• Wolfgang Schädler.
    Der ehemalige Rennrodler Wolfgang Schädler (Dritter v.l.) noch in Mission als russischer Trainer mit dem russischen Präsidenten Vladimir Puttin (li) sowie Sportminister Mutko und Funktionär Schachnazarov (re). (Bild: pd)

Das Walserdorf und seine Sportgrössen

Aus der Gemeinde Triesenberg stammten die meisten Olympioniken, die Liechtenstein an Olympischen Spielen seit dem Jahre 1936 vertreten haben. Zu einem Medaillengewinn hat es bislang noch nicht gereicht. Einige Sportler haben dennoch die Historie erweitert.
Sport, allgemein. 

An den Olympischen Winterspielen 1972 in Sapporo fuhr die Triesenberger Skifahrerin Martha Bühler in der Abfahrt und im Riesenslalom zweimal auf Rang zehn. Rennrodler Wolfgang Schädler beendete den Weltcup im Jahre 1984/85 auf dem dritten Rang. Und der Langläufer Stephan Kunz, der den Gesamtweltcup in der Saison 1999/00 als Siebter beendete, lief an den Olympischen Spielen 1998 in Nagano (Jap) über 30 km cl. auf Position 14. Daneben stammt auch Fifa-Ref Roland Beck aus Triesenberg wie auch etliche Fussball-Nationalspieler. Eine bemerkenswerte Bilanz der Walsergemeinde.

Bühler bestritt vor über 50 Jahren die Olympiaabfahrt
Martha Bühler schrieb Geschichte, denn sie war 1968 in Grenoble (Fra) die erste Liechtensteiner Sportlerin, die an Olympischen Spielen teilnahm. Als 17-Jährige beendete sie die drei alpinen Bewerbe auf den Rängen 38 (Abfahrt am 10. Februar 1968), 33 (Riesenslalom) und 28 (Slalom). «Meine Teilnahme war damals ein grosses Thema. Ich war sehr jung und im Vorfeld hat Rudolf Schädler (†) erklärt, dass ich an die Olympischen Spiele gehen müsse», erläuterte Martha Tschikof-Bühler unlängst. Zuvor hatte sie lediglich einige Fis- und Weltcup-Rennen bestritten. Frauen im Sport oder sogar im Spitzensport waren in den sechziger Jahren eher selten vertreten. «Man sollte zuerst eine Lehre absolvieren, ich bin stattdessen nur Ski gefahren. Die Skifahrerinnen waren damals eher älter, als heutzutags», erzählte Martha Bühler. Schon damals habe im Sport eine Art Gleichbehandlung existiert. «Wir waren gleichwertig. Bei den Abfahrten  bestand das gleiche Verhältnis zwischen Frauen und Männern. Die Frauen mussten im Sport auch einiges leisten.» Vier Jahre später, in Sapporo 1972, verblüffte Bühler mit zwei zehnten Rängen (Abfahrt und Riesenslalom) sowie Rang 18 im Slalom.

Trainer Schädler sammelte sechs Olympiamedaillen
Das sportliche männliche Aushängeschild der Gemeinde Triesenberg ist der Rennrodler Wolfgang Schädler, der seit 1986 von einer Supermacht (USA), zur nächsten (Russland) wechselte und seit drei Jahren China im Rennrodeln auf Vordermann bringt. «Die Fortschritte sind gut, leider steht uns wenig Zeit zur Verfügung. Einige Rennrodler haben sehr gute Fortschritte erzielt, doch ich will in erster Linie einen vernünftigen Aufbau machen. Die Entwicklung schaut nicht schlecht aus, doch für eine Medaille an den Olympischen Spielen in Peking wird es nicht reichen», gab Wolfgang Schädler eine Einschätzung preis.
Als Athlet nahm er an drei Olympischen Winterspielen (1976, 1980, 1984). 1976 in Innsbruck lag er auf Position 36 und schied im vierten und letzten Lauf aus. Vier Jahre danach in Lake Placid (USA) patzte er im zweiten Lauf und trat nicht mehr zum dritten Heat an. Den Doppelsitzer-Bewerb beendete er mit Rainer Gassner als 16. (19 Teams). An den Spielen in Sarajevo (Jug) 1984 klassierte er sich als Elfter.
Seine stärkste Einzelsaison zeigte er 1984/85, als er den Gesamtweltcup als Dritter beendete. «1984 an der EM belegte ich Rang vier, das war neben dem Weltcup und zahlreichen Klassierungen als Vierter in zahlreichen Weltcuprennen meine grössten Erfolge», blendet Wolfgang Schädler zurück und wechselte in der Folge die Fronten ins Trainermetier.

