• 1980: Andi und Hanni Wenzel gewannen als bislang einziges Geschwisterpaar den Gesamtweltcup gleichzeitig.	Bild: Archiv
    1980: Andi und Hanni Wenzel gewannen als bislang einziges Geschwisterpaar den Gesamtweltcup gleichzeitig. Bild: Archiv

Planken – Klein aber absolut top

Aus der kleinsten Liechtensteiner Gemeinde, Planken, stammen die erfolgreichsten Liechtensteiner Olympioniken. Sieben der zehn Liechtensteiner Olympiamedaillen sind von Plankner Gemeindebürgern eingefahren worden.
Planken. 

Die Familie Wenzel sammelte in regelmässigen Abständen olympisches Edelmetall. Hanni Wenzel gewann 1976 Slalom-Bronze in Innsbruck; vier Jahre später 1980 in Lake Placid (USA) ging sie als erfolgreichste Olympiateilnehmerin hervor: Sie gewann dort zwei Mal Gold (Riesenslalom und Slalom) und Silber (Abfahrt). Jene Medaillen erhielt sie auch noch als WM-Medaillen ausgehändigt; dazu kam noch WM-Gold für die Kombination. Paraguay widmete der erfolgreichsten Olympiateilnehmerin aus Liechtenstein im Jahre 1980 eine Briefmarke.

Geschwisterpaar gewann den Gesamtweltcup
Im gleichen Winter 1979/80 gewannen zudem Hanni und Andi Wenzel den Gesamtweltcup. Das ist bislang einmalig im internationalen Skisport, dass ein Geschwisterpaar im gleichen Jahr diese Auszeichnung gewonnen hat. Neun WM-Medaillen sicherte sich Hanni Wenzel insgesamt; Bruderherz Andi gewann vier Mal WM-Edelmetall. Die beiden Geschwister haben in den letzten zwei Jahrzehnten zudem den Liechtensteinischen Skiverband LSV als Vorsitzende präsidiert. Die jüngere Schwester, Petra Wenzel (jetzt Walter-Wenzel), die an den Olympischen Spielen 1980 in Lake Placid sowie 1984 in Sarajevo teilnahm, blieb ohne Medaillengewinn, konnte sich im Weltcup indes in den Spitzenrängen klassieren. Auch ihre Tochter Jessica Walter, die eine Junioren-WM-Medaille gewann, startete an den Olympischen Winterspielen 2006 in Torino. Jüngstes Beispiel, die aus der Wenzel-Dynastie hervorging, ist Tina Weirather. Sie sicherte sich erst vor einem halben Jahr in Pyeonchang (Skor) Olympia-Bronze im Super-G. Sie gewann zuletzt zwei Mal in Folge die kleine Kristallkugel im Super-G-Weltcup. Ihre Karriere befindet sich derzeit auf dem Zenit.
Wohl deshalb ist die Familie Wenzel, die ursprünglich aus Bayern stammte und 1957 nach Liechtenstein übersiedelte, ein Paradebeispiel für Wille, Ehrgeiz, Verzicht, Leidenschaft und Leistungsbereitschaft.  «Bestimmt, es ist eine gewisse Hingabe und Ambition notwendig. Wir haben dank unserer Eltern, die Freude hatten, sich in der Natur zu bewegen, grosses Glück. Wir waren stets im Freien, agierten polysportiv. Wir nutzten die gesamte Freizeit. Als das Talent erkannt wurde und wir im Vergleich mit den Gleichalterigen sahen, dass wir mithalten können, haben wir die professionellen Formen intensiviert. Dank der Intensität folgte die Steigerung», erinnert sich Andi Wenzel an seine Jugendzeit.

Andi Wenzel: «Von nichts kommt nichts»
«Von nichts kommt nichts», jenem Leitsatz huldigten seine Elten wie auch andere Familien im Lande (Frommelt, Konzett). «Das haben alle konsequent verfolgt. Daraus resultierten die starken Leistungen, doch ohne Freude entsteht kein Erfolg. Und das hat mit dem Hirn zu tun, denn mit dem Erfolg fällt das Leben leichter», stellt Wenzel klar. Es gebe emotionale Statements, wie das jüngste Beispiel der deutschen Fussball-Nati zeige. «Wenn alle in guter Stimmung sind, sind die Glückshormone noch stärker. Damit schliesst sich dann der Kreis. Unser Talent war wichtig, doch wenn das Committment fehlt, bringt’s nichts. 15-jährig wechselten wir nach Stams (A) und zum Schweizerischen Skiverband», so Wenzel, der festhält, dass er mit elf Jahren Fussball spielen wollte. «Mein Vater erklärte mir, was nötig ist, damit Liechtenstein an einer WM mitspielt und riet mir, eher den Weg als Einzelsportler zu gehen. Ich durfte mit dem Rad zum Fussballtraining nach Schaan fahren und das drei Mal pro Woche. Er sorgte sich lediglich, als ich im November ohne Licht am Fahrrad heimfuhr, das sah er nicht gerne. Es war somit eine Entscheidung für das Gute», weiss Wenzel.

