• 250 Jahre Pfarrei Triesenberg
    Pfarrer Georg Hirsch mit der Jubiläumsschrift «250 Jahre Pfarrei Triesenberg».  (Daniel Schwendener)

Triesenberger Seelsorge im Wandel

Im Jahr 1768 wurde die erste Kirche im Triesenberger Dorfzentrum gebaut: «Vieles hat sich seither verändert, aber das Herz des Menschen, seine Freuden und Nöte, sind in all den Jahren gleich geblieben», erklärt Pfarrer Georg Hirsch im Interview.

Die Gemeinde feiert 250 Jahre Pfarrei Triesenberg. Welche Bedeutung hat 
das Jubiläum für Sie, Herr Pfarrer?

Georg Hirsch: Das ist ein freudiges Ereignis. Bereits seit 250 Jahren ist Triesenberg eine selbstständige Pfarrei und wird von einem Pfarrer vor Ort betreut. Sowohl für die Gläubigen als auch für die Priester sind seither die Wege kürzer geworden – man muss nicht mehr lange vom Tal nach Triesenberg gehen und umgekehrt. Auch ist das seelsorgliche Angebot für die Gläubigen umfangreicher: ein Geistlicher kann vor Ort viel intensiver auf die Menschen eingehen ­– auf ihre Sorgen und Anliegen. 

Welche grundlegenden Veränderungen gab es in den letzten 250 Jahren?
Aus Sicht der Pfarrei wäre der Neubau der Pfarrkirche zwischen 1938 und 1940 zu nennen. Auch die Präsenz von zwei Geistlichen, die jetzt schon über Jahrzehnte die Geschicke der Pfarrei Triesenberg lenken. Von 1768 bis 1909 gab es ja nur einen Pfarrer und keinen Kaplan. Manche Verwaltungstätigkeit ging von der Pfarrei in die Hände der Gemeinde oder des Staates über, wie etwa die Aufgaben des Zivilstandesamtes oder der Unterhalt der kirchlich genutzten Gebäude.

Und inwieweit hat sich die Pfarrei in den vergangenen 12 Jahren, in der Sie als Pfarrer in Triesenberg tätig sind, gewandelt? 
Spontan fällt mir da das Friedhofswesen ein. Die Erdbestattungen sind merklich zurückgegangen. Die Gläubigen bevorzugen immer mehr die Urnenbeisetzung. Dann auch die Etablierung des Smartphones, was schon eine gewaltige Änderung im Leben der jungen Menschen und damit auch für die Seelsorge bedeutet.

Welche davon haben Kirche und Pfarrei dabei besonders geprägt?
Ich denke mal das Letztgenannte – das veränderte Medienverhalten der Menschen. Seit etwa zehn Jahren versuchen wir in der Pfarrei mit medialen Angeboten darauf eine Antwort zu geben und die Gläubigen zu erreichen. Kaplan Schwarz war und ist da ja immer noch sehr aktiv. Die katechetischen Reihen «Mein Gott und Walter» und der «3mc», der drei Minuten Katechismus sind Beispiele dafür. Diese Filme geben die Inhalte unseres Glaubens lustig und peppig aufbereitet wieder. Auch mit den Erstkommunikanten und Firmlingen machen wir verschiedene Filmprojekte. 

Welchen Stellenwert nimmt das kirchliche Leben heute ein?
Interessanterweise ist vor allem die Teilnahme an den grossen kirchlichen Festen immer noch ungebrochen. Damit meine ich nicht nur Weihnachten und Ostern. Dazu zählen vor allem auch der Palmsonntag, das Totengedenken und die Gottesdienste an Allerheiligen oder Fronleichnam. Da ist die Kirche oft bis auf den letzten Platz gefüllt. In Triesenberg schätzen die Gläubigen auch die verschiedenen Bräuche, wie den Blasiussegen, die Maiandachten, das Erntedankfest, den Bittgang an Christi Himmelfahrt oder die Roratemessen. An diesen kirchlichen Anlässen ist die Beteiligung der Gläubigen überwältigend. Bei den Roratemessen waren etwa 2017 jedes Mal 200 Personen in der Kirche – davon 50 bis 60 Kinder – und das um 6 Uhr morgens!

Mode, Technik und Geschmack haben sich verändert, auch die Seelsorge mag in den vergangenen 250 Jahren ihr Antlitz gewandelt haben. Inwieweit trifft die Veränderung auf die Menschen zu?
Da hat sich meiner Meinung nach nicht viel geändert. Seit 250 Jahren erleben die Menschen Freud und Leid, Krankheit, Sterben und Tod. Die eigentlichen Probleme und Herausforderungen eines Seelsorgers haben sich in dieser Hinsicht gar nicht gross gewandelt.

Suchen sie nach wie vor Halt und Orientierung bei Gott und finden diesen im Glauben?
Ja, die Menschen suchen nach wie vor Halt im Glauben. Natürlich spielen heute vermehrt alternative religiöse Weltanschauungen eine Rolle. Das gab es aber auch schon früher. Das Internet hat da nur den Zugang erleichtert. Aber nach wie vor hat das Christentum immer noch sehr gute Antworten auf die Fragen der Menschen. Und in gewisser Weise gibt es auch bei uns einen positiven Retro-Stil. Eine Rückbesinnung auf die Qualitäten des Christentums: Die Menschen finden Halt im Gebet, im Besuch der heiligen Messe und suchen die seelsorgliche Begleitung im Gespräch. Auch im musikalischen Bereich sind die klassischen Werke wieder gefragt, wie zum Beispiel lateinische Messgesänge oder ganz allgemein die Gregorianik.

