•  (Daniel Schwendener)

«Wir sind eine innovative Gemeinde»

Anlässlich der Gemeindewoche in Gamprin-Bendern äussert sich Vorsteher Donath Oehri im Interview zu Themen wie die aktuelle Verkehrsproblematik, die Entwicklungen in der Spitaldiskussion und gibt einen Einblick in seinen privaten Alltag.

Herr Vorsteher, letzte Woche konnte man Sie bei der Grossabünt beim Frühschwimmen antreffen. Ist das im Sommer Ihr Morgenritual? 
Donat Oehri: Unter der Woche trifft man mich beim Frühschwimmen morgens um 6 Uhr und am Wochenende etwas später, nach 7 Uhr an. Momentan ist für mich eine intensive Zeit, da ich zwei Mal in der Woche morgens um 6 Uhr Gesangsprobe habe mit dem Männerquartett, dann gehe ich zweimal um 7 Uhr noch ins Fitness – also volles frühmorgendliches Wochenprogramm. Aber ich bin ein absoluter Frühaufsteher und somit kriege ich alles ohne Probleme unter einen Hut. 


2011 wurde die Sport- und Freizeitanlage Grossabünt im Rahmen eines feierlichen Eröffnungsakts eingeweiht. Welche Beziehung haben Sie zur Grossabünt? 
1995 wurde ich als Vorsteher gewählt und in Gamprin-Bendern gab es damals praktisch keine Sportplätze. Bis die Sport- und Freizeitanlage eröffnet wurde, gab es eine lange Vorlaufzeit und einen grossen Entwicklungsprozess. Wir haben zusammen mit der Bevölkerung die Bedürfnisse in Workshops evaluiert und schliesslich geplant und wir mussten, auch nach der Eröffnung der Anlage, Erfahrungen sammeln. Durch diesen intensiven und langen Prozess ist die Anlage für mich fast wie zu einem eigenen Kind geworden, in dem viel Schweiss und (Denk-)Arbeit steckt. Es gab auch schwierige Situation zu überwinden, aber die ganze Arbeit hat sich gelohnt, denn für die Bevölkerung ist die Anlage ein grosser Mehrwert. Es gab Stimmen, die nicht verstehen konnten, warum wir keinen Eintritt für die Anlage verlangen. Das würde sich finanziell gesehen gar nicht rentieren. Rein vom Image hat uns die Sport- und Freizeitanlage sehr viel gebracht. Wir werden als innovative Gemeinde wahrgenommen und das sind Werte, die man nicht in Zahlen beziffern kann.

Obwohl sich der Grossteil der Bevölkerung durchaus positiv zur neuen Attraktion geäussert hatte, gab es Anwohner, die sich aufgrund des erhöhten Lärmpegels und der nicht zufriedenstellenden Parkplatzsituation verärgert gezeigt haben. Wie ist das heute? 
Klar mussten wir anfänglich unsere Erfahrungen mit der Anlage sammeln und an gewissen Schrauben noch drehen. Wir haben Massnahmen ergriffen, gewisse Abschirmungen eingebaut und ein Nachtbetretungsverbot erlassen, da sich nachts Personen beim Badesee aufhielten. Auch die Parkplatzsignalisierung wurde verbessert, da zu Beginn viele Besucher fünf Mal um die ganze Gemeinde fuhren, weil sie nicht wussten, wo die Anlage ist und wo es Parkierungsmöglichkeiten gibt. Es wurden auch Parkzonen eingerichtet. Heute sind es 60 Parkplätze bei der Grossabünt, die den Besuchern zur Verfügung stehen; aber beim Gemeinde- und Vereinshaus hat es genügend weitere Parkplätze. Durch die Parkplatzsituation kommen zum Glück auch viele Personen mit dem Fahrrad oder dem Bus. 


