• Kulturgütersammlung, Triesen
    Altarbilder von Johannes Hugentobler.  (Tatjana Schnalzger)

Wohin mit einer ganzen Orgel?

Bereits in der Gemeindewoche Balzers wurde über die dortige Kulturgütersammlung berichtet – nun steht eine Reportage über die Triesner Sammlung an, da Teile davon derzeit im Kulturzentrum Gasometer ausgestellt werden.
Kulturerbe. 

Bei diesem Bericht geht es auch um die Frage, was die einzelnen Kulturgütersammlungen der Gemeinden voneinander unterscheidet. Wie der Einblick in die Triesner Sammlung zeigt, gibt es auch hier einige gemeindespezifische Besonderheiten.

Ein Beispiel sind die drei Altarbilder von Johannes Hugentobler, die bis in die 1990er-Jahre den Hochaltar der Kirche abwechselnd schmückten. Sie wurden 1942/43 im Rahmen der Neugestaltung gemeinsam mit der Kirchendecke und den Glasfenstern angefertigt. Für Petra Büchel, Leiterin des Gasometers, sind sie ein gutes Beispiel, was den Einwohnern damals wichtig war: «Es erstaunt schon, dass die Gemeinde in einer schwierigen Zeit, kurz vor Ende des Krieges, die gesamte Kirche neu gestalten liess», sagt Büchel beim Ausstellungsbesuch. Längere Zeit galten diese Altarbilder als verschollen, da sie in keinem Inventar aufschienen. Jetzt sind sie wertvoller Bestandteil der Kulturgütersammlung und erinnern die Besucher der Ausstellung an die frühere Kirchengestaltung.

Orgel künstlerisch arrangiert
In der Kulturgütersammlung Triesen werden nicht nur diese Altarbilder aufbewahrt, sondern auch eine fast vollständige Orgel. Diese wurde 1899 in der Gallus-Kirche von den Feldkircher Orgelbauern Gebrüder Mayer erbaut und stand bis 1976 in Gebrauch. Dann musste das Instrument einer neuen Orgel weichen. Doch wohin mit einem solch grossen Erbe? Das Instrument wurde mehrfach umgelagert; bis es nun seit einigen Jahren im Frühmesserhaus wie auch im alten Vereinshaus untergekommen ist. Da die Orgel seit vielen Jahren nicht mehr vollständig ist und viele der Orgelpfeifen verbogen sind, nahm sich das Ausstellungsteam die Freiheit, die Orgel im Gasometer künstlerisch zu präsentieren. So schufen Edgar Bargetze und Marie-Eve Jetzer eine «Holz-Pfeifenwand» und ein Klangspiel aus den metallenen Orgelpfeifen. «Es ist uns wichtig, die Kulturgütersammlung in die Gegenwart zu bringen», so Petra Büchel. An der Orgel könne man auch gut die Problematik des Platzmangels der Kulturgütersammlung zeigen. Geeignete Lagerräume zu finden, sei nicht einfach und auch eine finanzielle Frage.

Wichtigkeit einer fachgerechten Lagerung
Weniger Platz braucht die Spruchtüchersammlung, von denen ein paar besondere Exemplare derzeit im Gasometer ausgestellt sind. Besonders bei Textilien stellt sich die Frage einer fachgerechten Lagerung: «Diese müssen gerollt aufbewahrt werden, da die alten Stoffe sonst an den Falten brechen würden», erklärt Petra Büchel.

Ebenso viel Sorgfalt brauchen die alten Ölgemälde aus dem 18. und 19. Jahrhundert, die bis vor Kurzem im Archiv der Primarschule Triesen aufbewahrt wurden. Woher diese Bilder stammen, ist derzeit ungewiss. Im Rahmen der aktuellen Ausstellung bekam Historikerin Cornelia Hermann den Auftrag, eine historische Einordnung der Bilder vorzunehmen, um deren Datierung herauszufinden.

Schätze zutage getreten
Bei der Räumung des Primarschularchivs im Februar dieses Jahres traten noch weitere Schätze zutage wie zum Beispiel eine beinahe vollständige Sammlung der Zeugnisse der Volksschule Triesen über fast 100 Jahre (1865–1961). Diese verraten nicht nur die Geburtsdaten, Herkunftsorte und Schuldauer der Kinder, sondern auch die benoteten Fächer wie sittliches Betragen, biblische Geschichte, Schönschreiben oder Fleiss. Eine weitere besondere Entdeckung war die Bibliothek des Lesevereins Triesen. Diese umfasst über 300 Bücher aus der Zeit von 1781 bis 1930.

Wie viel Arbeit hinter der Pflege einer Kulturgütersammlung steckt, ist ebenfalls Thema der aktuellen Ausstellung. Es werden die ersten Arbeitsschritte wie Objekteingang, Reinigen, Beschriften, Verpacken und Lagern aufgezeigt wie auch die weiteren Arbeitsstationen wie Inventarisieren, Fotografieren oder Recherchieren. Bei einer Sammlung, die fast 10 000 Objekte umfasst, ist dies eine kaum endend wollende Aufgabe. Seit zwei Jahren nun ist Monika Michels in einer Teilzeitanstellung dabei, die Sammlung zu sichten und zu inventarisieren. Einzelne Themenaspekte wie der Weinbau oder die Dorf-Ställe wurden bereits in 20 historischen wie auch künstlerischen Ausstellungen aufgegriffen, wobei die Triesner Kulturgüter jeweils eine wichtige Rolle spielten. «Die Kulturgütersammlung ist wie eine Schatzkiste der Dorfgeschichte, die uns hilft, die Dorfgeschichte zu erzählen und zu verstehen», so Petra Büchel abschliessend. (mk)

07. Jun 2018 / 06:00
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