• «Dr Weidma» gehört zu den bekannten Triesenberger Sagen.

Sagenhaftes – Erzähltes – Geschriebenes

Der Triesenberger Herbert Hilbe hat sich als Autor von verschiedenen Publikationen intensiv mit der Sagenwelt Liechtensteins befasst. Heute schreibt er über Sagenerzählungen aus seiner Bürgergemeinde Triesenberg.
Triesenberg. 

Ubi bene, ibi patria – wo es mir gut geht, dort ist meine Heimat. Sei es in meinem Wohnort Triesen oder an Lieblingsorten wie Wien, Berlin, Schaan, Bodensee, Rumänien oder Colorado. Vielleicht  gerade darum, weil ich in erster Linie immer Bürger unserer Erde bin, schenke ich Triesenberg und vor allem seiner Kultur und Sprache so viel Aufmerksamkeit.

Triesenberg wurde gegen Ende des 12. Jahrhunderts von Auswanderern aus dem heutigen Kanton Wallis erstmals dauerhaft besiedelt. Die Walliser waren ausgezeichnete Viehzüchter, die Felder gaben aufgrund der Höhenlage wenig Ertrag – erst nach 1600 wurde die Kartoffel nach und nach eingeführt und entwickelte sich zu einem der Hauptnahrungsmittel. Die erfolgreiche Viehzucht brachte den Triesenberger Bauern einen gewissen Wohlstand. Zudem waren sie von Kriegswirren im 16. Jahrhundert und Ende des 18. Jahrhunderts nur am Rand betroffen, während die Talgemeinden unter diesen Kriegswirren schwer zu leiden hatten. Dies ermöglichte den Triesenbergern den Kauf verschiedener Alpen. Zur Zeit der Industrialisierung fanden vor allem Frauen Arbeit in der Weberei in Triesen. In Triesenberg waren es neben dem Handwerk einige Stickereien, die für zusätzliche Einnahmen sorgten.

Triesenberg hat viele Erzähler

Triesenberg gehört, wie alle südlichen Gemeinden Liechtensteins, zu den sagenreichsten Gemeinden. «Weidma», «Sückacheris», «Wildmannli», das sind unter anderen Sagen, die allgemein bekannt sind. Ich stelle hier einige wenige Sagen vor, die nicht so bekannt bzw. geläufig sind. Vorerst aber noch eine Vorbemerkung.
Die Sage vom glockentragenden Teufel (auf dem alten Rathaus bildlich festgehalten) ist mitnichten eine Triesenberg Sage. Eine Sage definiert sich in erster Linie dadurch, dass der Ort, wo sie spielt, bekannt ist. Die Sage vom glockentragenden Teufel spielt in Sion und ist demnach eine Walliser Sage (dasselbe gilt auch für die niederösterreichische Sage vom lichten Stein). Den Import dieser Sage haben wir Pfarrer Engelbert Bucher zu «verdanken», aber auch die Internationale Walser-Vereinigung (1962 gegründet) hat hier wohl ihren Beitrag dazu geleistet. Die Internationale Walser-Vereinigung. Fluch oder Segen? Von beidem etwas. Zum einen förderte die Vereinigung aufgrund fehlender Wissenschaftlichkeit die Entstehung eines Walsermythos, der bis heute noch nicht relativiert wurde, und sie war zudem vorerst streng katholisch ausgerichtet. Zum anderen bot und bietet die Zeitschrift heute breite Information zur Walserforschung und den Zugang zu mannigfacher Literatur. 

Paul Zinslis Fazit, dass die Walser nur ein einziges sprachliches Merkmal (-sch- in Verbindung mit Hochzungenvokalen - i, ü, ö) verbindet, wird vom Walsermythos leider meist stillschweigend übergangen. Triesenberg hatte und hat hervorragende Erzählerinnen und Erzähler. Hagstickers Geschichten, spontan erfunden, sind legendär. Und, dass es 1942 im Mai um 16.15 Uhr gerade begonnen hat, leicht zu regnen, weiss nur Metzger Viktor, bevor er eine Geschichte vom besagten Tag erzählt. Erfunden oder wahr, das spielt keine Rolle.

Ich habe nur zwei Erzähler von einigen erwähnt, die heute noch an den Stammtischen nacherzählt werden. Alle Erzählerinnen und Erzähler halten oder hielten an den alten Erzähltraditionen fest, so wie früher, als Sagen entstanden. Nacherzählt, erlebt oder erfunden ...
*****
Der Rothaarige auf dem Kulm: «Ein Bauer war nachts auf dem Weg über den Kulm zum Steg um die Kühe zu füttern. Auf der Kulmhöhe begegnete ihm ein rothaariger Mann, der einen ebenfalls rothaarigen Ziegenbock mit sich führte. Der Rothaarige erklärte sich dem Bauern: Er sei ein Betrüger gewesen und nun dazu verdammt, mit dem Ziegenbock unterwegs zu sein; nur, wenn jemand den Bock töte, sei er erlöst. Der Bauer nahm sein Messer und stach auf den Ziegenbock ein. Dieser war aber sehr wendig und zäh, sodass der Kampf aufgegeben werden musste. Der Rothaarige konnte nicht erlöst werden, und er verschwand mit dem Ziegenbock unter heftigem Donnern in Richtung Tal.»
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Langes Leben: «Zur Zeit der Hexenverbrennungen wurde ein Triesenberger wegen Hexerei gefangengenommen. Als er abgeholt wurde, gab er seinem Sohn ein Stück Brot mit den Worten: «Die Jahre, die man mir zu Unrecht nimmt, sollst Du erhalten». Der Bub nahm das Brot und wurde 101 Jahre alt.»
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Der Geist in der Sütigerwis: « Sütigerwis war früher mehrheitlich Wald. Von diesem Wald erschwindelte sich ein Triesenberger ein Stück. Seit seinem Tod muss er in der Sütigerwis als Geist nachts herumgehen. Wenn man ihn trifft und grüsst, gibt er keine Antwort, er geht nicht, sondern es scheint, als ob er schwebt. Zudem hat er keinen Kopf, denn diesen trägt er unter seinem Arm.»
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Das Doggi als Ehefrau: «Ein Triesenberger wurde immer wieder vom Doggi geplagt. Er dachte sich eine List aus, das Doggi zu fangen. Als dieses wieder einmal sein Haus betreten hatte, stopfte er das Schlüsselloch mit Moos zu und das Doggi konnte nicht mehr fliehen. Als er am Morgen nachsah, sass ein schönes Mädchen im Zimmer. In dieses Mädchen verliebte er sich, und er führte es zum Traualtar. Es stellten sich Kinder ein und sie wurden eine glückliche Familie. Nach Jahren dachte der Mann wieder einmal an das verstopfte Schlüsselloch. Doch am nächsten Morgen war seine Frau spurlos verschwunden. Er ging sie suchen. Er zog von Dorf zu Dorf und schliesslich fand er sie als Magd auf einem Bauernhof wieder. Er bat sie, mit ihm nach Hause zurückzukehren, aber die Magd war wieder vollständig zu einem Doggi geworden und konnte ihn nicht nach Hause begleiten.» (Autor: Herbert Hilbe)

22. Aug 2018 / 13:00
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