• Doris Quaderer
    «Jetzt ist die Zeit der Frauen – sie müssen nur Mut beweisen» – Volksblatt Chefredaktorin Doris Quaderer im Gespräch mit Vaterlandredaktorin Manuela Schädler.  (Daniel Schwendener)

«Die Position bringt zwei Gesichter mit sich»

Doris Quaderer ist die erste Chefredaktorin einer Landeszeitung in Liechtenstein. Dass sie als Frau von den Lesern anders wahrgenommen wird, dieses Gefühl hatte sie nie. Im Interview spricht sie über Herausforderungen und Erfolge in ihrem Job.


Sie waren keine Unbekannte in der Medienlandschaft, als Sie im November 2015 das Amt der Chefredaktorin beim Liechtensteiner Volksblatt übernahmen. Trotzdem wird man als «Aushängeschild» einer Zeitung anders von den Lesern wahrgenommen. Ist das so?
Doris Quaderer: Ja, das habe ich so erlebt. Man steht zwar als normaler Redaktor auch in der Öffentlichkeit, jedoch ist das Gesicht nicht so bekannt, als wenn man die Chefredaktion repräsentiert. Entsprechend werde ich beispielsweise an Veranstaltungen mit dem Volksblatt auch gleich in Verbindung gebracht.
Kann dies auch belastend sein?
Das hat natürlich zwei Gesichter. Auf der einen Seite bin ich in der Position, Kritik auszuüben und gewisse Sachen öffentlich hinterfragen zu können. Aber man steht auch schnell selbst in der Kritik und muss Prügel einstecken können. Das gehört jedoch dazu und macht mir selbst nicht viel aus. Mein Umfeld hatte zu Beginn fast mehr Mühe damit, wenn es Angriffe gegen meine Person gab.


Apropos Angriff, Sie wurden wegen neuen Leserbriefrichtlinien scharf kritisiert. Wie gehen Sie mit so was um?
Grundsätzlich nehme ich solche Kritiken zur Kenntnis. Klar musste ich mich daran gewöhnen, dass mein Name plötzlich in einem negativen Kontext genannt wird. Mühe habe ich nur dann, wenn ich das Gefühl habe, dass die Kritik nicht gerechtfertigt ist oder falsch verstanden wurde und ich nicht darauf kontern kann.


Haben Sie das Gefühl, dass Sie als Frau anders wahrgenommen werden als ein Mann, wenn Sie einen Kommentar schreiben?
Nein. Die Frauen-Männer-Geschichte war für mich nie ein Thema. Ich war bereits vor meiner Tätigkeit beim Volksblatt lange in dieser Branche tätig, konnte bereits meine Erfahrungen sammeln und hatte deshalb nicht das Gefühl, dass ich ein härteres Feld vorgefunden habe, als wenn ich ein Mann gewesen wäre.


Wie sieht es in der Geschäftsleitung oder im Verwaltungsrat aus. Hatten Sie mit Vorurteilen zu kämpfen?
Ich hatte nie den Eindruck, dass sie mich anders wahrnehmen. Das Volksblatt hatte damals mit Cornelia Gassner auch eine Verwaltungsratspräsidentin, also von dem war der Weg schon vorgespurt. Grundsätzlich denke ich: Wir haben eine Zeit, in der Frauen sehr gute Chancen haben, um hohe Positionen einzunehmen. Viele Unternehmen sind heute sensibilisiert und wollen auch Frauen in höheren Positionen. Die Frauen müssen sich nun wagen und auch mal ja sagen. Ich habe drei Kinder und hatte mich trotzdem für diesen Schritt entschieden. Klar macht man Abstriche und ja, es ist eine organisatorische Herausforderung. Wir sind auch in der glücklichen Lage, externe Hilfe in Anspruch nehmen zu können. Diese Möglichkeit hat sicher nicht jede Familie. Aber jetzt kommt eine Generation nach, die dieses Selbstbewusstsein hat und auch das Verständnis dafür, dass Frauen im Beruf gleich agieren können wie Männer und dass es nicht schadet, wenn die Familienarbeit auf mehrere Schultern verteilt wird und nicht alleine Sache der Mutter ist. Deshalb bin ich guter Dinge, dass Frauen in Chefpositionen Normalität werden. (manu)

Mehr in der Print- und ePaper-Ausgabe des «Liechtensteiner Frauenlands» von Donnerstag, 8. März.

08. Mär 2018 / 07:00
Geteilt: x
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar)
Lesertrend
Meistgelesen
21. Juni 2018 / 22:28
21. Juni 2018 / 21:37
Meistkommentiert
13. Juni 2018 / 11:20
16. Juni 2018 / 17:04
UMFRAGE DER WOCHE
Lade TED
Ted wird geladen, bitte warten...
Wettbewerb
Citytrain
2 x 1 Familienticket für die «Städtletour» zu gewinnen.
04.06.2018
Facebook
Top