• Sagenwelt Schellenberg
    Eine sagenhafte Gestalt

Sagenhaftes, Erzähltes und Geschriebenes

Die Gemeinde Schellenberg trägt den Namen des ersten fürstlich-liechtensteinischen Besitzes. Dennoch, vielen Bewohnern des Oberlands ist die Gemeinde gänzlich unbekannt.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts waren die Schellenberger Einwohner sehr verschuldet. Sie lebten von Viehzucht, Land, Wein, und Flachsbau. Die Wälder rund um die Gemeinde gehörten zumeist andern Gemeinden. So mussten die Einwohner das Holz teuer zahlen und nutzten Torf zum Feuern. 1815 vermerkt Landvogt Schuppler, dass sie gegen vernünftige Aufklärung seien. Auch glaubten viele an Hexereyen, Gespenster, Teufelsbeschwörungen, Schatzgräbereyen, und andere «dergleichen Ungereimtheiten».

Je südlicher die Gemeinde, desto mehr Sagen

Im Vergleich zu den südlichen Gemeinden Liechtensteins, gibt es im Unterland nur wenige bekannte Sagen. Die Anzahl Erzählungen steigt, je südlicher die Gemeinde liegt. Genauso verhält es sich auch mit dem Romanischen im Wort- und Namenschatz des Landes. Die sprachliche Erscheinung hat mit der Verdeutschung zu tun, die von Norden her durch die Alemannen geschah. Hängen die beiden Erscheinungen zusammen? Möglicherweise, aber bei den Sagen bin ich mir nicht sicher. Ist es die stärkere Verbundenheit mit Vorarlberg (für Unterländer ist mit «Stadt» Feldkirch gemeint)? Wirken im Rheintal die alpinen Sagen keine (grosse) Rolle mehr?

Das Unheil kündigt sich an

Der von Schuppler 1815 beschriebene Aberglaube der Bewohnerinnen und Bewohner zeigt sich auch in Erzählungen und Sagen. So glaubten sie an die Vorankündigung von Unglücken und Todesfällen. «Ein Waisenbub, der bei einer Familie aufgewachsen war, arbeitete bei einem Bauer in Mauren. Auf dem Feld sah er den Sohn seiner Ziehfamilie. Dieser ging am Feld vorbei, grüsste aber nicht. In der folgenden Nacht stand der Bauernhof in Flammen und der Bub, der Waisenbub gesehen hatte, konnte vor dem Feuer nicht mehr fliehen und verbrannte.» In diese Richtung geht auch folgende Sage. «Ein Paar aus dem Schaanwald war auf dem Schellenberg, die dortige Verwandtschaft zur bevorstehenden Hochzeit zu laden. Der Besuch dauerte etwas lange, und so machte sich das Paar spät auf den Heimweg. Als sie unterwegs waren, begegnete ihnen das Nachtvolk. Sie versteckten sich und warteten, bis der Zug vorbeigezogen war. Als Letzte im Zug erkannte die Frau des Paars eine Schellenbergerin, die tags darauf starb.»

Die Erscheinung einer fremden oder unbekannten Person führte zu einer sich rasch verbreitenden Erzählung. «Auf dem Weg nach Gamprin soll ein Mann ohne Kopf gegeistet haben. So die Sage. Als ein mutiger Schellenberger nachsehen wollte, traf er den vermeintlichen Geist und grüsste ihn. Der Geist grüsste zurück.» Es war ein Schellenberger Bauer, der auf dem Rückweg von der Mühle, den leeren Teil des Mühlsacks über den Kopf gelegt hatte.

Sagenwelt Schellenberg

Die Rivalität zweier Gemeinden

Noch heute spotten die Schellenberger gelegentlich über die Gampriner. Dieser Spott ist auf eine Sage zurückzuführen. «Die Gampriner Mühle lag am Rheinufer und war befestigt. Je nach Bedarf und Wasserstand konnten die Gampriner die Mühle verrücken. Die ganze Gemeinde war dazu aufgeboten, beim Ziehen der Mühle an den neuen Standort zu helfen. Nun geschah es, dass die Seile beim Ziehen eines Tages rissen und die Mühle führungslos mit dem Rheinstrom mitging. Die Gampriner eilten nun so schnell wie möglich auf den Hinteren Schellenberg, um zu sehen, wohin die Mühle trieb.» In Schellenberg spottet man über die Gampriner, sie hätten ihre Mühle verloren und auf dem Schellenberg gesucht.

«Zu einer unbestimmten Zeit gehörten die beiden Burgen despotischen Herrschern, sogenannte Zwingherren. Sie unterdrückten das ganze Unterland und gingen sogar soweit das «Ius primae noctis» einzufordern. Auf ihren Jagden zu Pferd zerstörten sie Felder und Wiesen. Als es den Unterländern zuviel wurde, versammelten sich alle an einem Funkensonntag und marschierten zu den Burgen. Sie erschlugen die Herrscher und erlösten sich von den Despoten. Sie jubelten und freuten sich ob der wiedererlangten Freiheit. Die Frauen freuten sich über die Kunde vom Schellenberg und kochten ihren zurückkehrenden Männern zur Ehre ein gutes Essen.» Diese etwas banale und einfache Sage ist wohl eine Wandersage. Sie ist nicht datiert. Das Einfordern des «Ius primae noctis» ist in der Geschichtsschreibung umstritten. Erwähnt ist das Recht erstmals im Epos Gilgamesch (3. Jahrtausend v.u.Z.). Hätten die armen Schellenberger schon 1815 gewusst, dass sie auf einem Münzschatz aus dem 15. Jahrhundert «sitzen» … ! (Herbert Hilbe)

 

06. Apr 2018 / 16:06
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