• Ein Schlachtfeld zur Zeit des Schwabenkrieges.  (Holzschnitt von Urs Graf (1485–1528) um 1500)

Drei Tage Tod und Leid über Triesen

Schlachtfelder lassen sich überall auf der Welt finden – aber wer wusste, dass eine grosse und wichtige Schlacht vor einigen Hundert Jahren in Triesen stattgefunden hat. Bei der Schlacht in Triesen standen sich etliche Tausend Söldner gegenüber.
1499. 

Ende des 15. Jahrhunderts standen sich in der Region des heutigen Liechtensteins zwei Reiche gegenüber. Auf der einen Seite befand sich die Eidgenossenschaft, auf der anderen Seite stand Maximilian I., römisch-deutscher König aus dem Geschlecht der Habsburger, mit seinen Verbündeten, dem Schwäbischen Bund. Anders als heute standen nicht alle Gebiete unter einer weltlichen Führung, einige Ländereien gehörten der Kirche. In den späten 1490er-Jahren geriet der Bischof von Chur in einen Streit mit den Habsburger Herrschern über Abgaben für Ländereien, die eigentlich der Kirche unterstanden. Daraufhin suchte der Bischof Rückhalt bei den Eidgenossen und erhielt diese. Aus dem daraus resultierenden Spannungsverhältnis zwischen den Eidgenossen und den Königlichen Truppen resultierten anschliessend die kriegerischen Handlungen, der Schwabenkrieg, auch Schweizerkrieg oder Engadiner Krieg genannt.

Tausende stehen sich gegenüber
Die Grenze zwischen der schweizerischen Eidgenossenschaft und den Habsburgern verlief in etwa wie heute, entlang des Rheins. Ende des 15. Jahrhunderts war Triesen unter der Herrschaft von Ludwig von Brandis, Schlossherr in Vaduz und ein treuer Anhänger des Hauses Habsburg. Somit wurde Liechtenstein in dieser Auseinandersetzung zum Reich der Habsburger gerechnet und königliche Truppen waren im ganzen Land unterwegs.

Wochen und Tage vor der eigentlichen Schlacht gab es auf beiden Seiten des Rheins immer wieder Provokationen und kleine Scharmützel. So überquerten königliche wie auch eidgenössische Truppen immer wieder die Grenze und zündeten Häuser an. Die Habsburger und schwäbischen Truppen nahmen zwischenzeitlich auch Maienfeld ein, wurden aber später wieder vertrieben.

In der Nach auf den 12. Februar 1499 überquerten dann 600 Reisläufer, wie die Söldner der Schweizer genannt wurden, den Rhein und griffen die königlichen und schwäbischen Truppen an. Diese waren gerade auf dem Rückzug von Maienfeld Richtung Feldkirch und hatten ihr Lager zwischen Balzers und Triesen aufgeschlagen. Über die Anzahl an Söldnern und Kämpfenden gibt es unterschiedliche Aussagen. Michael Goop, der sich in seinem Buch «Schlacht bei Triesen 1499» intensiv mit diesem Ereignis befasst hat, geht von etwa 2000 Mann auf der königlichen Seite und etwa 7000 Mann auf der Seite der Eidgenossen aus. Er beschreibt den Beginn der Schlacht etwa so: «Es war ein kalter, eisiger Wintertag, der Rhein hatte wenig Wasser, viele Kiesbänke waren sichtbar. (…) Ca. 600 Knechte durchwateten auf breiter Front den nicht tiefen Rhein unterhalb von Azmoos. (…) Die Büchsenmeister wurden erstochen und das Hauptheer der Eidgenossen mit 5000 Mann konnte ungehindert den Rhein überqueren.»

Von da an war es kaum mehr eine Schlacht, sondern eher eine Hetzjagd. Die königlichen Truppen und ihre Verbündeten flüchteten Richtung Triesen, Vaduz und Feldkirch, andere versuchten es über Triesenberg und wollten dann nach Frastanz weiter. Doch dort lauerte Heini Wolleb, Hauptmann der Urner Truppen, mit seinen 1000 Mann. Sie hatten morgens das Schlachtgeschehen gehört und stürmten Richtung Triesen, um auch noch mitmischen zu können. Im Unterschied zu anderen Zeiten gab es damals kein Pardon – Gefangene wurden keine gemacht. Michael Goop geht, gestützt auf zahlreiche Quellen, von 400 bis 500 Toten aus, die meisten wohl auf königlicher-schwäbischer Seite.

Die Tage und Wochen nach der Schlacht
Zur damaligen Zeit war es üblich, dass ein erobertes Gebiet nach der Schlacht ausgeraubt und gebrandschatzt wurde. Drei Tage lang wüteten eidgenössische Truppen in Triesen und Vaduz. Es wurde alles ausgebaut und mitgenommen, was irgendwie von Wert war, und die Menschen wurden misshandelt. So ein Raubzug war für die Söldner quasi die Bezahlung für ihre Dienste

Der Schwabenkrieg dauerte bis September des Jahres 1499 an und in weiten Teilen konnte sich die Eidgenossenschaft durchsetzen. Mit dem Frieden von Basel endete der Krieg und es wurde ein Schiedsgericht für Streitigkeiten eingeführt.

Wo die Schlacht von Triesen genau stattfand, kann nicht geklärt werden. Sie wird zwar auch Schlacht bei St. Wolfgang genannt, aber Michael Goop geht eher davon aus, dass sie südlich des heutigen Gemeindegebietes stattfand, dort, wo heute die Hella­barta ist. «Für diese Behauptung liegen keine Beweise vor, doch unterstreichen gewisse Aussagen diese Vermutung», schreibt der Autor.

05. Jun 2018 / 08:00
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