• Generalprobe World Skills, Vaduz
    Die SwissSkills dienen den Kandidaten als Vorbereitung auf die WorldSkills.  (Tatjana Schnalzger)

«Die SwissSkills sollen inspirieren und Kompetenzen stärken»

iechtenstein hat 1968 erstmals an der ­Berufsweltmeisterschaft World­Skills teilgenommen. Kommende ­Woche werden nun fünf Kandidaten für Liechtenstein in Bern an der SwissSkills antreten. Das heisst: World­Skills Liechtenstein begeht in diesem Jahr das 50-jährige Jubiläum, was alleine schon Anlass zum Feiern ist. Stefan Sohler, ­Offizieller ­Delegierter, und Reto ­Blumenthal, ­Technischer Delegierter, bei den WorldSkills geben ­einen ­kurzen Ausblick, was von den Kandidaten vor und an den Wett­kämpfen ­abverlangt wird.
Vaduz. 

Die SwissSkills finden dieses Jahr vom 12. bis 16. September 2018 in Bern statt. Wie viele Berufe gehen für Liechtenstein an den Start?
Reto Blumenthal: An den SwissSkills werden fünf Teilnehmer aus Liechtenstein an den Start gehen. Am Start sind Kandidaten aus den ­Berufen Webdesign & Development, Applikationsentwickler, Systemtechniker, Heizungsinstallateur und Konstrukteur. Die SwissSkills ­dienen unseren Teilnehmern für eine Qualifikation an den WorldSkills, welche 2019 in Kazan ausgetragen werden. 
Stefan Sohler: Bei den SwissSkills werden aus insgesamt 135 präsentierten Berufen auch 75 Schweizer Meister erkoren. An diesem für die Schweiz und Berufsbildung wichtigen Wettbewerb werden über 150 000 Besucher erwartet. Die Wettkämpfe und das ganze Spektakel rund um die SwissSkills sind verbunden mit einem echten Wettbewerbsfeeling. Ich kann allen nur empfehlen, die SwissSkills zu besuchen, seien es ­Eltern, Schüler, Lehrer oder Lernende. Die SwissSkills sind besonders in der Berufswahlphase sehr informativ, da ein wirklich grosser Einblick in die Berufswelt geboten wird.

Gibt es für die Teilnehmer noch andere Wettbewerbe, um sich für die WorldSkills zu qualifizieren?
Reto Blumenthal: Eine Woche nach der Austragung der SwissSkills geht im Südtirol, in Bozen, die Italienische Meisterschaft über die Bühne. Die dritte und letzte Möglichkeit für eine Qualifikation für die WorldSkills in Kazan 2019 sind die AustrianSkills, die dieses Jahr im November in Salzburg ausgetragen werden. Hier sind wir noch in den Abklärungen, welche Berufe einen Startplatz erhalten. Tatsache ist, je mehr internationale Wettbewerbe ein Kandidat absolviert, umso sicherer wird er. Alle Wettbewerbe sind sehr nahe an die WorldSkills angegliedert.

Welche Feierlichkeiten wird es anlässlich der 50. Teilnahme Liechtensteins geben? Haben Sie ein besonderes Rahmenprogramm vorbereitet?
Stefan Sohler: Als Liechtenstein 1968 das erste Mal an den WorldSkills teilgenommen hat, ist die Delegation mit viel Stolz und einer Bronze­medaille nach Hause gekommen. Zu unserem 50-jährigen Jubiläum  werden wir am 12. September 2018 mit einer Gruppe von Ehemaligen, Freunden, Familien, Supportern und Förderern nach Bern an die Swiss­Skills fahren und zusammen mit Experten und Funktionären der Schweiz eine Jubiläumsfeier veranstalten. Ende November schliessen wir mit einer Feier das Jubiläumsjahr von WorldSkills in Triesenberg ab. Hier streben wir an, auch das Team für Kazan 2019 vorstellen zu können. ­Neben diesen Feierlichkeiten wurde im Jubiläumsjahr die strategische Ausrichtung von WorldSkills Liechtenstein weiter gestärkt. Hierzu gehören die Beantragung der Mitgliedschaft bei WorldSkills Europe und die aktive Teilnahme an der Initiative «WorldSkills Champions Trust». Zusätzlich werden die erbrachten Leistungen von WorldSkills Liechtenstein während den letzten 50 Jahren digitalisiert, damit diese Erfolgs­geschichte allen und jederzeit zur Verfügung steht.

Welches sind die grössten Herausforderungen der Organisation und wie gehen Sie diese an?
Reto Blumenthal: Es wird zunehmend schwieriger, junge Leute zu 
finden, die bereit sind, an diesem Wettbewerb teilzunehmen. Wir sind zwar nach wie vor sehr gut an den WorldSkills vertreten, aber es wird auch schwieriger, Betriebe zu finden, die den Aufwand betreiben wollen, ihre Lehrlinge als Kandidaten zur Verfügung zu stellen. Dabei darf nicht vergessen werden, dass die Teilnahme an den SwissSkills bzw. WorldSkills für die Kandidaten eine Zusatzausbildung darstellt. Und auch Experten zu finden, wird zunehmend schwieriger.
Stefan Sohler: Durch den Wandel der Berufe wie durch die Digitalisierung entstehen neue Berufe, die an den WorldSkills vertreten sind, wohingegen die traditionellen Berufe einen Rückgang erfahren. Diese Tatsache fordert die Organisation WorldSkills heraus, da die bestehenden Strukturen nicht mehr passen. 

