• Blick auf den renovierten Alten Pfarrhof Balzers. Zum Hof gehört unter anderem auch ein ehemaliger Friedhof.  (Daniel Schwendener)

Als der Pfarrer noch einen Stall brauchte

Früher, als es noch keine Pfarrer-Besoldung gab, war dieser auf Zuwendungen seiner Gemeinde angewiesen. Ein eigener Pfarrgarten und auch eine bescheidene Tierhaltung waren üblich. Auch in Balzers war es nicht anders.

Der alte Pfarrhof in der Egerta in Balzers ist schon von der Strasse durchs Dorf aus zu sehen, wie er da, ein gutes Stückchen zurückliegend, im sorgfältig gepflegten Garten mit seiner Umgebung und dem einstigen Pfarrstall ein gefälliges Ensemble bildet. Mit dem Abschluss der Renovierungsarbeiten erhielt die Gemeinde Balzers 2011 mit dem Alten Pfarrhof ein eigenes Kulturzentrum. Mit der ehemaligen Heimstätte der Dorfgeistlichkeit wurde damit nicht nur ein dorfgeschichtlich relevantes Baudenkmal erhalten, sondern auch dem sinnvollen Fortbestand des markanten barocken alten Pfarrhauses mit Kräutergarten gedient, womit es sozusagen eine neue, zugleich erhaltungssichernde Identität erhielt. Als Kulturzentrum ist es nun Begegnungs-, Bildungs- und Erlebnisort, Museum und Informationszentrum in einem.

Architektonisch gelungene Umsetzung der Ziele
Das Konzept dazu, dessen Umsetzung der Balzner Gemeinderat zustimmte, entwickelte eine auf privater Basis initiierte Arbeitsgruppe. Der Architekturauftrag für die Restaurierung und den Umbau der beiden denkmalgeschützten Gebäude, altes Pfarrhaus und alter Pfarrstall, sowie für die Umgebungsplanung wurde nach einem Studienwettbewerb im Jahr 2009 an das Maienfelder Architekturbüro Johannes Florin übergeben (Tabea Voigt und Johannes Florin, «Johannes Florin Architektur»). Diesem gelang es durch ein beeindruckendes Einfühlungsvermögen in den Zusammenhang von Ortsgeschichte und -identität einem einmaligen Ensemble am einstigen nördlichen Siedlungsrand von Balzers neues Leben einzuhauchen. Grundlage ihrer Arbeit waren auch zahlreiche Geschichten, die die Balzner Bevölkerung ihnen erzählte, denn die Auseinandersetzung mit der eigenen Kultur sei die Basis des Projektes «Kulturhaus Alter Pfarrhof der Gemeinde Balzers im Fürstentum Liechtenstein», wie sie erklärten.
So besteht heute eine nachvollziehbar geschichtlich begründete Einheit von altem Pfarrhaus mit seinem heute ungewöhnlich wirkenden ummauerten Garten, umgeben von einer Obstbaumwiese, mit dem südlich davon befindlichen alten Pfarrstall, den Resten der Einfassung vom Friedhof der 1795 beim Dorfbrand zerstörten Pfarrkirche, dem Frühmesserhaus und einem Brunnenplatz.
Das alte Pfarrhaus war von 1733 bis 1739 errichtet worden, der Pfarrstall ebenfalls. Der Dorfbrand von 1795 zerstörte jedoch beide Gebäude. Ihr Wiederaufbau erfolgte in den Jahren 1804 bis 1810. Bis 1967 diente das Pfarrhaus als Wohnung des Pfarrers, danach wurde es verschiedentlich zwischengenutz – zum Beispiel als Weltladen, Kindergarten und zuletzt als Wohnhaus für tibetische Flüchtlinge. Seit 2003 stand es leer.

Neue, vielfältige Nutzungsmöglichkeiten
Der «Alte Pfarrhof» und der Pfarrstall sind nun Orte der Begegnung für unterschiedliche kulturelle Anlässe wie Ausstellungen, Seminare, Vorträge, Lesungen, Kurse, Workshops, Sonderwochen, Schulprojektwochen oder gesellschaftliche Anlässe. Eine kleine Präsenzbibliothek lädt zum Schmökern und Forschen ein; in einem kleinen Atelier und in Werkstätten kann man selbst aktiv werden; die Bühne im Pfarrstall steht für kleinere Konzerte, Theateraufführungen und Ähnliches zur Verfügung. Ähnlich war man seinerzeit auch bei den Pfrundbauten in Eschen oder beim ehemaligen Kloster mit Pfarrstall in Bendern verfahren, wie überhaupt heute praktisch alle Gemeinden historische Bauten einer neuen und lebendigen Nutzung zugeführt haben. Das Kulturzentrum ist zudem der liechtensteinische Partner des überregionalen Projekts «Die Schwabenkinder» und widmet sich der Aufarbeitung dieses Themas aus liechtensteinischer Sicht. Ausserdem können gewisse Räume für Kurse, Seminare, Aperitifs und andere Veranstaltungen gemietet.

Mehr zu diesem Thema lesen Sie in der Print- und ePaper-Ausgabe des «Liechtensteiner Vaterlands» von Donnerstag, 26. April.  

26. Apr 2018 / 08:00
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