• Heimo Wohlwend ist stolz auf seinen Dorfladen in Schellenberg.  (Daniel Schwendener)

Alles, was das Herz begehrt

Seit rund sieben Jahren gibt es den Dorfladen in Schellenberg. Eine Dorfumfrage sollte klären, ob die Schellenberger den Laden brauchen. Dabei wurde klar: Er ist gewünscht.
Schellenberg. 

Der leuchtendgrüne Klebeschriftzug «Prima» prangt am oberen Rand der Fensterscheibe. Links davon befindet sich die Eingangstüre. Dahinter steht ein Holztisch mit einer farbigen Decke darauf. Vorbei an Primeln in braunen Plastiktöpfen und Blumenarrangements geht es hinein ins kleine Einkaufsparadies. In einem Holzregal reihen sich Spielzeug-Kuhfiguren aus Holz aneinander, eine Etage darüber steht eine Verpackung mit einer Barbiepuppe darin. Gegenüber vom Spielwarenschrank gibt es Gemüse und Obst. Den schmalen Gang entlang gibt es Weine aus Liechtenstein zu kaufen. 

Der Dorfladen in Schellenberg befindet sich im Zentrum des rund 1000-Seelen-Örtchens. Im Jahr 2011 übernahm Heimo Wohlwend das Geschäft, welches zuvor 10 Jahre lang als Denner-Satellit betrieben wurde. Denner sowie die anderen grossen Detailisten liefern nicht mehr in abgelegene Orte. Wohlwend arbeitet  mit der Kette «Prima» zusammen, bei der er einen Teil des Sortiments selbst bestimmen kann. 60 Lieferanten hat Wohlwend mittlerweile. Die geringen Liefermengen führen dazu, dass er die Waren etwas teurer verkaufen muss als die Grossdetaillisten. Trotzdem erklärt er: «Ich bin zufrieden mit dem Dorfladen». Er denke, dass auch die durchgeführte Dorfumfrage, die auf seine Initiative hin im Sommer 2017 durchgeführt wurde, bei den Einwohnern Wirkung gezeigt hätte und diese jetzt wieder vermehrt im Dorfladen einkaufen. Der Stein des Anstosses für die Umfrage war das Auslaufen des Pachtvertrages: «Wir wollten u. a., dass damit eine allfällige Nachfolgerlösung geklärt wird», sagt Wohlwend. Die Umfrage sollte Aufschluss darüber geben, inwiefern die Gemeindebewohner im Geschäft einkaufen und ob allenfalls Änderungswünsche vonseiten der Bevölkerung vorhanden sind. Die Ergebnisse der Dorfumfrage zeigen: Der Dorfladen ist gewünscht. Über 100 Personen konnten sich gar eine finanzielle Beteiligung am Laden vorstellen. Das Modell der Genossenschaft könnte sich auch Wohlwend für den kleinen Laden vorstellen: «Vielleicht werden wir in zwei Jahren, wenn unsere langjährige Mitarbeiterin Sonja in Pension geht, das Modell umstellen», sagt der Chef des Familienbetriebes. 
Im kleinen Laden bietet Heimo Wohlwend ein breites Sortiment an, auch eine Poststelle findet sich dort. Stolz ist er vor allem auf die Produkte, die die Kunden sonst nirgends finden, wie die Konfitüre seiner Frau. Beim Einkauf der Produkte sei «Timing» alles, meint Wohlwend. Das bedeutet, dass die richtige Ware zum richtigen Zeitpunkt im Geschäft sein muss. «Wir kaufen einige Artikel sogar nur für einzelne Personen ein», erklärt er. Denn dem Chef liegt das Wohl der Gemeindebewohner am Herzen und diese schätzen das. «Hat eine Person zum Beispiel eine Allergie auf Kuhmilch, schauen wir, dass wir Ersatzprodukte wie Sojamilch anbieten.» Viele Einwohner telefonieren auch direkt in den Laden und lassen sich zum Beispiel einen Laib Brot reservieren. Als Grenzgemeinde gebe es in Schellenberg keinen Durchgangsverkehr, auch deswegen verlasse sich der Dorf-laden auf die Einwohner. 

Das kleine Geschäft ist auch ein Treffpunkt: In der Kaffeeecke stehen in der Vormittagspause Arbeiter und unterhalten sich, am Nachmittag plaudern ältere Frauen miteinander und am Abend stehen Mütter und Väter, die vom «MuKi-Turnen» mit den kleinen Kindern zurückkommen, um die Kaffeemaschine und sprechen über den neusten «Tratsch und Klatsch». Auch Wohlwend und die zwei Angestellten sprechen gerne mit ihren Kunden. «Beim nächsten Besuch führen wir das Gespräch dort weiter, wo wir das letzte Mal aufgehört haben», sagt Wohlwend stolz.  Seit der Laden im Jahr 2011 öffnete, haben sich neben dem Trend hin zu mehr gesunden Lebensmitteln auch die Öffnungszeiten geändert. «Vor sieben Jahren war es wichtiger, dass am Morgen geöffnet war, nun war es den Einwohnern wichtiger, dass der Laden am Abend länger geöffnet hat», sagt er. So schliesst der Dorfladen die Türen erst um halb sieben Uhr abends, wenn auch der letzte Schellenberger seinen Znacht eingekauft hat. (qus)

03. Apr 2018 / 23:08
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