• Anita Dudler und Konrad Rössler bewirten nun die sechste Saison die Gafadurahütte. Für sie ist es eine grosse Leidenschaft.

Mit Herzblut Wirte in luftiger Höhe

Für Anita Dudler und ihren Lebenspartner Konrad Rössler ist es nun die sechste Saison, in der sie auf Gafadura die Hütte bewirten. Das bedeutet: Strenge und lange Sommertage anstatt Hüttenromantik. Allerdings fehlt ihnen das Wirte-Herzblut auch in der strengsten Zeit nicht.

Gut gelaunt stellt Anita Dudler das volle Tablett auf den Tisch und bedient die Gäste mit zwei Krügen Eistee und einem alkoholfreiem Weizenbier. «Zum Wohl», sagt sie noch bevor die Wandergesellen ihren Durst hastig stillen. Hastig läuft auch die Gafadura-Wirtin wieder in die Küche hinein, am Tisch nebenan haben Gäste Kuchen bestellt. Sieht nach einem stressigen Alltag aus – «ist es auch», bestätigt Anita Dudler, nachdem sie die georderten Linzertorten-Stücke aufgetischt hat. Allerdings sei es ein Stress, den sie gerne ertrage – «ich stecke mein ganzes Herzblut in diese Arbeit», sagt sie. Damit ist sie nicht alleine: Auch Lebenspartner Konrad Rössler liegt das Wirten auf der Gafadurahütte sehr am Herzen. «Mit nichts würde ich tauschen», ruft er von der Küche heraus. Er ist verantwortlich für die leckeren Schwingerhörnli, das Hexenrösti und all die weiteren Köstlichkeiten, die es auf Gafadura zu schlemmen gibt.

Vom Stress und Arbeitstempo übermannt
Während der Gafadura-Saison beginnt Anita Dudlers Tag um zirka 5.30 Uhr in der Früh mit aufstehen, duschen und einem gemeinsamen Frühstück mit ihrem Lebenspartner. Mit Brot und Kaffee gestärkt, bereitet sie das Frühstück für die Übernachtungsgäste vor. Danach heisst es abräumen, abwaschen, Tische putzen, während Konrad Rössler sich in der Küche für die Mittagessen bereit macht und zudem Brot backt. Steht ein Einkauf auf dem Programm, beginnt Anita Dudlers Tag noch früher. Dann fahre sie bereits kurz nach 6 Uhr los Richtung Tal, das Auto vollgeladen mit Bettwäsche, die sie in ihrer Wohnung in Schaan wäscht – eine Waschmaschine auf der Hütte gibt es nicht. «Alles eingekauft, gewaschen und erledigt geht es gegen 11 Uhr wieder hoch nach Gafadura. 
Unterstützt wird das Wirte-Paar von zwei Angestellten. Eine Mitarbeiterin hilft in der Küche mit, die andere greift Anita Dudler im Service unter die Arme. Anita Dudler ist froh um die beiden – «es ist grundsätzlich sehr schwierig, Personal zu finden», sagt sie. Viele würden sich schnell einmal überfordert fühlen. «Die Leute kommen mit der romantischen Vorstellung, gemütlich auf einer Hütte zu arbeiten und werden dann vom Stress und dem Arbeitstempo komplett übermannt.» So richtig stressig wird es nämlich in der Mittagszeit so zwischen 11 und 14.30 Uhr, bevor die Kaffe- und Kuchenzeit kommt. Und wenige Stunden später steht dann auch schon wieder das Abendessen auf dem Programm. «An schönen Sommerabenden kocht Konrad bis etwa 21 Uhr», erzählt Anita Dudler. Von gemütlichen Abenden für das Wirte-Paar kann da also keine Rede sein. Auch dann nicht, wenn die letzten Gäste gegangen sind. Am selben Abend rechnet Anita Dudler die Tageseinnahmen ab. Zusammen mit Konrad Rössler gibt es dann noch einen Rundgang, auf welchem die beiden kontrollieren was fehlt und dringend eingekauft werden muss. Gegen 24 Uhr gibt es für sie dann aber nur noch einen Gang – und zwar den ins Bett. «Dann weiss man nicht nur was man den ganzen Tag über getan hat, man merkt es auch deutlich.» Sie seien beide glücklicherweise bei guter Gesundheit, sagt die Wirtin und klopft auf Holz. 

