• Dialing a telephone in the office
    Dialing telephone keypad concept for communication, contact us and customer service support  (BrianAJackson)

Das Warten geht weiter

Immer mehr Provider warten auf eine Entscheidung des Amtes für Kommunikation. Es geht dabei um Marktanteile und Wettbewerbsvorteile für die Telecom. Die Situation ist langsam aber sicher verfahren

Wer heute in Liechtenstein seinen Telefonanbieter wechselt, kann nicht immer seine Rufnummer behalten. In der benachbarten Schweiz und in Österreich ist dies schon lange möglich, ja eine Selbstverständlichkeit. Liechtenstein dagegen hinkt hinterher. Zwar heisst es in der Verordnung über elektronische Kommunikationsnetze und -dienste, Artikel 12, relativ deutlich: «Betreiber von öffentlichen Telefonnetzen und Anbieter von öffentlich zugänglichen Telefondiensten haben sicherzustellen, dass Teilnehmern die Möglichkeit des Wechsels des Anbieters unter Beibehaltung der Rufnummer ohne Änderung der für den betreffenden Rufnummernbereich spezifischen Nutzungsart eingeräumt wird.» Dass es bis heute aber noch immer keine Rufnummernportabilität gibt, daran ist eine eingebaute Lücke in der Verordnung Schuld. So kann die Regulierungsbehörde die öffentlich zugänglichen Telefondienste ganz oder teilweise von der  Verpflichtung zur ←Nummernportierung→ befreien, sofern es «technische oder wirtschaftliche» Gründe gibt. Und genau das ist momentan der Fall – sehr zum Missfallen von kleineren Unternehmen. Denn der Zustand wird schon seit längerem kritisiert, doch getan hat sich wenig.

Forderung wird lauter

Nun reicht es mehreren kleineren Providern, wie sie gegenüber «Wirtschaft regional» ausführen. Einer, der sich öffentlich äussert, ist André Beck, Geschäftsführer von Vestra ICT. Für ihn ist es höchste Zeit, dass gerade beim Festnetz die Rufnummernportabilität eingeführt wird. «Es gibt keine technischen und wirtschaftlichen Gründe, die diesen Mehrwert dem Liechtensteiner Volk vorenthalten können», so der Fachmann. Es werde massiv günstigere  Telefonietarife und neue Dienste im Telefonbereich geben. Ebenso erwartet er redundante Anbindungsmöglichkeiten für Geschäftskunden. Leider könne man das mit dem momentanen Vorleistungsangebot «Zugang zum öffentlichen Telefonnetz über VoIP» der Telecom Liechtenstein nicht realisiert werden. «Mit dem Vorleistungsangebot sind sehr hohe Initialkosten, hohe laufende Kosten und hohe Minutenpreise verbunden», so Beck. Ausserdem sei man von der Telecom abhängig, dem grössten Mitbewerber im Markt. Und diese nutzt ihre Stellung aus. So würden gewisse Dienstleistungen für Geschäftskunden nicht oder erst viel später den Providern angeboten, wärend sie die Telecom bereits verkauft. Das sei auch der Grund, weshalb sich der Platzhirsch Telecom mit Händen und Füssen gegen die Einführung der Rufnummernportabilität wehre, heisst es hinter vorgehaltener Hand. Der Entscheid selbst liegt beim Amt für Kommunikation. 

Telecom ist skeptisch wegen Kosten 

Bei der Telecom geht man nicht auf die Vorwürfe ein. Stattdessen wird betont, dass man das Angebot erweitert habe und man im Rahmen einer versuchten Providereinigung, in einem Roundtable, deutlich bessere Konditionen angeboten habe. Das war im November. «Die Provider haben sich jedoch dagegen entschieden und bevorzugen den Regulierungsweg», erklärt Telecom-Mediensprecher Matthias Bieber. Die Telecom stehe der Rufnummernportabilität grundsätzlich offen gegenüber, erklärt er weiter. Zur Zeit laufe eine erneute Prüfung durch das Amt für Kommunikation. «Die Nummernportierung wurde in der Vergangenheit schon mehrmals geprüft, scheiterte jedoch an der Wirtschaftlichkeit der Umsetzung. Die Kosten für die Einführung eines solchen Systems müssten von den Marktteilnehmern getragen werden und würden den Aufwand für den relativ kleinen Markt in Liechtenstein zusätzlich erhöhen», so Bieber. 
Das wiederum glaubt André Beck nicht. Mit dem österreichischen Modell würde jeder Betreiber eine dezentrale Datenbank betreiben. Der Datenaustausch zwischen Betreiben erfolgt per Mail, Kosten würden also kaum entstehen – «gerade in einem kleinen Markt wie Liechtenstein», so Beck. Schliesslich funktioniere es ja auch im bedeutend grösserem Markt wie Österreich. 

«Lächerlich und völlig deplatziert»

Wie es weitergeht, entscheidet das Amt für Kommunikation. Deren Leiter Kurt Bühler stellt klar, dass man die Entscheidung und das weitere Vorgehen zur Rufnummernportabilität zuerst den Providern vorstellen werde. «Die Entscheidung wird erst dann öffentlich kommuniziert, wenn diese rechtsgültig ist.» Wann mit einer Entscheidung gerechnet werden kann, darauf gibt der Amtsleiter keine Antwort. Die Frist für Stellungnahmen ist im Februar abgelaufen, seither herrscht Funkstille. Wird der Entscheid also verschleppt, um der staatlichen Telecom weiter die Pole Position zu sichern, wie man immer wieder hört?
 «Das ist lächerlich und völlig deplaziert», erklärt Bühler. Und gibt die Kritik gleich zurück: Die Provider, die beim Amt nachgefragt hätten, hätten auch eine befriedigende Antwort erhalten. «Offenbar haben einzelne kleine Provider nicht den Mut, ihre Kritik direkt beim Amt für Kommunikation zu deponieren.» Und weiter: «Nur immer Hintenrum ist nicht die feine Art.» Das Amt habe sich bislang und werde sich auch in Zukunft zugunsten einer attraktiven Markt- und Wettbewerbssituation einsetzen, so Bühler abschliessend. 
Fazit: Die Situation scheint verfahren. Zu unterschiedlich sind die Interessen, zu lange wird auf den Entscheid gewartet. Ob sich daran in näherer Zukunft etwas ändern wird, wird sich zeigen.

 

23. Jun 2018 / 16:51
Geteilt: x
2 KOMMENTARE
So ist es...
Genau so ist es. Unfähige Leute beim Staat über die dann noch die schützende (Partei-)Hand gehalten wird.
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet 23.06.2018 Antworten Melden
Unglaublich
Kaum zu glauben. Es wäre ja eigentlich zum Lachen, wenn es nicht so traurig wäre. Schaut euch nur diese Amtsleiter an. Höchste Zeit dass hier aufgeräumt wird. Und wir zahlen diesem Träumer noch sein Gehalt. Sofort aus dem Amt jagen und einen einstellen der etwas vorwärts bringt.
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet 23.06.2018 Antworten Melden

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