Der Triesenberger ist ein Mann von Welt, denn nach den Trainerengagements in den USA (1986 bis 2010) und in Russland (2010 bis 2014) war er nach einer einjährigen Pause wieder «hungrig».  «Die Auszeit war nötig, nachdem ich 30 Jahre an der Front war. Die Luft bei mir war draussen. Ich dachte, etwas anderes zu machen, doch irgendwann kamen die Anfragen diverser Nationen», schilderte Wolfgang Schädler vor drei Jahren, als China anklopfte.

Und im Trainerbusiness war der 60-Jährige sehr erfolgreich. Sechs Olympiamedaillen – vier mit den USA und zwei mit Russland – sowie 20 WM-Medaillen sicherte er den Supermächten in seiner Funktion als Cheftrainer. Den Unterschied zwischen und Athlet und Trainer kennt er aus dem Eeff. «Als Athlet bist für dich selbst, als Trainer für die gesamte Truppe verantwortlich. Der Einblick, sprich die Psychologie ist wichtig. Wenn ich soviel als Sportler gewusst hätte, wie als Trainer, wäre der Rodelsport in meiner Aktivkarriere eine einfache Sache gewesen», lächelt Wolfgang Schädler heutzutags.

Ein weiterer Triesenberger Trainer sicherte sich eine Olympiamedaille: Ski-Alpintrainer Lothar Magnago. Er trainierte während Jahren den Schaaner Slalomspezialisten Paul Frommelt, der 1988 in Calgary Slalom-Bronze gewann.

FL-Rodler seit 1994 an  Olympia nicht mehr vertreten
Auch der Triesenberger Rainer Gassner nahm zweimal an Olympia teil. 1976 in Innsbruck schied er im ersten Lauf aus, vier Jahre später realisierte er den guten 13. Rang. Auch Peter Beck, der an den Olympischen Winterspielen 1988 in Calgary (Can) die Aufmerksamkeit auf sich zog (Sturz), wies als beste Klassierung einen 7. Rang im Weltcuprennen von Hammerstrand (Swe) vor. «Ein Rodler musste ein richtiger Idealist sein. Wir fuhren nach Innsbruck, trainierten auf der kleinen Bahn in Bludenz sowie in St. Moritz. Wir hatten keine Betreuung, mussten uns selbst organisieren, derweil die DDR-Athleten als Vollprofis unterwegs waren», erinnerte sich Peter Beck an die schwierigen Verhältnisse, die im Rodelsport zu meistern waren. Der letzte FL-Rodler, der an Olympischen Winterspielen startete, war Marco Felder 1994 in Lillehammer (No), der im Einzelbewerb Rang 27 belegte. Auch Werner Sele schaffte es zweimal zu Olympia (1968, 1972 †).  Simon Beck und Julius Schädler (†) starteten in Grenoble 1968 und Max Beck 1976 in Innsbruck.

Triesenberg stellte in der Historie neben der Gemeinde Schaan die meisten Olympiateilnehmer. Die Skirennfahrer Hubert Nägele (1936 †), Franz Schädler (1936 †), Franz Beck (1948, 1956 †), Max Gassner (1948 †), Ewald Eberle (1956), Theodor Sele (1956), Poldi Schädler (1948, 1956 †), Hermann Kindle (1956, 1960), Adolf Fehr (1960), Hans-Walter Schädler (1964, 1968), Josef «Pfudi» Gassner (1964, 1968), Edmund Schädler † (1964) und Arnold Beck † (1968) vertraten Liechtensteins Farben in den frühen Jahren; in den letzten 24 Jahren suchten Hans Burkhard (1994), Tamara Schädler (1998), Diana Fehr (1998) und Markus Ganahl (1998, 2002) ihr Glück auf den Olympiapisten dieser Welt.

Claudia Süss-Sprenger  war in Innsbruck 1976 die erste und bislang einzige Liechtensteiner Langläuferin an Olympischen Winterspielen. Auch die Langläufer Benjamin Eberle (1988), Stephan Kunz (1994, 1998, 2002) und Martin Vögeli (2016) atmeten Olympialuft.