Einbrecher hinterlassen Chaos auf Gafadura
Es ist nun die sechste Saison, in der Anita Dudler und Konrad Rössler die Gafadurahütte bewirten und beim Alpenverein in Pacht sind. «Diesen Entscheid habe ich noch nie bereut», sagt die Wirtin. «Nicht einmal in den stressigsten Zeiten.» Im Gegenteil: «Ich wünsche mir noch etliche schöne Sommer auf Gafadura.» Auf einer Hütte zu leben und Gäste zu bewirten, war für Anita Dudler nicht ganz unbekannt. Bereits 2003 und 2004 arbeitete sie als Hüttenhilfe auf der Pfälzerhütte mit Elfriede Beck als Wirtin. «Da entstand bei mir der Wunsch, selber einmal eine Hütte zu bewirten.» Und es kam wie es kommen musste: Anita Dudler lernte Konrad Rössler kennen – ein Mann, der mit dem genau gleichen Gedanken spielte. So haben die beiden Nägel mit Köpfen gemacht und sich als Pächter beim Alpenverein beworben – und die Pacht schliesslich bekommen. Gut gestartet, mussten sie nach der ersten Saison eine unschöne Entdeckung machen, als sie im Januar hochfuhren, um nach dem Rechten zu schauen: In die Hütte wurde eingebrochen. «Weder Lebensmittel oder Alkohol, noch sonst etwas haben die Täter mitgenommen – aber alles schrecklich verwüstet.» Den Tresor hätten sie aufgebrochen – allerdings nichts darin gefunden. Erwischt hat man die Strolche nie – weder diese noch andere sind aber auch nie mehr gekommen und so blieb es für das Wirte-Paar bislang der einzige Einbruch. «Gottseidank», sagt Anita Dudler. So sind doch gleich jede Menge Unannehmlichkeiten damit verbunden, auch wenn nichts gestohlen wurde. 

Vorfreude auf die nächste Saison
Verwöhnt von einem traumhaft schönen Sommer hofft das Wirte-Paar nun auf einen schönen September – «dann wäre es dieses Jahr die beste Saison gewesen seit wir hier sind.» Vergangenes Jahr war es genau der September, den es verregnete. Weil das Wetter in diesem Sommer beständig war, hätten sich die Gäste den Tag und die Wochen über schön verteilt. «Das macht die Arbeit gleich viel angenehmer.» Im Juli feierten Anita Dudler und Konrad Rössler gemeinsam mit Wanderern und Bikern ein grosses Jubiläum: 50 Jahre Gafadurahütte. Der Liechtensteiner Alpenverein hatte die Hütte damals gekauft und als einfache Verpflegungs- und Unterkunfthütte wurde sie am 7. Juli 1968 eröffnet. Anita Dudler blickt gerne auf den Jubiläumstag vor ein paar Wochen zurück: «Es gab eine Sternenwanderung, ein offizieller Festakt und gemütliches Beisammensein mit Musik – schön wars!» 
«Schön wars» wird Anita Dudler auch in knapp sechs Wochen sagen, wenn die Gafadurahütte am 21. Oktober für diese Saison schliesst. «Einerseits freue ich mich dann immer auf ein bisschen Ruhe im Winter.» Andererseits kehre sie auch mit einem weinenden Auge ins Tal zurück. Allerdings erst wenn die Hütte bis in den hintersten Winkel sauber geputzt ist. «Dafür rechnen wir im Herbst ungefähr eine Woche ein.» So liegt noch ein bisschen Arbeit vor Anita Dudler und Konrad Rössler. Sie packen jedoch gemeinsam an. Angetrieben von den Besuchen und den netten Gesprächen mit ihren Gästen. Und motiviert von der Vorfreude, nach ein paar ruhigeren Monaten nächstes Jahr im Mai die Türen der Gafadurahütte wieder aufschliessen zu können. «Mit ebenso viel Elan und Herzblut.» (bfs)
 

10. Sep 2018 / 07:00
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