• Herbert Ospelt Anstalt in Bendern
    Auch heute noch lässt sich Firmengründer Herbert Ospelt gerne beim morgendlichen Kaffee von seinem Sohn und Verwaltungsratspräsidenten Alexander Ospelt über den Geschäftsgang informieren.  (Daniel Schwendener)

Von Snacks, Visionen und einem Zufall

Getrieben von seiner Idee, die Fleischproduktion zu industrialisieren, hat Herbert Ospelt eine der traditionsreichsten Firmen im Land geschaffen. Er und sein Sohn, Firmenchef Alexander, erzählen von den Anfängen als kleine Metzgerei bis hin zur Ära «Malbuner».

Herbert Ospelt sitzt an einem runden Tisch im Ospelt-Gebäude und trinkt seinen allmorgendlichen Kaffee. Die Brille mit den dicken Gläsern sitzt auf der Nase, der Blick – anstatt wie erwartet in eine Zeitung – in sein iPhone gerichtet. Ganz klar: Ein Mann, der mit der Zeit geht – auch noch mit 90 Jahren. Vielleicht war das sein Erfolgsgeheimnis. Nie zu rasten, um nicht zu rosten.

In jungen Jahren, so erzählt er, habe er als Metzger im Familienbetrieb in Vaduz seine Lehre gemacht. «Damals ging ich noch von Haus zu Haus und verkaufte Würste. Eine sechsköpfige Familie konnte sich vielleicht knapp ein Paar Würste leisten», erinnert sichHerbert Ospelt. Wenn man das alles erlebt habe – die Automatisierung und die Digitalisierung –werde einem der riesige Wandel überhaupt erst klar.

«Rezepturen waren mein Hobby»
«Siehst du, so habe ich angefangen», sagt der Mann, der landesweit bekannt ist als«Onkel Herbert». Er zeigt auf ein Bild seiner ersten Metzgerei-Filiale in Vaduz, die er von seinem Vater 1957 erworben hat. Kurz darauf folgte eine weitere Liegenschaft in Vaduz, ein Imbissladen – gleich beim Busparkplatz beim Rathaus. Die Touristen-Scharen, die mit Cars anreisten, hatten schliesslich Hunger.

Doch die zwei Filialen genügten ihm nicht: «Herbert wollte mit seinen Produkten auch Migros und Coop beliefern können», wirft sein Sohn Alexander ein. Damals sei es den verschiedenen Läden – etwa in Buchs oder in Grabs – noch möglich gewesen, selbst zu entscheiden, welche Produkte ins Regal kommen. «Das Beliefern der Läden war bereits ein Schritt in Richtung seiner Vision der Industrialisierung», so Alexander Ospelt. Damit war Herbert Ospelt wohl eine der ersten Personen im Land, die Industrialisierung bereits damals als Chance sah. «Er hat sich immer gefragt: ‹Wen kann ich noch bedienen?›», so Alexander Ospelt.
Onkel Herbert ergänzt: « Ich hatte das grosse Glück, dass mein Vater mich mein Ding machen liess. Ich durfte die Fleischerschule besuchen und bin anerkannter Metzgermeister.» Grundlegend für seinen Erfolg sei natürlich gewesen, dass er damals ein grosses Wissen in der Fleischveredelung- und Verarbeitung gehabt habe. «Rezepturen waren mein Hobby», erzählt er mit einem spürbaren Stolz. Das Know-how, so scheint es, war ein wichtiger Faktor für seinen Erfolg. Und dieses holte er sich etwa auch auf Reisen in Amerika und Europa. «Einst bin ich sogar in Brandenbrug, im Institut für angewandte Eiweissforschung, gewesen», erzählt er in Erinnerungen schwelgend. Anekdoten hat Onkel Herbert alleweil genug zu erzählen.

War Fleisch schon länger Herbert Ospelts Metier, widmete er sich dann auch der Verpackung. «Dazumal waren es noch Blechdosen. Ich wollte aber frauenfreundliche, leicht zu öffnende und gut zu entsorgende Dosen herstellen», so Herbert Ospelt. «Stimmt’s Alex, in Sachen Aludosen waren wir Pioniere?», fragt er seinen Sohn. Auch die Sterilisation hat Herbert Ospelt wohl revolutioniert – keine Fabrik in der Schweiz hatte so ein modernes Verfahren mit Überdruck wie die der Ospelts. «Herbert hatte schon immer Visionen. Er hat sich nicht mit dem Bestehenden zufrieden gegeben», merkt Alexander Ospelt an. Zehn Jahre nach dem Kauf der Filiale in Vaduz erfolgte ein weiterer Meilenstein: Herbert Ospelt plante die erste grosse Fabrik in Bendern – samt Schlachthaus. «Für die damaligen Verhältnisse war das eine riesige Fabrik», erklärt Alexander Ospelt.

