• Das «b_smart»-Hotel in Bendern.  (Tatjana Schnalzger)

Wenn weniger mehr ist

Mit einem Hotellerie-Konzept, das zu traditionellen Vorstellungen bewusst Distanz hält, hat «b_smart» 2014 den Markteintritt gewagt. Vier Jahre später hat das Unternehmen mit Sitz in Bendern-Gamprin eine beachtliche Entwicklung hinter sich.

Wie manche gute Idee nahm auch jene für «b_smart selection» bei einem Feierabendbier ihren Anfang. Weshalb, diskutierten zwei Freunde vor einigen Jahren, übernachten Geschäftsleute, die in Liechtenstein zu tun haben, oftmals im benachbarten Ausland? Was wäre nötig, um ihnen ein Bleiben schmackhaft zu machen? Und könnte hier womöglich gar ein interessantes Geschäftsfeld warten?
Offenkundig ja. Schon bald stellten die beiden mit weiteren Mitstreitern vertiefte Projektrecherchen an. Eine zentrale Erkenntnis, die sich schnell herauskristallisierte: Das Preis-Leistungs-Verhältnis in der hiesigen Hotellerie wäre der Punkt, an dem es anzusetzen gilt.

Der andere Blick der Quereinsteiger
Was sie dann auch taten. «Wir hatten nicht die Absicht, das Rad neu zu erfinden. Aber wir haben angefangen, die Dinge zu hinterfragen», erinnert sich Tamara Weishaupt, die in jenem frühen Stadium dazustiess und heute für Marketing und Kommunikation des Unternehmens zuständig ist. Wo sind Einsparungen möglich, die es erlauben, den Kunden einen besseren Preis anzubieten? Was braucht ein primär auf Geschäftsreisende ausgerichtetes Hotel? Was nicht? Stein um Stein wurde umgedreht, nichts von vornherein ausgeschlossen. Als Gruppe von Quereinsteigern, die ihren Blick von aussen auf die Branche richten konnten, sei ihnen dieser Prozess sicher leichter gefallen, glaubt Weishaupt. Erst später wurde auch ein Branchenexperte hinzugezogen.
Was die rauchenden Köpfe so letztlich gebaren, war das «b_smart»-Konzept. Eine Idee, die sich sowohl auf Hotel- wie Motelbetriebe anwenden lässt und durchaus auf den Betrieb mehrerer Häuser ausgelegt ist. Zu deren elementaren Wesenszügen gehört etwa, dass eine Immobilie nur gepachtet wird. «Dadurch fallen die Investitionen natürlich geringer aus», so Weishaupt.
Weniger Ausgaben bedeutet auch die Bevorzugung sogenannter B-Lagen – Standorte, die eher etwas abseits, beispielsweise in einem Industriegebiet, liegen. Das, erklärt Weishaupt, korrespondiere zudem oft mit den Bedürfnissen der Geschäftsleute. «Ihnen ist die Umgebung der Unterkunft vielfach nicht so wichtig. Dafür gewichten sie andere Dinge höher, etwa eine schnelle Autobahnanbindung.»
Auch ein drittes zentrales Merkmal der Konzeption dient dem Streben des Betreibers nach Kostenreduktion wie der Erfüllung der Bedürfnisse von Businessreisenden: Mit dem Prinzip des «Self Check-in» wird eine Rezeption überflüssig. Die Gäste wiederum erfahren dadurch, dass sie rund um die Uhr, spontan und schnell ein Zimmer buchen können, «mehr Freiheit und Unabhängigkeit», so Weishaupt. Bei Fragen oder Problemen, betont sie, stünden die Mitarbeiter des Büros in Bendern den Kunden freilich 24 Stunden am Tag zur Verfügung. Auch Reservierungen für die einzelnen Häuser werden im Sinne der Zentralisierung dort bearbeitet, notwendige Arbeiten von dort aus koordiniert. Das Büro als Kommandozentrale.
Die Verringerung des Personals und des Services vor Ort zeigt sich neben der fehlenden Rezeption noch an anderer Stelle. Die innerbetriebliche Gastronomie spielt ebenso eine untergeordnete Rolle und beschränkt sich in der Regel auf ein Frühstücksangebot. Allerdings werde bereits bei der Standortsuche darauf geachtet, dass sich in der Nähe auch das eine oder andere Restaurant oder ein Supermarkt befinde, sagt Weishaupt.

