• Two men gays
    Kannibalismus und Homosexualität: Der angeklagte Liechtensteiner Leserbriefschreiber warf viel in einen Topf, dennoch wurde er gestern vor Gericht freigesprochen.  (iStock)

«Objektiv die Grenze überschritten»

Ein umstrittener Leserbriefschreiber stand gestern in Vaduz vor Gericht. Laut Anklage habe er Homosexuelle diskriminiert. Für einen Schuldspruch reichte es nicht.
Angeklagt. 

Ein Liechtensteiner hatte in seinen Lebeserbriefen im «Liechtensteiner Vaterland» über Homosexualität, Pädophilie und Kanibalismus geschrieben, die auf Kritik stiessen und ihm eine Anklage einbrachten. Er habe«auf gegen die Menschenwürde verstossende Weise» Homosexuelle herabgesetzt und diskriminiert. So lautete die Anklage der Staatsanwaltschaft. Der Verein für Menschenrechte hatte den Stein mit einer Strafanzeige ins Rollen gebracht. 
Ausgangspunkt war ein vorangegangener Leserbrief eines Verfassers, der laut Angeklagten die Meinung vertrat: «Schon bei den Römern und Griechen gab es Homosexualität, daher sei es logisch, dass auch unsere Gesellschaft so sei.» Der Angeklagte reagierte darauf und sprach das Thema Pädophilie von Homosexuellen im römischen Reich an. 

«Auf die Bäume ihr Affen»
Der Angeklagte lässt in seinem Leserbrief mit dem Titel «Auf die Bäume ihr Affen» zudem durchblicken, dass Homosexuelle mit Tieren oder Affen gleichgestellt werden könnten, tut dies aber nicht explizit. Vor Gericht erklärte der Angeklagte: «Wenn Tiere schwul sind, dann können wir das auch? Dann wäre auch der  Schluss  zulässig: Wenn Tiere ihre Artgenossen verspeisen, dann müsste es für uns auch gängig sein.» Er rechtfertigt sich aber: Er wollte Kannibalismus und Homosexualität nicht gleichsetzen. Das sei eine starke Überinterpretation. «Ich denke nicht, dass Homosexuelle weniger Wert sind», antwortet er dem Richter, der ihn direkt darauf ansprach. 
Er habe Homosexuelle in seinen Bekanntenkreis – nette und liebe Personen. Auf die Frage des Richters, ob er Homosexuellen generell einen gesellschaftlichen Nutzen absprechen möchte, erklärte der Angeklagte: «Ich habe lediglich die Frage gestellt, wo der Nutzen von homosexuellen Beziehungen liegt, wenn sie der Gesellschaft Probleme bereiten.» (dal)

Mehr in der Print- und ePaper-Ausgabe des «Liechtensteiner Vaterlands» von 13. Februar 2018.

13. Feb 2018 / 06:00
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