• Stricker Mühle Grabs
     (Daniel Schwendener)

«Beim Online-Shop sehen wir noch Wachstumspotenzial»

Die Stricker Mühle in Grabs ist eine der letzten ihrer Art. Weil das auch eine Chance sein kann, investierten die Inhaber über eine Million Franken. Wie der Traditionsbetrieb überlebt und wachsen will, darüber sprechen David Stricker als Mitinhaber und sein Sohn Martin Stricker.

Herr David Stricker, ich habe gehört, dass der Chef selbst auch mal mit dem Lastwagen zu den Kunden fährt und ausliefert? 
David Stricker: Zuerst muss ich das Wort «Chef» richtigstellen. Die Firma 
Stricker & Cie AG ist seit 1879 in Familienbesitz, wurde aber bereits 1463 im Grabser Urbar, eine Art Grundbuch, erwähnt. Heute gehört dieses Unternehmen zu gleichen Teilen den Familien Stricker und Gantenbein-Stricker. Unser Unternehmen beschäftigt insgesamt 14 Personen, davon ein Müller-Lehrling, welche sich durch Teamfähigkeit und Vielseitigkeit auszeichnen. Und ja, wenn nötig liefern Martin und ich auch selbst aus. 

Sie beide haben etwas anderes gelernt als den Beruf Müller. Warum?
David Stricker: Da feststand, dass ich später den Finanzbereich übernehmen sollte, absolvierte ich eine KV-Lehre bei einer Bank. Nach Abschluss meiner Ausbildung arbeitete ich in der Produktion und Administration in einer anderen Mühle, bis ich schliesslich meine Arbeit in unserem Familienunternehmen 1983 begann. 

Martin Stricker, Sie haben ein Universitätsstudium absolviert und Pharmazie sowie Epidemiologie studiert. Sie wollten also eigentlich einen anderen Weg einschlagen?
Martin Stricker: Anfangs ja. Als Student sass ich in den Semesterferien selbst hinter dem Lenkrad unserer Lastwagen und habe ausgeliefert. So erhielt ich Einblick in unser Unternehmen, was mir persönlich sehr viel bedeutet hat. Meine heutige Tätigkeit gefällt mir sehr gut und ergibt für mich eine grosse Sinnhaftigkeit: Nahrung gehört zu den Grundbedürfnissen von Mensch und Tier.

Sie stehen als Nachfolger der Stricker-Linie im Gespräch und sollten die Mühle eines Tages übernehmen. Angesichts des Umfeldes keine einfache Entscheidung für die Zukunft. Warum wollen Sie dies dennoch?
Martin Stricker: Ja, es ist tatsächlich ein schwieriges Umfeld, aber ist es für mich auch eine Herzensangelegenheit. Unsere Familie betreibt die Mühle bereits seit 1879. Für mich ist Tradition und Kultur wichtig. Hier habe ich beides, inklusive einer emotionalen Bindung. Es ist nicht nur Arbeit, sondern auch ein kulturelles Gut, welches es zu erhalten gilt. Unsere Maschinen sind zum Teil über ein halbes Jahrhundert alt und werden so heute gar nicht mehr gebaut, aber sie sind qualitativ sehr gut und in einwandfreiem Zustand. So enthalten unsere Walzenstühle, auf denen das Getreide zu Mehl vermahlen wird, noch seltene Porzellan-Walzen. Durch diese verläuft der Mahlvorgang sehr schonend und bei tiefen Temperaturen, wodurch wichtige Inhaltsstoffe im Mehl geschont werden. Grundsätzlich gibt es in jeder Marktsituation Chancen, die es zu nutzen gilt. Dabei ist es wichtig, die eigenen Stärken und Vorteile zu kennen und zu vermarkten. 

Ist es vielleicht auch eine Chance, dass Sie eine der wenigen Mühlen in der Region betreiben?
Martin Stricker: Ja, das ist ein Punkt. Ein zweiter ist sicher, dass wir einfache Strukturen mit direkten Kommunikationswegen haben. Wir sind sehr kundennah und gehen direkt zu den Kunden. Unser Kundenkontakt ist sehr persönlich. Zudem produzieren wir alle Produkte mit erneuerbarer Energie – sprich Wasserkraft. 

Dem stehen Massenkonsum und Globalisierung gegenüber: Kennen Konsumenten oft die Vielfalt gar nicht, die es vor der eigenen Haustür gibt?
David Stricker: Ja, zum Teil. Oft kennen die Konsumenten nur einige wenige Produkte von uns, und wissen nicht, dass unser Unternehmen sowohl ein breites Sortiment an Mehl für die menschliche Ernährung, als auch Tierfutter für alle Nutztiere produziert. Zudem betreiben wir Handel mit Hunde- und Katzenfutter, und stellen selber Strom mittels Wasserkraft her. Was viele nicht wissen: Alle unsere Produkte können in unserem Mühleladen erworben werden. 

Martin Stricker: 2012 ging unsere Webseite strickermuehle.ch online und vor zwei Jahren haben wir unseren Online-Shop mehlundfutter.ch gestartet. Dadurch sind wir insgesamt bekannter geworden. 
Ein Grossteil des Brotes wird heute über Migros und Coop verkauft. Dadurch schliessen in der Ostschweiz jährlich an die 50 Bäckereien pro Jahr ihre Türen. 


David Stricker: Unsere Kunden sind industrielle und gewerbliche Bäckereien, landwirtschaftliche Betriebe, der Detailhandel und Privat-Kunden. In der Müllerei-Branche herrscht ein reiner Verdrängungsmarkt. Die Schweiz ist gegenüber dem Ausland noch durch Importbeschränkungen abgesichert, das ist ein Vorteil für alle Schweizer Mühlen. Zum heutigen Zeitpunkt kann niemand aus unserer Branche abschätzen, was passiert, wenn sich das ändern sollte. 

Das ganze Interview in der Print- und ePaper-Ausgabe des «Wirtschaft Regional»

10. Dez 2017 / 14:06
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