen gerne zu Grabe tragen würde, das ist ein offenes Geheimnis. Und er war gestern bei weitem nicht der Einzige. Auch der deutsche Philosoph Hardy Bouillon kann Marxens Mythen nichts abgewinnen. Er entzauberte in seinem Vortrag die beiden grossen Marx-Mythen. Es gelte nach Marx die These, dass Freiheit durch Sozialismus geschaffen werde. Doch diese Freiheit, wie sie Marx definiert, hat nichts mit der individuellen Freiheit zu tun, sondern die Idee ist, dass sich das Proletariat als Klasse eint, um die Freiheit für jeden zu verwirklichen. Marx definiert Freiheit also so, dass sie dem Sozialismus genügt und dient. «Wie der Mythos entstand und Bestand haben konnte, das ist nicht ohne weiteres zu beantworten», gab Hardy Bouillon zu. Viele Ursachen hätten dazu beigetragen, dass jener überdauert und überlebt. Wirkmächtig dürfte laut Bouillon auch das Marx-Bild gewesen sein, das einflussreiche Sozialisten wie Karl Renner und Willi Brandt zeichneten. 
Der Wirtschaftswissenschaftler Michael Wohlgemuth sprach davon, dass wir in seltsamen Zeiten leben und nannte etwa das Beispiel von neuen Phantasien einer «solzialistischen Marktwirtschaft», die im Marx-Jubeljahr kursierten. In der Washington Post verkündete Feng Xiang, dass China auf den Weg sei, die Marxistische Vision mithilfe künstlicher Intelligenz zu verwirklichen. Nach Wohlgemut hat der Ökonom Hayek als einer der ersten erkannt, dass ein Wissensproblem ist, das jede Art von modernen Sozialismus zu Fall bringen wird. Ein praktisches Beispiel der verheerenden Auswirkungen angewandter einer kommunistischer Ideologie zeigte der Peruaner Enrique Ghersi in seiner Präsentation. Der Politikwissenschaftler beschrieb den blutigen und sinnlosen Bürgerkrieg, den die kommunistische Partei PCP-SP gegen den peruanischen Staat führte. 
 
Kommunistisches Traumata
Ein weiterer Referent war der mehrfach ausgezeichnete Professor für Europäische Studien Timothy Garton Ash. Er ging unter anderem der Frage nach, inwiefern die derzeit von Populismus geprägte Situation in der mitteleuropäischen Politik ungelöste Traumata aus vier Jahrzehnten sowjetisch-kommunistischer Herrschaft widerspiegelt. Er fragte sich, ob es einen besseren Weg gegeben hätte, das marxistisch-leninistische Erbe zu demontieren und ob die Europäische Union einen undemokratischen Liberalismus bewirke. Die Konferenz wird alljährlich vom European Center of Austrian Economis ausgerichtet. von Dorothea Alber
25. Mai 2018 / 19:08
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