• Bei den Tarifverhandlungen für die Metall- und Elektroindustrie in Deutschland haben die IG Metall und der Arbeitgeberverband einen Abschluss erzielt. (Symbolbild)
    Bei den Tarifverhandlungen für die Metall- und Elektroindustrie in Deutschland haben die IG Metall und der Arbeitgeberverband einen Abschluss erzielt. (Symbolbild)  (KEYSTONE/EPA/FOCKE STRANGMANN)

Einigung im Tarifstreit in Deutschland

Nach den ganztägigen Warnstreiks der vergangenen Woche ist ein Tarifabschluss für die Metall- und Elektroindustrie in Baden-Württemberg erzielt worden. Das gaben beide Verhandlungsteams in der Nacht auf Dienstag bekannt.
Stuttgart. 

Die Gewerkschaft IG Metall und der Arbeitgeberverband Südwestmetall verkündeten die Einigung in Stuttgart. Die 900'000 Beschäftigten im Pilotbezirk erhalten 4,3 Prozent mehr Geld und einen Anspruch auf verkürzte Arbeitszeiten. Für die Monate Januar bis März bekommen die Beschäftigten eine Einmalzahlung von 100 Euro.

2019 erhalten sie zudem einen Festbetrag von 400 Euro sowie ein neues dauerhaftes tarifliches Zusatzgeld von 27,5 Prozent eines Monatseinkommens, wie beide Tarifpartner nach gut 13-stündigen Verhandlungen weiter mitteilten.

Soziale Aspekte berücksichtigt

Beschäftigte, die sich um Kinder kümmern, Angehörige pflegen oder im Schichtdienst arbeiten, können wählen, ob sie das neue tarifliche Zusatzgeld lieber in freie Tage umwandeln und so von zusätzlicher Freizeit profitieren. Ausserdem haben ab 2019 alle Vollzeit-Beschäftigten mit mindestens zwei Jahren Betriebszugehörigkeit einen Anspruch auf eine verkürzte Vollzeit: Sie können ihre Arbeitszeit für mindestens sechs und maximal 24 Monate auf bis zu 28 Wochenstunden reduzieren und dies auch wiederholen.

Mit ihrer Forderung nach befristeter Teilzeit bei gleichzeitigen Lohnzuschüssen für bestimmte Beschäftigte konnte sich die IG Metall nicht durchsetzen.

Im Gegenzug sieht der neue Tarifvertrag gewisse Regelungen vor, der es Betrieben erlaubt, mit deutlich mehr Beschäftigten als heute 40-Stunden-Verträge abzuschliessen, wie der Arbeitgeberverband Südwestmetall mitteilte. Mit dem neuen Anspruch auf eine befristete Teilzeit seien die Arbeitgeber auch auf die Bedürfnisse der Beschäftigten eingegangen, sagte der Südwestmetall-Vorsitzende und Verhandlungsführer Stefan Wolf. Dies helfe den Mitarbeitern, "berufliche und private Lasten gleichermassen zu schultern".

Verbesserungen bei Schichtarbeit

"Wir haben um jedes Detail hart gerungen. In den für uns entscheidenden Fragen haben wir ein ordentliches Ergebnis erzielt und mehr Selbstbestimmung bei der Arbeitszeit für die Beschäftigten durchgesetzt", sagte der Verhandlungsführer und IG Metall-Bezirksleiter Roman Zitzelsberger. Zudem sei es gelungen, "gegen den Widerstand der Arbeitgeber Verbesserungen für Beschäftigte mit Kindern, zu pflegenden Angehörigen und in restriktiven Arbeitszeitmodellen wie Schichtarbeit zu erreichen".

Der Tarifvertrag läuft bis zum 31. März 2020. Baden-Württemberg ist im laufenden Tarifstreit der Pilotbezirk - eine Einigung wird in der Regel aber von den anderen Bezirken übernommen und gilt daher meist für alle rund 3,9 Beschäftigten des Sektors.

Die vergangene Woche war von 24-Stunden-Streiks in der Branche geprägt gewesen, die Arbeitgeber gingen mit Klagen gegen die ganztägigen Arbeitsniederlegungen vor. Um eine weitere Eskalation zu vermeiden, etwa Urabstimmungen über flächendeckende Streiks, zeichnete sich dann eine neue Tarifrunde ab. (sda/reu/dpa/afp)

06. Feb 2018 / 01:46
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