Sagenhaftes – Erzähltes – Geschriebenes

«Das waren für mich lange Zeit zwei Dörfer im Unterland. Mehr nicht. Dort lebten die Gamprinerinnen und Gampriner, ganz egal aus welchem der beiden ‹Halbdörfer› sie kamen», so der Sagenerzähler Herbert Hilbe.

So beginnt bei mir die Erinnerung an diese alten Dörfer ziemlich spät, und zwar mit einem Schellenberger. In der Kaufmännischen Berufsschule in Buchs unterrichtete Felix Hassler in Französisch. Drei Jahre lang begleitete er uns als Lehrer und Freund. So umstritten er in Liechtenstein war, so liebten wir ihn. Die Stunden bei ihm waren immer ereignisreich: Mit einem späteren Präsidenten des Fussballverbands legte er sich mit gegenseitigen Fusstritten in des andern Hintern an. Zu einem späteren Landtagsabgeordneten und Parteipräsidenten meinte er: «Schaut einmal, der schläft wie ein Hase mit offenen Augen.» Und eine Schülerin wurde ermahnt: «Du solltest einmal ein Buch mit ins Bett nehmen, und nicht ...». Unvergessen bleiben wird die Abschlussfeier, zu der Felix die Klasse in sein Haus in Gamprin eingeladen hatte. Details zu dieser langen Nacht werden nicht verraten.
Einen weiteren Gampriner lernte ich während der Lehrzeit bei der Landesverwaltung kennen. Er war Revisor in der Steuerverwaltung. Ein humorvoller Mensch, das Geschehen in der Abteilung und im Land jeweils mit träfen Sprüchen kommentierend.
Um auch noch das «andere Dorf» in meinen persönlichen Erinnerungen zu erwähnen: Meinen ersten grossen Vortrag nach dem Studium hielt ich am Liechtenstein-Institut in Bendern zum Thema «Triesenberg», in dem ich die Walsergemeinde ohne Clichées und mit neueren Forschungsergebnissen vorstellte.
Gamprin-Bendern. Die Frühgeschichte von Gamprin steht im Zusammenhang mit der Besiedlung des Eschnerbergs vor etwa 6000 Jahren. Das Abklingen der letzten Eiszeit, einhergehend mit der Klimaerwärmung, erlaubte es den Menschen, aus Jägern und Sammlerinnen sich zu einer Gesellschaft aus Ackerbauern zu entwickeln. Der Eschnerberg, der wie eine Insel aus dem umgebenden Sumpfgebiet herausragte, eignete sich bestens für frühe Niederlassungen. Das Anlegen von Vorräten, die Domestizierung von Tieren (Rinder, Ziegen, Schafe und Schweine) und die Entwicklung von technischen Gerätschaften wurden durch die Sesshaftigkeit ermöglicht und gefördert.
Als eine der ersten Bauernsiedlungen gilt nach den bisherigen Funden das Gampriner Lotzagüetle an der heutigen Gemeindegrenze zu Schellenberg. Die neuen Siedler rodeten mit Steinäxten, um Acker- und Weideland zu schaffen.
Die Namen der Gemeinden sind nur zum Teil klar. «Gamprin» dürfte romanisch sein und auf die präpositionslose Verbindung «camp» und «rin» zurückgehen, übersetzt «Rheinfeld». Bei «Bendern» sieht es etwas unklarer aus. Der zweite Namensteil (-dern) ist keltisch «durum» und bezeichnet eine Festung; der erste Teil Ben- ist unklar, dürfte aber ebenfalls keltisch sein. Keltisch «-durum» finden wir beispielsweise auch in den Schweizer Stadtnahmen Solothurn und Winterthur.

«Der Benderer Kirchturm kündigt jeden Krieg an»
Wir befinden uns im Liechtensteiner Norden. Dort wo wenig Sagen überliefert sind. Das gilt vor allem für Gamprin und Bendern. Natürlich muss man auch die Sagen anderer Unterländer Gemeinden berücksichtigen, sofern sie den Eschnerberg betreffen. Die Bewohner des Eschnerbergs waren letztlich ja eine Einheit. Der Dörfligeist, wie wir ihn heute spüren, war in frühen Zeiten sicher noch nicht ausgeprägt oder gar vorhanden.
Auch wenn die Sagen von Gamprin und Bendern nicht sehr zahlreich sind, eine der Erzählungen hat weltweite Bedeutung. Der Benderer Kirchturm kündigt jeden Krieg an, indem drei Tage vor Kriegsbeginn im Turm ein rotes Licht erscheint und ein Adler über dem Turm seine Kreise zieht.

Mehr dazu lesen Sie in der Print- und ePaper-Ausgabe des «Liechtensteiner Vaterlands» von Mittwoch, 27. Juni. 

27. Jun 2018 / 07:00
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