Jeden freien Nachmittag (Mittwoch, Samstag, Sonntag) fuhr die Familie gemeinsam zum Pizol, nach Malbun oder Flims zum Skifahren. «Der Vater verfolgte die Strategie, wie viel mag es leiden. Umso höher hat er die Anforderungen gestellt», weiss Andi, der jene Erfahrung auch als LSV-Verbandspräsident machte.  «Mit Committments entstehen Drucksituationen. Wichtig ist, mit Freude unter Druck Leistung zu zeigen; der Spass ist dabei das Grundprinzip. Die Konsequenz hat keinen Zwang verursacht», stellt Andi Wenzel heute klar, der aber weiss, dass es kein Patentrezept für den Erfolg gibt. «Der Sportler muss die Technik inuitiv beherrschen und das wirkt im Körper erst nach 10 000 Stunden Training», so Wenzel. Er ist davon überzeugt, dass die Eltern ihre Kinder auf den Weg vorbereiten müssen. «Danach müssen die Kinder den Weg selbst gehen. Ohne jene Vorgehensweise kommt keiner durch. Diese Phase dient auch der Persönlichkeitsentfaltung», ist Wenzel überzeugt.

Geissmann, der erfolgreichste FL-Schütze
Das Angebot an Sportarten in Planken ist arg eingeschränkt. Die meisten Athleten schlossen sich einem Verein im Lande an. Wie auch der beste Schütze, den Liechtenstein herausbrachte, Oliver Geissmann, der drei Mal an Olympische Spiele geschickt worden ist.  In Peking (Chi) 2008 gelang ihm kein Wettkampf nach Mass: Rang 34 mit 588 Ringen. Vier Jahre zuvor in Athen hatte er mit 591 Zählern Rang 22 belegt. In jenem Jahr ist er auch zu Liechtensteins Sportler des Jahres gewählt worden. Seinen Olympiaeinstieg hatte er bei der Jahrtausendwende 2000 in Sydney (Aus), wo er Rang 41 belegt hatte (582 Punkte). Er war zudem Liechtensteins Fahnenträger.

Derzeit wächst eine Eiskletterer-Generation heran (das «Vaterland» berichtete am Montag). Ein Pionier im Deltasegeln ist Toni Mähr. «1976 haben wir den Deltaklub Vaduz gegründet. Ich bin in diesem Jahr schon 45 Jahre in der Luft», erzählt Toni Mähr, der davor während zwei Jahren Fallschirmspringer gewesen war und als Herr der Lüfte gilt. «The air is not the limit, it’s my playground (die Luft ist nicht das Limit, es ist meine Spielwiese)», nennt Toni Mähr seine Leidenschaft in der Luft. Und gibt damit ein Stichwort, das sinnbildlich für Planken steht: «Wir sind eine luftige Gemeinde. Zwölf Aktive gingen aus 370 Einwohnern hervor und sind in jener Hinsicht Weltmeister.» Für Toni Mähr ist das kleine Planken Weltmeister in der Aviatik. Herbert Weirather (Akropilot), Tom Weirather (Drohnen), Harti Weirather (Brevet für Helikopter und Kleinflugzeuge) fühlen sich wohl in der Luft. Fredi von Bünzinslöwen war ein Ultralight-Pilot, der in Deutschland motorisierte Deltas flog. Der aktive Gleitschirmpilot Frank Wilke wohnt seit kurzer Zeit in Mauren. Heinz Allenspach (Motorflugpilot) überführte in früheren Jahren Motorflugzeuge. Manfred Wanger (Gyrokopter) pilotierte einen Einmannhubschrauber und Barbara Walch besitzt ebenfalls das Motorflugbrevett.

Gemeinde Planken
Einzelsportler, aktuell: Tina Weirather (Ski Alpin).  Toni Mähr (Deltafliegen). Lea Beck (Eisklettern). Linus Beck (Eisklettern. , Lukas  Beck (Eisklettern). Andreas Gantner (Eisklettern). Florian Gantner (Eisklettern). Rüdiger Hermann (Deltafliegen). Ehemalige: Hanni Weirather-Wenzel (Ski alpin). Andreas Wenzel (Ski alpin). Jessica Briker-Walter (Ski alpin). Petra Walter-Wenzel (Ski alpin). Oliver Geissmann (Schiessen). Bettina Mähr (Volleyball). Hubert Beck (Deltafliegen). Christian Beck (Deltafliegen). Hans Risch (Ballonfahrer). Verein: Turnverein Planken. Olympiamedaillengewinne. Hanni Wenzel (4): Bronze im Slalom 1976 Innsbruck (A). Gold im Riesenslalom 1980 in Lake Placid (USA). Gold im Slalom 1980 in Lake Placid und Silber in der Abfahrt in Lake Placid 1980. Andreas  Wenzel (2): Silber im Riesenslalom 1980 in Lake Placid (USA). Bronze im Riesenslalom 1984 in Sarajevo (Jug). Tina Weirather (1): Bronze im Super-G 2018 in Pyeongchang (Skor).

11. Sep 2018 / 11:56
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