• Werner Schädler, Steg
    Werner Schädler liegt der «Bärgär»-Dialekt am Herzen.  (Tatjana Schnalzger)

Auf Mission zum «Bärgärisch reda»

Sücka-Wirt Werner Schädler erzählt in seiner Facebook-Gruppe «Bärgärisch reda» aus seinem Leben und über Triesenberger Persönlichkeiten – selbstverständlich im Dialekt. Damit will er gegen das Aussterben des charakteristischen Walserdialekts vorgehen.

 

Im Berggasthaus Sücka spinnt das Internet – irgendetwas stimmt nicht mit dem Wlan-Router. Werner Schädler regt sich während demTelefonat mit dem Kundendienst auf – selbstverständlich auf «Bärgärisch». Er ist stolz auf seinen Dialekt. Er kennt aber auch seine Grenzen: «Bei modernen Dingen, wie etwa Internet, fehlen  die «bärgärischen» Ausdrücke», erklärt er. Das ist kaum  verwunderlich – schliesslich kamen die ersten Walser  vor rund 1000 Jahren langsam nach Liechtenstein.

Die Unart, Mitmenschen gerne zu korrigieren
Wann immer möglich verwendet Werner Schädler  Triesenberger Ausdrücke. «Es liegt mir besonders am Herzen, dass unser Dialekt nicht verschwindet», erklärt Werner Schädler. Deshalb habe er die Unart, seine Mitmenschen gerne zu korrigieren, gesteht er. Und häufig erwische er sich dabei, wie er bei gewissen Ausdrücken selbst überlegen muss, wie es denn richtig auf «bärgärisch» heisst. Das brachte ihn schliesslich auf die Idee, eine Facebook-Gruppe, rund um den Bärger-Dialekt, zu erstellen. Regelmässig postet Werner Schädler ein Spruch, ein Erlebnis oder eine Ankedote aus seiner Kindheit –  selbstredend im Bärgär Dialekt. Manchmal schlägt er auch das Buch der Triesenberger Dialektwörtersammlung von Herbert Hilbe auf und schreibt, was ihm gerade zu einem Wort einfällt.

«Es geht mir im Grunde aber gar nicht darum, so typische, einzelne Wörter wie ‹Fazenettli› oder ‹Pipolter› künstlich am Leben zu erhalten. Vielmehr soll im Alltag mehr «Bärgärisch» gesprochen werden», erklärt Schädler. Offen ist er auch für Kritik: «Das was ich da poste, ist keine Bergpredigt», meint er lachend. Genau dieser Austausch sei nötig. Einmal sei er sich nicht sicher gewesen, ob es «parfuscht» oder «parforscht» heisst.  «Das heisst so viel wie ‹unbedingt› und kommt aus dem Französischen ‹par force›», erklärt er. Kaum hat er einen Spruch dazu auf Facebook geteilt, wurde er drauf hingewiesen, wie es richtig heisst. Nämlich «parforscht».  «Ich mache viel aus dem Bauch heraus. Ich habe einen grossen Bauch, dementsprechend gross ist auch mein Bauchgefühl.» Zudem habe sich der Dialekt auch innerhalb der Familien unterschiedlich entwickelt, als wiederum bei anderen. Besonders bei der Schreibweise sind sich die Facebook-Mitglieder häufig nicht einig.

Anglizismen und Modewörter stören ihn
So belichte Herbert Hilbe mit seiner Wörtersammlung den «wissenschaftlichen» Aspekt des Dialekts, während er den Dialekt im Alltag darstellt. «Eine Wörtersammlung ist aber nie abschliessend. Die Sprache lebt – und verändert sich rasant», so Schädler. Dazu trage vor allem die Mobilität bei: «Wurde früher auf der Sücka nur «Bärgärisch» geredet,  haben wir heute Gäste  aus aller Welt bei uns», erklärt er. Wie auf Kommando läuft nach jenem Satz ein französcher Tourist vorbei und grüsst den Sückawirt. «Mich stören unnötige Anglizismen die im Dialekt und in der Schriftsprache verwendet werden», meint er. So Modewörter habe es zwar früher auch gegeben: «Wir haben immer ‹logisch› gesagt», erzählt er. Durch die Vermischung der Dialekte vor allem bei den jüngeren Generationen gehe der Dialekt verloren: «Meine Frau kommt aus der Steiermark. Ich rede ‹Bärgarisch›. Das hat auf den Dialekt unserer Kinder abgefärbt. Mir fällt auf, dass Kinder meist den Dialekt der Mutter annehmen.» Nicht so bei seinem Enkel: «Sein Vater wuchs in Balzers auf und obwohl er mit seiner Familie am ‹Bärg› lebt, spricht er ein ordentliches Gemisch aus Balznerisch und ‹Bärgerisch›. Ich versuche ihm den ‹Bärgär›-Dialekt näher zu bringen und korrigiere  ihn manchmal inmitten eines Satzes.So erklärte  ich ihm wieder und wieder, dass wir ‹albi› sagen, und nicht ‹immer›. Da hat er gesagt ‹Ich ha albi immer...›»

