• Wirtschaftswunder, Schaan
    Wirtschaftswunder „One Europe, One Future?“ - Wie der „Brexit“ Liechtenstein und Europa verändert. FOTO©RIGHT: TATJANA SCHNALZGER  (Tatjana Schnalzger)

«Der Brexit ist der erste Schritt vom Ende der EU»

Es kam wie erwartet: Am Wirtschaftswunder wurde zwischen Theo Waigel und Nigel Farage hart, aber fair debattiert. Das Lebenswerk ging an Jutta und Hubertus Real.

«Der Brexit ist eine Zäsur für die europäische Integration. Bisher ging es nur in eine Richtung, doch jetzt geht es in die andere.» Nigel Farage, Brexit-Befürworter und das Enfant terrible der europäischen Politik, fand am gestrigen Wirtschaftswunder in Schaan die erwartet deutlichen Worte. Doch einer wusste dagegenzuhalten: Theo Waigel, ehemaliger deutscher Finanzminister, Gründervater des Euro und glühender Europäer.
Dass sich die Organisatoren nicht nur Freunde mit der Einladung von Farage gemacht hatten, war bereits vor der Veranstal-tung bekannt. «Es wurden Werbebudgets gestrichen, Abos abbestellt und sogar zum Boykott aufgerufen», erklärte Daniel Bargetze, Geschäftsführer des Vaduzer Medienhauses, welches das Wirtschaftswunder organisierte. «Deshalb gratuliere ich Ihnen, werte Gäste, dass Sie den Mut haben, heute hier zu sein.» Das Publikum quittierte es mit Applaus. Mit den einleitenden Vorträgen wurde dem Publikum noch einmal die Tragweite des Brexit aufgezeigt. Dabei wurde auch nochmals betont, dass es nicht einfach nur die Briten angeht, sondern Liechtenstein ganz direkt.

«Es gibt keinen harten oder weichen Brexit»
«Der Brexit ist der erste Schritt vom Ende der Europäischen Union», erklärte Farage in der anschliessenden Debatte mit dem «Tagesschau»-Moderator Florian Inhauser. Der ehemalige Grossbritannien-Korrespondent des Schweizer Fernsehens verstand es, mit Witz und viel rhetorischem Talent, Farage in die Mangel zu nehmen. Der bewies aber, weshalb er eine so grosse Anhängerschaft hat. Dank seines Charmes, rhetorischer Beschlagenheit und Anektdoten aus dem europäischen Parlament  entwickelte sich zwischen den beiden eine faire, lebendige und harte Debatte. Dabei stellte Farage klar, es gebe keinen harten oder weichen Brexit. Das sei eine Erfindung: «Wir stimmten darüber ab, ob wir in der EU bleiben oder nicht. Der Fall ist klar.» Die Bürokraten in Brüssel hätten bis heute nicht verstanden, was das Volk will.

«Weiterhin fair verhandeln»
Nach dem britischen Pub-Politiker war Theo Waigel an der Reihe.  In weit staatsmännischerer Manier diskutierte auch er mit Inhauser. Auf die Einstiegsfrage von Inhauser, ob er im «Wirtschaft regional»-Interview indirekt Farage einen Verrückten nannte (King Lear: ««Das ist der Fluch der Zeit, dass Verrückte Blinde führen!»),  antwortete Waigel mit Augenzwinkern: «Der Verrückte ist nicht Shakespeare.»
Natürlich gebe es Schwachpunkte in der Europäischen Union, das sei ganz klar. Aber deswegen müsse man doch nicht gleich das ganze Projekt zerstören. Jetzt gelte es, denn Brexit sauber über die Bühne zu bringen. «Ich bin gegen Revange-Politik. Wir müssen mit den Briten weiterhin fair verhandeln.»

Lebenswerk geht an Jutta und Hubertus Real
Neben den Diskussionen fand auch wiederum die Auszeichnung fürs Lebenswerk statt. Dieses Jahr ging der Preis an Jutta und Hubertus Real vom Restaurant und Hotel Sonnenhof in Vaduz. Die Jury lobte dabei vor allem den Mut, neue Dinge anzupacken. So habe es das Hotel geschafft, seiner Zeit stets etwas voraus zu sein. (ags)

 

21. Nov 2017 / 22:52
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