Sie geben auch Religionsunterricht an der Primarschule: Was hat sie die vergangenen Jahre bei Triesenberger Kindern erstaunt, überrascht oder gar gerührt?
Erstaunt und positiv überrascht hat mich die Offenheit der Kinder. Ganz ungeniert fragen sie nach. Egal, ob das Fragen zur Entstehung der Welt oder zum Sterben und dem Bestattungswesen sind. Natürlich kommen auch die grauen Haare oder der Bart des Pfarrers zur Sprache. Einmal fragte mich ein Kind in der Sakristei, wo denn hier mein Bett stünde. Das ist eigentlich sehr schön, wenn die Kinder den Pfarrer so eng mit der Kirche – mit dem Kirchengebäude – verbunden sehen.

Sie plädieren für eine humor- aber gehaltvolle Glaubensverkündigung. Lachen ist demnach in der Kirche nicht verboten? 
Nein, ganz im Gegenteil. An Ostern gibt es sogar in manchen Kirchen den Brauch, dass der Pfarrer einen Osterwitz erzählt. In der Sakristei haben wir es auch immer sehr lustig mit den Ministranten. Soweit wie möglich versuche ich in der Seelsorge und in der Schule den Glauben humorvoll zu präsentieren. Selbstverständlich gibt es auch Situationen, in denen man sehr ernst sein muss, wie etwa bei einem Trauerfall.

Sie als Pfarrer haben nicht nur stets ein offenes Ohr für Anliegen, sondern mögen auch das Gesellige, spassen gerne herum, radeln die Schlossstrasse hinauf oder fahren Achterbahn beim Ministrantenausflug. Plagt die Pfarrei deshalb keine Nachwuchssorgen bei den Messdienern? 
Die Ministranten liegen den Kaplänen und mir seit Jahren sehr am Herzen. Darum stecken wir da auch sehr viel Herzblut hinein. Wir spielen Theater, machen Filme, gehen Klettern, treffen uns regelmässig im Mini-Keller usw. Es gibt natürlich sehr viele Freizeitmöglichkeiten für die Kinder. Da muss man schon einiges bieten gegenüber den «Mitbewerbern». Ein Faktum wird wohl allen Vereinen zu schaffen machen: in den letzten 12 Jahren ist bei uns die Zahl der Kinder in den einzelnen Jahrgängen zurückgegangen.

Jugendliche und junge Erwachsene holen Sie einmal im Monat mit Gesprächsabenden unter dem Motto «Theologie vom Fass» ab. Wie ist die Idee dazu entstanden? 
Die Idee existierte bereits in grösseren Städten. Wir haben das nach dem Weltjugendtag 2011 in Madrid aufgegriffen. Wir wollten ein wenig die Begeisterung für den Glauben wachhalten. Darum fingen wir an, die Jugendlichen einmal im Monat ins «Kulmstübli» einzuladen. Es gibt einen kurzen Impuls zu einem aktuellen Thema. Und bei einem Bier oder anderen Getränken ergibt sich dann sehr schnell ein ungezwungenes Glaubensgespräch. Oft kommt auch von den Jugendlichen selbst ein Themenvorschlag, den wir aufgreifen. Wir haben einen kleinen Kern von treuen Teilnehmern. Wir freuen uns aber immer, wenn weitere Jugendliche dazukommen.

Die Welt ist komplexer geworden. Haben sich dadurch die Fragen der Menschen verändert?
Was die religiösen und menschlichen Grundfragen betrifft nicht. Also die Fragen nach dem «Woher» und dem «Wohin» des Menschen. Die Fragen und Sorgen innerhalb der Familie, bei einer Krankheit oder am Lebensende sind für die Seelsorge mehr oder weniger gleich geblieben. Es sind oft nur die Umstände neu oder komplexer geworden – etwa Cyber-Mobbing oder der richtige Umgang mit Handy und Computer.

Konnten Sie bisher alle Fragen zu Glaube und Gott beantworten oder geraten auch Sie manchmal ins Grübeln oder Stocken?

Natürlich stösst auch ein Pfarrer an Grenzen. Es gibt schon Situationen, in denen man nicht weiter weiss oder wo «guter Rat teuer ist». Besonders in der Schule bringen mich die Kinder manchmal mit ihren Fragen ins Stocken. Nicht, dass man da keine spontane Antwort parat hätte. Die Schwierigkeit besteht eher darin, die Frage ohne Vorbereitungszeit einfach und kindgerecht zu erklären.

Was wünschen Sie sich für Kirche und Pfarrei in der Zukunft?
Die eben angesprochene religiöse Feinfühligkeit der Kinder und ihr grosses Interesse für Gott und den Glauben. Wir Erwachsene können da sehr viel von den Kindern lernen. Damit meine ich natürlich besonders die Begeisterung für den lieben Gott. (bc)

 

20. Aug 2018 / 07:00
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