• Der Grauspitz vom Schwarzhorn aus gesehen. Ein Gipfelkreuz hat der grösste Berg Liechtensteins nicht, dafür ein Gipfelbuch, wo sich mittlerweile immer mehr Bergsteiger aus der ganzen Welt eintragen.  (LAV)

Höchster Berg Liechtensteins erlebt Boom

Der Grauspitz ist mit 2599 Meter der höchste Berg Liechtensteins und gehört zu den Seven Summits der Alpen. Der früher selten begangene Berg hat dadurch stark an Bekanntheit gewonnen. Und Bergsteiger aus aller Welt sind begeistert.
Triesen. 

Markant thront die Falknis-Kette – Schwarzhorn, Grauspiz, Kläusle und Falknis – über Liechtenstein und bildet gleichzeitig die Landesgrenze im Süden. Die höchsten Berge Liechtensteins befinden sich auf Triesner Gemeindegebiet. Der Triesner Bergführer Michael Bargetze kennt sie wie seine eigene Hosentasche. Bereits als kleiner Bub hatte er sie  mit dem Pflegevater seiner Mutter, den alle «Onkel Gabriel» nannten, bestiegen. Damals war er einer von wenigen Liechtensteinern, die den nicht einfachen Weg zum höchsten Berg Liechtensteins unter die Füsse nahm. Das nur einige Seiten dünne Gipfelbuch verzeichnete wenige Einträge. Rund 40 Jahre lang befand sich das Buch auf dem Gipfel des Grauspitz, bis es voll war. «Noch vor 20 Jahren gab es nur um die zehn Einträge pro Jahr», erzählt Michael Bargetze.

Berggipfel Sammler wollen auf den Grauspitz

Denn der Grauspitz ist nicht einfach zu besteigen. Der Schwierigkeitsgrad liegt wie jener bei einer alpinen Bergwanderung. Je nach Route beinhaltet die Tour Kletterpassagen. Der Fels ist ausserdem brüchig, was den Berg gefährlich macht. Nur wer über eine gute Kondition, Trittsicherheit und Erfahrung in der Bergen verfügt, kann den Berg alleine bezwingen. Ein offizieller Wanderweg zum Gipfel gibt es nicht. Unwissende Wanderer sollen so nicht zu einer Besteigung des Bergs verleitet werden.

Trotzdem erlebt der Grauspitz einen Boom. Heute ist das Gipfelbuch in weniger als einer Saison voll. Der Grund: Der Berg gehört zu den Seven Summits der Alpen. Der Deutsche Bergführer Alexander Römer hatte 2010 die Idee für die Besteigung der höchsten Berge der sieben Alpenländer umgesetzt. Liechtenstein gehört mit dem Grauspitz auch dazu. Er ist zwar der kleinste Berg der Seven Summits der Alpen, aber Alexander Römer spricht auf der Internetseite www.seven-summits-der-alpen.de von einer Traumtour. Denn so stelle er sich das Bergsteigen vor 100 Jahren vor: kein Weg, kein Schild, nur wenige Trittspuren. «Durch die Vermarktung der Seven Summits der Alpen und Tourangebote von Agenturen ist der Grauspitz bekannter geworden», sagt Michael Bargetze. Mittlerweile haben Bergführer Steinmännchen erstellt, um den Weg besser zu finden.

Die meisten Seven-Summits-Sammler starten von der Älpibahn Malans aus. Die einfachste Route auf den Grauspitz führt unterhalb des Grats zwischen dem Schwarzhorn und dem Grauspitz entlang. Jene, welche die Überschreitung vom Schwarzhorn aus wagen, sind begeistert von der Herausforderung der Tour.
Von der Liechtensteiner Seite her wird der Berg auch heute noch selten begangen. Gerade vom Lawenatal aus, ist die Besteigung des Grauspitz’s kein einfaches Unterfangen, aber ein aussergewöhnliches Erlebnis, wie Bargetze sagt. Der Schwierigkeitsgrad ist nochmals höher. «Diese Tour ist als alpine Tagestour zu bezeichnen und benötigt einiges an Kondition und technischem Können», sagt Bargetze. Klettern im vierten Schwierigkeitsgrad ist für diese Tour eine Voraussetzung.

Ein Berg für ambitionierte Wanderer

Michael Bargetze hat schon manchen Gast über die Bergkette geführt – auch erfahrene Bergsteiger. Die Gäste sind begeistert: «Die tolle Landschaft, die weite Aussicht und die zu überwindenden Höhenmeter faszinieren sie immer.» Starten die Berggänger vom Tal aus, sind 2000 Höhenmeter zu überwinden – das ist die Strecke von der Eiger Nordwand, nur eben nicht in extremer Höhe. «Liechtenstein hat grosses Potential für ambitionierte Wanderer. Es ist nur zu wenig bekannt», sagt Michael Bargetze. Zum Beispiel sei auch eine Skitour auf das Schwarzhorn ein unvergessliches Erlebnis.

Dass die Touren auf die Berge der Falknis-Kette nicht einfache Wanderungen sind, zeigt auch die Tatsache, dass immer wieder Berggänger verunglücken. Am Schwarzhorn zeugt eine Madonna-Statue von einem tragischen Unglück, als ein Mädchen vom Gipfel stürzte. «Das Gelände ist auf allen Wegen anspruchsvoll. Auch der Weg von der Lawena auf den Falknis ist Absturzgelände, obwohl der Weg markiert und gesichert ist.»

Michael Bargetze weiss von den Risiken in den Bergen und passt jede Tour seinem Gast und den Verhältnissen in den Bergen an. Wenn der erfahrene Bergführer merkt, dass sein Gast zu unsicher ist, dann wird die Kletterpassage ausgelassen. «Das Risikomanagement in den Bergen ist wichtig und zwar nicht nur im Winter bei Lawinengefahr.»

Der Grauspitz kann durchwegs mit den anspruchsvollen Gipfeln der Alpen mithalten. Eine Tour muss also gut geplant und vorbereitet sein – dann steht einem besonderen Bergerlebnis auf den höchsten Berg Liechtensteins nichts im Weg. (manu)

08. Jun 2018 / 18:13
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