• Christian Hasler, Schellenberg
    Christian Hasler, Vizepräsident des Musikvereins Cäcilia Schellenberg  (Tatjana Schnalzger)

«Genehmigte Auszeit»

Musikverein Cäcilia Schellenberg Zwei Kinder, eine Leitungsfunktion bei Thyssenkrupp Presta und trotzdem mit Leib und Seele Musikant: Ohne Leute wie Christian Hasler würde das Vereinsleben in Liechtenstein nicht funktionieren.

«Für mich ist der Musikverein ein Ausgleich, sozusagen eine genehmigte Auszeit. Ich hatte einen längeren Unterbruch: Gegen Ende des Gymnasiums hörte ich auf, weil ich für das Studium nach Zürich an die ETH ging, danach aber kehrte ich  nach Liechtenstein und in den Musikverein zurück. Wir haben zwei Mal pro Woche Probe, Montag und Donnerstag. Inklusive Proben und Auftritte treffen wir uns zwischen 80 und 90 Mal pro Jahr. Wir werten jedes Jahr die Probenbesuche aus und ich habe es noch nie unter die ersten drei geschafft. Manchmal muss ich geschäftlich verreisen und bin dann eine Woche weg.

Ich spiele die erste Trompete. Letztes Jahr war ich sehr motiviert und habe wieder angefangen, zu Hause zu üben – rund eine Stunde pro Tag. Abends, wenn die Kinder im Bett sind, spiele ich mit dem Silent-Brass Dämpfer und den Kopfhörern. Das klappt ganz gut. Doch irgendwann kommt man nicht mehr weiter. Ich habe dann beschlossen, Musikstunden zu nehmen, so wie früher als Jungmusikant. Jeweils donnerstags über Mittag findet die Lektion statt. Mein Lehrer ist Kurt Rothenberger, wie damals, als Jungmusikant. Profimusiker werde ich sicher keiner mehr, das ist klar. Aber ich spiele einfach gerne und so lange es mir noch Spass macht, ist das doch prima.

Meine Kinder sind drei und sechs Jahre alt. Sie spielen noch kein Instrument, ich forciere das auch nicht. Sie kriegen ja von selbst schon viel mit, wenn sie beispielsweise an Auftritte des Musikvereins kommen. Die Welt meiner Frau ist es nicht, aber sie findet es gut, dass ich ein Hobby habe und unterstützt mich dabei. Seit knapp drei Jahren bin ich Vizepräsident. Das braucht auch nochmals ein bisschen Zeit, aber wir haben das grosse Glück, dass wir einen Präsidenten haben, der sich sehr einsetzt und viele Aufgaben übernimmt. Ich glaube, wir sind nicht die ersten, die eine Frau als Dirigentin haben. Aber in Schellenberg ist es sicher die erste.

Schellenberg hat eine traditionelle Tracht. Alle im Verein mögen die Tracht. Es ist auch für mich etwas Schönes, die Tracht zu tragen. Der Stoff ist zwar nicht der angenehmste, aber man hält es aus. Es gab schon Diskussionen, ob auch eine Uniform infrage kommen würde, aber das wurde nie weiterverfolgt. Die Tracht gehört zu unserem Verein. Wir haben gemerkt, dass es einfach keinen guten Eindruck macht, wenn jeder unterschiedliche Schuhe anhat. Das hat nicht nur die Älteren, sondern auch die Jüngeren gestört. Wir haben dann Schuhe bestimmt und jeder hat sich ein Paar gekauft. Das wurde angenommen und nun schauen wir als Einheit viel besser aus. In Vaduz ist man immer ein beliebtes Foto-Motiv, wenn man mit der Tracht unterwegs ist, beispielsweise nach dem Spiel auf der Schlosswiese am Staatsfeiertag oder nach einem Verbandsmusikfest. Man ist ja meistens in der Gruppe unterwegs. Alleine in die Schweiz rüber müsste ich jetzt nicht unbedingt mit der Tracht.

Christian Hasler, Schellenberg

In voller Montur im Probelokal - Im Hintergrund ist noch ein Schild der Gründungsfeier zu sehen.

Nächstes Jahr findet das Verbandsmusikfest in Schellenberg statt. Wir haben heute Abend Kickoff-Sitzung des Festkomitees, dem ich auch angehöre. Unser Ziel ist es, ein dreitägiges Programm auf die Beine zu stellen.

Mein Vater war viele Jahre Dirigent und spielt jetzt als einfaches Mitglied mit. Er ist ein guter Dirigent mit viel Erfahrung. Vor Schellenberg hat er den Musikverein Buchs-Räfis dirigiert. Er ist auch ein guter Musikant und hat den Verein zu einem grossen Stück dazu gemacht, was er heute ist. Ich selbst habe keine Dirigenten-Ambitionen. Das wäre mir zu viel. Als Dirigent muss man viel vorbereiten und kann es sich nicht mehr herausnehmen, hie und da nicht anwesend zu sein.

Unser Verein zählt 38 Mitglieder. Wir sind zufrieden mit dem Mitgliederbestand. Eine gute Jugendarbeit ist sehr wichtig. Das wichtigste Rekrutierungsinstrument ist der Instrumenten-Kennenlerntag zusammen mit der Primarschule. Es ist immer ein bisschen ein Auf und Ab, je nach Jahrgang. Es kommen auch nicht längst alle Jungmusikanten zur grossen Musik. Aber wenn man diese Arbeit nicht macht, muss man sich nicht wundern, wenn man plötzlich keinen Nachwuchs hat.

Christian Hasler, Schellenberg

Beim MV Cäcilia Schellenberg herrscht eiserne Disziplin

Märsche und Polkas gehören einfach dazu. Für einige ist es vielleicht ein Muss, aber ein schöner Marsch und eine schöne Polka gefällt schon allen – damit gewinnt man auch jedes Festzelt für sich. Wichtig ist, dass wir zwischendrin auch moderne Lieder spielen. Die kommen und gehen jedoch viel schneller, die Charthits der Blasmusik hingegen haben wir immer im Repertoire. Für den Schellenberger Pfarrer Pater Josef haben wir den Marsch «Mein Heimatland» ins Programm aufgenommen. Mein Lieblingsmarsch ist «Unter dem Doppeladler». Ein schönes Blasmusik-Stück zeichnet sich durch Gegensätze aus: Durch einen schnellen und einen langsamen Teil, einen lauten und leisen und durch melodiöse und eher aufgeregte Stellen. Diese Gegensätze machen ein Stück spannend für den Zuhörer, aber auch für die Musikanten, die es spielen.

Ich habe das bronzene und silberne Leistungsabzeichen. Ich spiele nicht schlecht, aber für einen Solisten wäre ich wohl zu nervös. Es ist schon merkwürdig, ich muss auch geschäftlich vor Leuten sprechen. Doch die Bühne, das Scheinwerferlicht ist einfach etwas anderes. Zusammengezählt bin ich jetzt 14 Jahre beim Musikverein. So lange wie mein Neni Alban werde ich es kaum schaffen, der war 60 Jahre Mitglied.» (Aufgezeichnet von Daniel Bargetze)

 

06. Apr 2018 / 16:57
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