Häufig sei es den jungen Leuten peinlich, «Bärgärisch» zu reden. «Als Sprachinsel fällt man  auf – viele genieren sich dann. Dabei ist unser Dialekt viel näher am Hochdeutschen, wie es in der Schule gesprochen wird, als zum Beispiel der Dialekt der Unterländer», so Schädler. Zum Thema «Schule» meint er,  dass man den Kindern dort den Dialekt nicht eintrichtern kann, sie aber  für  «unsere schöne Mundart» sensibilisieren kann. «Ich finde es schade, dass einigen Einheimischen nicht viel an unserem Dialekt liegt.» Zugezogene würden sich teilweise  mehr dafür interessieren.

«Ich bin jedoch froh, dass der Gemeinde der Dialekt am Herzen liegt und erhalten bleiben soll», so Schädler. Für die Zukunft hat er schon eine neue Idee: Er möchte er einen Wochenkalender gestalten, versehen mit Sätzen im «Bärgärischen» Dialekt. «Dazu gab es bereits lose Gespräche mit dem Verein für Ahnenforschung», erklärt er. Vorerst kümmert er sich aber weiter um seine Facebook-Gruppe «Bärgärisch reda». «Neue Mitglieder und eigene Beiträge sind sehr erwünscht!», macht er klar. Werner Schädler wird auch weiterhin berichten, weshalb man das «Gätschi» mitessen sollte und man «Schnallaschua» vor allem in Zürich trug, und nicht «im Milbu» (s. unten). (rar)

«Bärgär»-Sätze aus Werner Schädlers Facebook-Gruppe

Bärgärisch
Wennd wir än Öpfl aso gässa händ, de hed ma midisch kiibat. «Au ds
Gätschi chünn ma ässa», hänsch de gseid und ünsch das vorgfüard. Schi sind halt huslig gsi.

Hochdeutsch
Wenn wir einen Apfel so gegessen haben, hat man mit uns geschimpft. «Auch das Kerngehäuse könne man essen», haben sie dann gesagt und uns das vorgeführt. Sie waren halt sparsam.

Bärgärisch
Wir sind noch mid Schischua waama binda muassa hed ids Milbu i gä Schifahra. Ds Lindi und ich händ albi trinschat, wiär wettn halt au dera neua Schnallaschua. Dr Tätta hed dua nu gschmöllalät und gseid:«Schnallaschua hänsch z Züri a.»

Hochdeutsch
Wir sind noch mit Skischuhen, die man binden musste, ins Malbun Skifahren gegangen. Die Lindi und ich haben andauernd genörgelt, dass wir hald auch solche neuen Schnallenschuhe wollen. Der Papa hat nur geschmunzelt und gesagt: «Schnallenschuhe haben sie in Zürich an.» 

 

Mehr Beispielsätze in der «Vaterland»-Printausgabe vom 23. August.

 

 

 

23. Aug 2018 / 07:00
Geteilt: x
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar)
Lesertrend
Meistgelesen
22. September 2018 / 19:36
22. September 2018 / 16:18
Meistkommentiert
06. September 2018 / 16:29
13. September 2018 / 06:16
13. September 2018 / 12:13
14. September 2018 / 14:47
Aktuell
22. September 2018 / 22:54
22. September 2018 / 22:52
22. September 2018 / 22:41
22. September 2018 / 21:59
22. September 2018 / 21:31
UMFRAGE DER WOCHE
Lade TED
Ted wird geladen, bitte warten...
Wettbewerb
wiesngaudi
Wir verlosen 2 x 2 Tickets zur letzten Wiesngaudi am 6. Oktober im SAL in Schaan
27.08.2018
Facebook
Top