• Jürg Bockstaller
     (Daniel Schwendener)

«Der Chorgesang ist eine soziale Aufgabe»

Der Eschner Jürg Bokstaller ist seit 1981 Dirigent des MGV-Kirchenchors in Ruggell. Der Männergesangsverein feiert in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen und darf sogar im Petersdom in Rom sein Können präsentieren.

Interview: Nathalie Bagnoud 

Herr Bokstaller, Ende April wurde die erste von drei Feiern zum 100-Jahr-Jubiläum durchgeführt. Das Pontifikalamt mit Erzbischof Wolfgang Haas wurde vom Chor mit der «Missa a cappella» von Philipp Schmutzer und Werken von Josef Gabriel Rheinberger umrahmt. Was sind die weiteren Pläne des MGV-Kirchenchors? 
Jürg Bokstaller: Der zweite Teil der Feierlichkeiten wird am 1. Juli im Petersdom in Rom stattfinden. Wir dürfen an diesem Sonntag die Abendmesse gesanglich umrahmen. Für mich als Organist und Chorleiter ist dies eine grosse Ehre und Herausforderung, in der «Kirche der Kirchen» mit meinem Chor aufzutreten. Unser Jubeljahr beschliessen wir am Sonntag, 28. Oktober 2018, mit einer öffentlichen Konzert-Feierstunde im Musikhaus Ruggell.

Wie seid ihr zu der Ehre in Rom gekommen? 
Ich habe ein gutes Verhältnis zu unserem Erzbischof und ich wollte für meinen Männerchor zum runden Jubiläum etwas Besonderes organisieren. Wir wollten nicht nur eine grosse Feier hier im Lande durchführen, sondern uns selber auch Etwas gönnen. Über Beziehungen nach Rom hat es mit dem Auftritt schlussendlich geklappt. Für mich wird es ein tolles Erlebnis sein auf der grossen Orgel im Petersdom spielen zu dürfen, und natürlich auch den Chor zu leiten. Wir sind in intensiven Probearbeiten, um uns auf diesen Auftritt vorzubereiten. 

Wie haben die 28 MGV-Mitglieder reagiert, als Sie Ihnen vom grossen Auftritt erzählt haben? 
Ich habe zuerst um den heissen Brei geredet, und konnte noch nicht alles erzählen, weil Vieles noch nicht definitiv feststand. Unsere Mitglieder sind zwischen 40 und 85 Jahre alt. Sie sind alle in einem Alter, in dem man etwas Gediegenes machen möchte. Als ich eine mögliche Romreise ansprach, waren alle begeistert. 

Sie haben das Alter der Mitglieder angesprochen. Wie sieht es mit Nachwuchs aus? 
Kritisch, würde ich sagen. Aber da geht es anderen Chören im Land in etwa ähnlich. Uns fehlt eine Generation, also quasi das Mittelfeld. Das Wort «Kirchenchor» ist für neue Mitglieder eher abschreckend und nicht immer förderlich. Zusätzlich geht man bestimmte Verpflichtungen ein. 

Was meinen Sie mit Verpflichtung?
Wir proben jeden Donnerstagabend. Das sind ca. 65 Einsätze im Jahr, wie kirchlichen Auftritte, goldene Hochzeiten oder Beerdigungen, die wir wahrnehmen. Es steht einiges auf dem Programm, wenn man bei uns Mitglied ist. 

Was wurde unternommen um neue Mitglieder an Bord zu holen? 
Wir haben Workshops durchgeführt, damit die Bevölkerung einen Einblick in unser Schaffen erhält. Wir haben uns dem Frauenchor gesanglich angenähert, indem wir gemischte Auftritte organisiert haben. Aber leider musste ich enttäuscht feststellen, dass das Projekt «Singen im gemischten Chor» gescheitert ist. Der Männerchor möchte nun Mal ein reiner Männerchor sein, und das muss ich so akzeptieren. Für mich ist es eine soziale Aufgabe und Freude, den Chor zu leiten. 
Gibt es für Sie ein Stichtag, an dem Sie den Dirigentenposten an den Nagel hängen werden? 
Ich drohe meinen Männern ab und zu, dass ich mein Dirigat in naher Zukunft beenden möchte. Aber jetzt einfach «das Handtuch» zu werfen, bringt mich und den MGV auch nicht weiter. Dieses Jahr wird erst mal gefeiert; dann sehen wir weiter. Wir finden mit Sicherheit eine gemeinsame Lösung, welche den Fortbestand des MGV-Kirchenchors

Wird der MGV-Kirchenchor Ruggell sein 120-Jahr-Jubiläum feiern können? 
Ich denke schon. Ein lieber Gesangsexperte sagte mal zu mir: «Wenn etwas Neues entstehen soll, muss zuerst etwas Altes sterben.» Was ich damit sagen möchte ist, dass der MGV-Kirchenchor wahrscheinlich in seiner jetzigen Form nicht mehr bestehen wird. Aber, es wird bestimmt eine neue Generation von Sängern und Sängerinnen geben, welche den Chorgesang in Ruggell weiterhin pflegen werden. 

16. Mai 2018 / 07:00
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