Doch  welche Vorteile brachte der neue Standort in Bendern überhaupt? «Der grosse Vorteil war, dass wir uns in diesem Gebiet entwickeln konnten, weil es noch Land rundherum hatte», erklärt Alexander Ospelt. Dadurch hatte sich die Firma sukzessive weiter entwickeln können. Doch der Standort hatte vor allem zu Beginn auch eine Kehrseite der Medaille: In die gesamte Infrastruktur musste viel Kapital investiert werden: Wasser- und Stromleitungen waren damals noch keine gelegt.

Ein Zufall führte zu «Malbuner»
Malbun ist ein besonderer Ort für Herbert Ospelt. «Dort bin ich immer gerne gewesen, wenn ich zum Beispiel Skirennen gefahren bin», erklärt er. 1971 entstand dann durch einen glücklichen Zufall die Marke «Malbuner». «Die Migros hat mich einst angefragt, ob ich ihnen Konservenfleisch liefern könnte. Denn bei der italienischen Marke ‹Simmenthal› gab es einen Lieferausfall», erzählt er. Herbert, der die Chance erkannte, stimmte zu. Doch ein Markenname musste her: «Mir schwebte so etwas wie ‹Saminataler› vor», erzählt er. Doch das war aus markenrechtlichen Gründen der italienischen Fleischmarke «Simmenthal» zu ähnlich. Kurzerhand beschloss Herbert Ospelt, seine Fleischmarke nach seinem Lieblingsort zu benennen: «Malbuner» war geboren. Später ist dann der Slogan «Mal besser» hinzugekommen.

Mit beiden Armen voll «Malbuner»-Produkten kommt Alexander Ospelt vom Fabrikladen zurück an den Tisch. An Ideen scheint es der Firma nicht zu fehlen – das Sortiment ist gross. Vom Aufschnitt zum kleinen Landjäger bis hin zu den runden «Liechtensteinerli», also kleine Fleischkäse-Kügelchen im Plastikbecher, gibt es alles. Jedes winzige Stück Fleisch, oder jeder «mundgerechte Happen», wie es Alexander Ospelt nennt, jeweils in die markante rote Plastik-Verpackung gehüllt. In Snacks sieht der Unternehmer die Zukunft. «Man soll es auspacken und unterwegs den Hunger stillen können, ohne fettige Finger zu bekommen», erkärt er und öffnet ein Malbuner Pocket-Sandwich – der neuste Streich der Firma. Die Idee dafür  habe er an der Tankstelle bekommen: Allerlei Süsswaren, Schokoriegel und Gummibärchen  gibt es an der Kasse zu kaufen, doch praktisch nichts Salziges. Das Pocket Sandwich sollte diese Lücke füllen. Alexander Ospelt versucht – ganz wie sein Vater – sich den aktuellen Bedürfnissen der Kunden anzupassen.

Die Krux mit der Verpackung
Doch was, wenn das Bedürfnis nach Fleisch gar nicht mehr so hoch ist wie früher? Statistiken beweisen, dass der Fleischkonsum immer mehr zurückgeht –vegetarisch oder gar vegan zu leben, boomt. Und von Plastikverpackungen gar nicht zu reden – kein anderes Material hat derzeit einen schlechteren Ruf. «Wir wollen auch für die Kunden, die kein Fleisch essen, da sein. Deshalb produzieren wir fleischlose Produkte unter den Marken von Coop und Migros», erklärt Alexander Ospelt.  Verpackungstechnisch hat Herbert Ospelt eine Vision: «Irgendwann sollte es möglich sein, die Verpackung aus natürlichen Stoffen herzustellen, um auf Plastik und Alufolie zu verzichten.» Im Kopf des Firmengründers läuft die Suche nach neuen Ideen immer weiter und neue Visionen gibt es durchaus – auch wenn in der Zwischenzeit sein Sohn Alexander die Fäden in der Hand hat.

Während Alexander nach dem Gespräch bereits wieder in seine nächste Telefonkonferenz muss, zeigt Onkel Herbert stolz sein Elektroauto, das auf dem Firmenparkplatz steht, steigt ein und düst davon.
Ganz klar, ein Visionär der eben an die Zukunft glaubt. (rar)

29. Jun 2018 / 05:00
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