• Der Seefrosch ist nicht nur der grösste, sondern auch lauteste Frosch in der Region. Bild: Rainer Kühnis

Des einen Freud, des anderen Leid

Sie quaken mit einer Lautstärke von bis zu 90 Dezibel – das ist vergleichbar mit einem Presslufthammer. Bis heute ist unklar, wie die Seefrösche aus Osteuropa zu uns gelangen und sich ausbreiten konnten. Wohl fühlen sie sich auch in der Grossabünt in Gamprin.

Bereits vor zwei Jahren haben es die «quakenden Plaggeister» hierzulande in die Schlagzeilen geschafft: In Ruggell musste ein Biotop zugeschüttet werden, an dem sich die Seefrösche niedergelassen hatten. Das Problem: Ihr lautes Quaken raubte den Anwohnern den Schlaf.

In der Zwischenzeit haben sich die Seefrösche – deren Schenkel übrigens ursprünglich als Delikatesse in die Schweiz gebracht wurden – über das ganze Land ausgebreitet und ziehen bei den Einen Staunen und Freude, bei den Anderen Ärger und Frust auf sich. Beschwerden gibt es zwar hier und dort noch – vor allem, wenn sich die lauten Tiere im hauseigenen Teich direkt vor dem Schlafzimmerfenster niedergelassen haben. Generell wird der Seefrosch heute aber weitestgehend akzeptiert. So auch in der Grossabünt in Gamprin.

Vermehrung im Auge behalten
Das laute Quaken ist nicht immer zu hören. Aber wenn dann mehrere Seefrösche gleichzeitig zum «Gesang» ansetzen – und das geschieht meist intervallartig – dann wird es richtig laut, wie Grossabünt Betriebswart Heinz Keller bestätigt. Beschwert habe sich darüber bei ihm aber niemand. Keller selbst wohnt übrigens in unmittelbarer Nähe zur Grossabünt und hört die Frösche auch nachts quaken. Stören tut ihn das aber nicht: «Es gehört halt zur Natur. Mittlerweile nehme ich es schon gar nicht mehr wahr.» So sieht es auch Gamprins Vorsteher Donath Oehri, der die lauten Frösche eher spannend als lästig findet. Da die Seefrösche allerdings die heimischen Amphibien bedrohe und sich explosionsartig vermehrten, müsse man die Situation in der Grossabünt im Sinne einer «Geburtenkontrolle» sicher im Auge behalten. Dafür sorgt Betriebswart Heinz Keller schon heute. Im Frühling entfernt er schon mal einen Eimer voller Froschlaiche, die dann «umgesiedelt» werden. Ob es sich dabei allerdings explizit um die Eier des Seefrosches handelt, kann er nicht beurteilen. Schliesslich haben sich in der Grossabünt noch drei weitere Froscharten angesiedelt.

Nahrungskonkurrent für heimische Arten
Wie der Seefrosch nach Liechtenstein gelangen konnte, warum er eine Gefahr für die heimischen Amphibien darstellt und was seine Besonderheiten sind, weiss Cathérine Frick vom Amt für Umwelt. Dort sind bereits einige Reklamationen bezüglich der Lautstärke des Frosches eingegangen. «Es muss an dieser Stelle allerdings relativiert werden: Viele Tiere sind insbesondere während ihrer Paarungs- und Fortpflanzungszeit aufgrund ihrer Lautäusserungen gut wahrnehmbar. Dies kann, insbesondere in den Sommermonaten, wenn vermehrt Garten- oder Balkonbereiche aufgesucht werden oder Fenster offen stehen, störend wirken.»
Der Seefrosch stammt ursprünglich aus Osteuropa und sei in die Schweiz zur Froschschenkelproduktion importiert worden. «Einzeltiere dürften an verschiedenen Orten, insbesondere in der Westschweiz, entwichen sein und haben sich über die Jahrzehnte verbreitet und ihr Vorkommen auch in den Osten der Schweiz ausgedehnt», vermutet Frick. Im St. Galler Rheintal und im Vorarlberg seien bereits in den 1980er-Jahren das erste Mal Seefrösche nachgewiesen worden. In Liechtenstein dürften sich in diesem Zeitraum ebenfalls erste Seefrösche angesiedelt haben. Die ersten gesicherten Nachweise stammen laut Frick allerdings aus den 1990er-Jahren. «Die Ausbreitung erfolgte aus nördlicher Richtung, weshalb im Unterland die ersten Seefroschpopulationen nachgewiesen wurden. Der Höchstfund wurde auf 790 m in Planken festgestellt. Mittlerweile können Seefrösche über den ganzen Liechtensteiner Talraum verteilt gefunden werden.»
Da der Seefrosch der grösste Froschlurch der Region sei, könne er zum Nahrungskonkurrenten für einheimische Arten werden respektive sich auch kannibalisch ernähren und kleiner Artgenossen sowie ihre Larven räubern. «Gleichzeitig ist er auch, was seinen Lebensraum anbelangt, wenig wählerisch – er hat eine Präferenz für grosse, stehende Gewässer, kann sich aber auch in Wassergräben und Tümpeln breit machen», erklärt Frick. Dadurch, dass der Seefrosch ganzjährig am Gewässer verbleibe und am Gewässergrund überwintere, sei er von Gefahren, wie sie einheimische, wandernde Arten während der Laichzeit ausgesetzt sind, nicht betroffen, und habe so einen Vorteil gegenüber einheimischen Arten wie dem Grasfrosch oder der Erdkröte.  «Insbesondere  der einheimische Kleine Wasserfrosch kann durch den grössere Seefrosch verdrängt werden. Der Grund dafür ist, dass sich der kleine Wasserfrosch mit dem Seefrosch fortpflanzen kann. Daraus entsteht der sogenannte Teichfrosch. Aufgrund der Durchmischung der Gene kann es deshalb passieren, dass der Kleine Wasserfrosch langfristig verschwindet.»

«Bekämpfung in einigen Fällen möglich»
Was also tun, wenn sich der Seefrosch ansiedelt und heimische Amphibien verdrängt? Gemäss Cathérine Frick ist es praktisch unmöglich, ihn aus einem Gewässer wieder zu entfernen, wenn er erst einmal da ist. Nicht ideal für den Seefrosch seien allerdings Gewässer, die über die Wintermonate komplett zufrieren oder austrocknen – «das sollte man bei der Planung eines solchen beachten.» Die beste Möglichkeit, die einheimischen Amphibien zu unterstützen, ist gemäss Frick nicht die Bekämpfung des Seefroschs, sondern die Förderung der Lebensräume und die Unterstützung von Erdkröte, Grasfrosch und Co. bei ihren Laichwanderungen. Eine andere Strategie sei das «unattraktiv» machen des Seefrosch-Lebensraums, z.B. über das Ausmähen von Ufervegetation oder der Förderung von natürlichen Feinden wie Störchen oder Graureihern. «Diese Massnahmen können Seefroschpopulationen allerdings nur eindämmen.»

In einigen Fällen sei es möglich, Seefrösche zu bekämpfen, allerdings müssten Massnahmen ausnahmslos professionell geplant und begleitet werden – besonders an Gewässern bestehe immer die Gefahr, dass auch andere, teilweise streng geschützte, Arten, die eigentlich einer Förderung bedürfen, Schaden nehmen. «An gewissen Standorten bleibt deshalb langfristig nur die Duldung des Seefrosches.» (dv)

30. Jun 2018 / 05:00
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