Sevelen als ideales Pilotprojekt
In die Tat umgesetzt wurde das Konzept ein erstes Mal in Sevelen. Seit Mai 2014 stehen den Gästen im dortigen Motel acht Zimmer zur Verfügung. «Mit diesem kleinen Betrieb zu starten, war für uns sehr wertvoll», erklärt Weishaupt. «So hatten wir einen idealen Rahmen, um Erfahrungen zu sammeln.»
Knapp zwei Jahre später, im April 2016, eröffnete in Gamprin-Bendern das zweite Haus, das guten Gewissens als Herzstück und Flaggschiff des Unternehmens bezeichnet werden darf. Das Hotel wurde schliesslich zugleich zum Firmensitz auserkoren. Zudem ist es mit der stattlichen Zahl von 57 Zimmern bis heute der grösste Betrieb im «b_smart»-Portfolio und weist als solcher einige Eigenheiten auf. Dazu gehört neben einem Fitness- und Wellnessbereich auch eine eigene Gastronomie mit Barbetrieb und warmer Küche. An den Drinks und den Speisen sollen sich natürlich die Hotelgäste gütlich tun. Das Angebot richtet sich aber auch  an die Menschen draussen, die Einheimischen, sagt Tamara Weishaupt: «Wir wollen Leben ins Haus bringen.»
Viel Leben herrscht definitiv im gesamten Unternehmen. Seit 2014 befindet es sich kontinuierlich auf Wachstumskurs. Gegenwärtig ist die «b_smart selection» Anstalt an fünf Standorten präsent und beschäftigt über 30 Mitarbeiter. «Unsere Erfahrungen in Sevelen zeigten, dass sich vor allem das Motel-Konzept vervielfältigen lässt», so Weishaupt. Entsprechend wurden in Basel (18 Zimmer, August 2017) und Landquart (20 Zimmer, Mai 2018) weitere Betriebe dieses Typs eröffnet.
Die Hotelschiene geriet deswegen freilich nie aus dem Blick. Im April dieses Jahres übernahm «b_smart selection» das Hotel Meierhof (43 Zimmer) in Triesen, wo auf Übernachtungsgäste auch eine kleine Speisekarte und eine Bar wartet, wie Weishaupt erzählt. «Vom Umfang her», ergänzt sie, «ist das natürlich nicht mit unserem Angebot in Bendern vergleichbar.» Auch die Wiederbelebung des Hotel Vaduzerhof (35 Zimmer) ist bereits beschlossene Sache und befindet sich derzeit – ohne genau definierten Eröffnungszeitpunkt – in Umsetzung.

Ein neuer Geschäftszweig
Darüber hinaus hat das Unternehmen sein Konzept mittlerweile um einen Geschäftszweig erweitert. Unter dem Label «b_smart services» werden Betrieben, die das «Self Check-in»-System übernehmen wollen, Beratungen angeboten. «Es besteht aber auch die Möglichkeit, dass wir das ‹Self Check-in› in einem Hotel übernehmen und – wie bei den eigenen Häusern – von unserem Benderer Büro aus betreuen», so Weishaupt. Besagte Büros, auch das ist ein Effekt des Wachstums der letzten Jahre, befinden sich im Übrigen seit geraumer Zeit nicht mehr im Hotel, sondern im nebenan gelegenen Haus Atzig. «Es wurde einfach zu eng», erzählt Weishaupt. «Wir brauchten etwas Grösseres.»
Für die nähere Zukunft sollten die neuen Räumlichkeiten ausreichend sein. Das Geschäft laufe gut, sagt Tamara Weishaupt. Neue grosse Projekte befänden sich derzeit aber nicht in der Pipeline. Noch nicht. Das nächste Feierabendbier kommt bestimmt. (ob)

26. Jun 2018 / 08:00
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