Welche Themen rund um die Gemeinde beschäftigen Sie aktuell als Gemeindevorsteher? Ich nehme an, die Verkehrssituation?
Wir wissen eigentlich, wie man die Verkehrsprobleme lokal in Bendern lösen muss, aber schlussendlich hängt es auch mit den anderen Gemeinden zusammen. Nicht nur das ganze Unterland, sondern auch Schaan und auch der Autobahnanschluss sind dabei zu berücksichtigen. Und da sind wir dabei – mit dem Entwicklungskonzept Liechtensteiner Unterland und Schaan, welches gerade gestern Abend ein erstes Mal mit der Bevölkerung diskutiert wurde. Der Verkehr ist natürlich ein Dauerthema. Grundsätzlich sind es die Landstrassen, die Probleme bereiten und deswegen auch vom Land behoben werden müssten. Es geht aber auch nicht, dass wir Unterländer Gemeinden den Schwarzen Peter nach Vaduz schieben und einfach eine Lösung fordern. Aber auch umgekehrt können die Gemeinden die Probleme nicht alleine lösen. Es geht nur, wenn wir zusammen alle an einem Strang ziehen. Schlussendlich wissen wir Unterländer bzw. Gampriner am besten, was Sache ist. Wir kennen jeden Winkel unserer Gemeinde. Vaduz muss einfach mitmachen und mithelfen.


Stichwort Medicnova: Mit welchem Gefühlen verfolgen Sie die aktuellen Entwicklungen in der Spitaldiskussion?
Wir von der Gemeinde Gamprin haben im Sinne der diversen Studien der früheren Regierungen ihren Arbeitsstandort in Bendern sukzessive diversifiziert. Ebenfalls diesen Regierungsstudien folgend, die besagten, dass Liechtenstein am zukunftsträchtigen Gesundheitsmarkt teilhaben sollte, haben wir, wie erwähnt, bereits zwei Kliniken angesiedelt, damit in diesem Bereich möglichst viel Wertschöpfung im Land Liechtenstein bleibt. Die Gemeinde  ist insbesondere als Baurechtsgeberin von der anstehenden Thematik direkt betroffen und wir haben die öffentlichen Diskussionen und Auseinandersetzungen in den letzten Monaten und Jahren natürlich mit grosser Sorge beobachtet und bedauert. Für uns ist es wichtig, dass die Thematik nachhaltig und zukunftsgerichtet gelöst wird. Hier geht es nicht um «Örtligeist», es geht nicht um «Oberland oder Unterland», es geht nicht um persönliche Befindlichkeiten und es geht auch nicht um Prestige, sondern um die bestmögliche Lösung. Sollte sich das bestehende Gebäude der Medicnova als bester Standort für ein Landesspital herausstellen, dann soll diese Lösung umgesetzt werden und ist dies ganz im Sinne der Gemeinde Gamprin-Bendern. Grundsätzlich sind wir natürlich offen. Es muss hier aber nochmals auf die Umstände hingewiesen werden, wie im Vorfeld der Spitalabstimmung im Jahre 2011 unter anderem in einer unglaublichen Neid- und Missgunstdebatte ein Neubau verunmöglicht wurde. Man hat die Ärzte als als Abzocker beschimpft und ausgerufen, dass man denen nicht «auch noch eine Werkstatt bauen» müsse. Dass diese Ärzte nach der Ablehnung des Landesspitals konsequenterweise die Eigeninitiative ergriffen haben, war dann wiederum nicht recht. Mittels dem von höchsten politischen Ebenen und unter Bedienung und Mithilfe der Medien betriebenen Bashing wurde die Bevölkerung geradezu in eine Richtung manipuliert. Dieser Umgang geht leider bis zum heutigen Tage weiter. Neid und Missgunst sind einfache Mittel der Politik, um auf populistischem Wege Zustimmung zu suchen. Leider wird damit ein konstruktives Gestalten sowohl im Sinne einer florierenden Wirtschaft als auch eines starken Gesundheitswesens verunmöglicht. Mit Neid, Missgunst und Kleingeist ist kein Staat zu machen. Ich fürchte, dass die Politik die Geister, welche sie rief, nicht mehr 
loswird. Wenn weiterhin diese und ähnliche Methoden angewendet werden, kriegen wir in Liechtenstein gar nichts mehr auf die Reihe und werden gerade im Gesundheitsmarkt völlig abseits stehen. Ein nationaler Konsens scheint leider nur mehr schwer möglich zu sein. Das ist sehr schade. (nb)

Das ganze Interview gibt es in der Print- und ePaper-Ausgabe des «Liechtensteiner Vaterlands» von Dienstag, 26. Juni. 

 

26. Jun 2018 / 07:00
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