Welche Anforderungen muss ein Lernender erfüllen, dass er oder sie als Kandidat infrage kommt und wie funktioniert das Selektions­verfahren?
Reto Blumenthal: Der Kandidat muss gewillt sein, über seine Grenzen hinauszuwachsen, und es muss ihm oder ihr bewusst sein, dass für die Teilnahme an den Weltmeisterschaften ein grosser Aufwand betrieben werden muss. Es braucht eine hohe Selbstmotivation, der Kandidat ist fachlich top und bringt eine hohe Teamfähigkeit mit. Ausserdem ist ein grosses Auffassungsvermögen erforderlich, da in sechs Monaten das Weltmeisterschaftslevel von WorldSkills erreicht werden muss. Dazu benötigt es Talent und mentale Stärke, um mit Fehlern umgehen zu können und um aus Fehlern zu lernen und sich zu verbessern.
Wie werden die Teilnehmenden auf den Wettkampf und erfolgreiche ­Ergebnisse vorbereitet?
Reto Blumenthal: Der Fahrplan ist auf sechs Monate zugeschnitten. Es gibt insgesamt drei Teamcamps. Nach dem Willkommenscamp startet die enge Zusammenarbeit zwischen dem Kandidat und Experten. Die Experten nehmen bei diesen Wettbewerben die Schlüsselrolle ein. Drei bis vier Mal im Jahr müssen die Teilnehmer «echte» WorldSkills-Aufgaben lösen, was bedeutet, dass sie vier Tage am Stück arbeiten, genauso wie es an den WorldSkills verlangt wird. Das Team arbeitet zusammen, der Betreuer Giorgio Di Benedetto ist ebenfalls vor Ort. Zudem werden internationale Gastteilnehmer eingeladen. Die sogenannte Generalprobe soll so echt und authentisch über die Bühne gehen, wie beim Wettbewerb auch.
Stefan Sohler: Vor dem ersten Teamcamp erarbeitet der Kandidat seinen eigenen Trainingsplan und bringt diesen mit. Die Kandidaten haben überdies alle die Chance auf einen Auslandsaufenthalt, wo sie ein drei- bis vierwöchiges Kurzpraktikum absolvieren können. Ziel ist es, ein anderes Arbeitsumfeld kennenzulernen und in diesem ungewohnten Umfeld die maximale Leistung zu erbringen. Zudem testen die Kandidaten Werkzeuge und trainieren die Arbeitsabläufe, optimieren ihre Arbeits­ergonomie, um möglichst keine Zeit zu verlieren. Es wird den Kan­didaten viel abverlangt, trotzdem sollen sie ihrem Hobby weiterhin ­nach­gehen, was einen gesunden Ausgleich zur Arbeit und den ­Vor­bereitungen auf den Wettkampf darstellt.

Welches sind die Vorteile einer Teilnahme an den Swiss- oder World­Skills?
Reto Blumenthal: Liechtensteiner Teilnehmer nehmen die Erfahrung mit, sich international durchsetzen. Zudem lernen sie interkulturelle wie auch soziale Kompetenzen, entwickeln ihre Persönlichkeit und lernen, mit Stress umzugehen. Die Teilnahme an den Skills ist überdies eine fundierte Investition ins Berufsleben, weil es eine Karriereschmiede für die jungen Berufsleute bedeutet. Ehemalige WorldSkills-Teilnehmer finden in ihrem Fachgebiet immer eine Stelle.

Welches waren die grössten Höhepunkte für Sie und die einzelnen ­Teilnehmenden in der 50jährigen Geschichte zur Teilnahme Liechtensteins an den World- oder SwissSkills?
Stefan Sohler: WorldSkills Liechtenstein ist weltweit immer Top und klassiert sich bei der Nationenwertung stets im vorderen Drittel. Dies ist eine enorme Leistung für unser kleines Land. An den Berufsweltmeisterschaften in São Paulo (2015) belegte unser Team den ausgezeichneten 7. Platz unter den 62 teilnehmenden Nationen. Im Jahr 1997, als die Weltmeisterschaften in St. Gallen durchgeführt wurden, war unser Team mit dem hervorragenden 2. Platz unter 30 teilnehmenden Nationen noch besser rangiert. Höhepunkte in der Geschichte der Teilnahme Liechtensteins waren sicherlich die erste Medaille bereits bei der ersten Teilnahme 1968, aber auch die 50. Medaille an den WorldSkills in Abu Dhabi 2017. Der Empfang auf Schloss Vaduz ist ein weiterer Höhepunkt und stellt für alle Teilnehmenden eine hohe Anerkennung der erbrachten Leistungen dar. Die Teilnehmer erbringen ­einen unschätzbaren ­Beitrag für unser Land und die duale Berufs­bildung. Die Regierung und die Ministerien wissen um die Tragkraft von WorldSkills und unter­stützen die WorldSkills seit Liechtenstein als Mitglied vertreten ist. Schliesslich sind die WorldSkills ein toller ­Impulsgeber und ein inter­nationales Schaufenster, um Liechtenstein und den Werkplatz zu präsentieren. (lb)

11. Sep 2018 / 07:30
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