Zu keiner Olympiateilnahme kam Sarah Allgäuer-Schädler, die im Skicross-Weltcup beachtliche Resultate (2008/10) realisierte, doch eine langwierige Knieverletzung stoppte ihren Vorstoss an die Weltspitze;kurz vor Vancouver 2010 erlitt sie einen Rückfall. Zahlreiche Olympiateilnehmer aus anderen FL-Gemeinden, wie die Skirennläufer Marco Büchel, Tina Weirather, Marina Nigg und Achim Vogt sowie die Judoka Biggi Blum-Beck  hatten oder haben ihre Zelte schon bei den Walsern aufgeschlagen.

Events wie der Gaflei-Riesentorlauf, der Fürstin-Gina-Lauf und die Edelweiss-Trophy prägten das Sportgeschehen über Jahrzehnte hinweg. Dass dereinst in Steg eine Skisprungschanze bestand, wissen wohl nur noch die älteren Semester.

Fifa-Schiedsrichter Roland Beck im Ruhestand
In der Gemeinde ist der FC Triesenberg neben dem Skiclub Triesenberg und dem TC Triesenberg eine gängige Adresse. Der FC Triesenberg brachte einige Nationalspieler hervor, wobei Thomas Hanselmann jener Akteur ist, der die meisten Länderspiele (24) absolvierte. Das bekannteste Gesicht ist indes Fifa-Ref Roland Beck, der vor 15 Jahren seine aktive SR-Karriere beendet hat. Er hatte insgesamt 40 internationale Partien und 170 Super-League-Spiele als Schiedsrichter geleitet. Als einen Höhepunkt leitet er 1999 das Schweizer Cupfinale zwischen GC und Lausanne (5:2). Letztmals pfiff er am 23. November 2003 das NLA-Spiel zwischen dem FC Basel  und dem FC Zürich. Im März 2017 erteilte ihm der Fussballverband die Ehrenmitgliedschaft. Allzu oft werde er nicht mehr auf seine SR-Tätigkeit angesprochen. «Zuletzt ist das weniger der Fall, da ich selten auf den Fussballplätzen bin», bemerkte Roland Beck, der als Hobby Schnäpse und weitere Köstlichkeiten produziert. (eh)

Gemeinde Triesenberg
Einzelsportler, aktuell:
Michael Biedermann (Ski-Langlauf), Martin Vögeli (Ski-Langlauf), Ronny Hanselmann (Fussball). Ehemalige: Martha Bühler (Ski alpin), Tamara Schädler (Ski alpin), Hubert Nägele  † (Ski alpin), Franz Schädler  † (Ski alpin), Franz Beck  † (Ski alpin), Max Gassner  † (Ski alpin), Ewald Eberle (Ski alpin), Theodor Sele (Ski alpin), Poldi Schädler † (Ski alpin), Hermann Kindle (Ski alpin), Adolf Fehr (Ski alpin), Hans-Walter Schädler (Ski alpin), Josef «Pfudi» Gassner (Ski alpin), Edmund Schädler † (Ski alpin), Arnold «Noldi» Beck † (Ski alpin), Hans Burkhard (Ski alpin), Markus Ganahl (Ski alpin), Lothar Magnago (Ski-Trainer), Sarah Allgäuer-Schädler (Skicross), Stephan Kunz (Langläufer), Benjamin Eberle (Langlauf), Claudia Suess-Sprenger (Langlauf), Wolfgang Schädler (Rennrodeln), Peter Beck (Rennrodeln), Marco Felder (Rennrodeln), Sandra Jäger (Rennrodeln), Rainer Gassner (Rennrodeln), Werner Sele † (Rennrodeln), Simon Beck (Rennrodeln), Julius Schädler † (Rennrodeln), Max Beck (Rennrodeln), Thomas Hanselmann (Fussball), Franz Schädler (Fussball), Harald «Harry» Schädler (Fussball), Harry Benz (Fussball), Matthias Beck (Fussball), Roland Beck (Fifa-Schiedsrichter), Thomas Nigg (Fussball), Alex Burgmaier (Fussball), Philipp Beck (Fussball), Alexander Schädler (Fussball). Vereine: FC Triesenberg (Fussball), VBC Galina Triesenberg (Volleyball), SC Triesenberg, Rodelverband Triesenberg, TC Triesenberg, Minigolfclub Triesenberg, Schützenverein Triesenberg.

21. Aug 2018 / 15:32
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