• Günther Wohlwend in Vaduz
    Günther Wohlwend blickt auf 40 Jahre Lihga zurück und erzählt von den Anfängen.  (Daniel Schwendener)

«Man braucht viel Fingerspitzengefühl»

Die Lihga feiert in diesem Jahr das 40. Jubiläum. Günther Wohlwend hat damals, 1978, zusammen mit Fritz Sprenger die Messe ins Leben gerufen und ihr zu dem Erfolg verholfen, den sie heute hat. 40 Jahre später blickt er auf die Anfänge zurück.
Schaan. 

Wie hat das Projekt Lihga vor 40 Jahren begonnen?

Günther Wohlwend: Ich habe mich Anfang der 70er-Jahre selbstständig gemacht und war viel im Ausland auf Messen und Events unterwegs. Mein ehemaliger Chef Herbert Ospelt meinte immer, dass es so eine Messe auch in Liechtenstein geben sollte. Diese Idee habe ich weiterverfolgt und entwickelt. Sie sollte eine Plattform für die Unternehmen aus dem Land sein, um sich der Öffentlichkeit zu präsentieren. Ich habe eine Firma gegründet und kurze Zeit später Fritz Sprenger mit ins Unternehmen geholt. Wer so ein Projekt wie eine Messe ausrichten möchte, muss verschiedenste Bereiche abdecken – die Planung, das Marketing und die Technik. Wir haben uns dabei bestens ergänzt und jeder konnte seinen Part beitragen.

Eine Messe zum ersten Mal zu veranstalten, war sicher eine Herausforderung.
Man kann es mit einem Start-up vergleichen. Man braucht ein Konzept, alle notwendigen Unterlagen, gute Partner und Unternehmen, die das Projekt unterstützen. Ausserdem ist natürlich wichtig – und das ist ganz zentral –, dass man von Beginn an eine enge Zusammenarbeit mit allen notwendigen Stellen pflegt: mit Ämtern, der Gemeinde, den Nachbarn, der Polizei und Politik. Nur wenn alle mit im Boot sind, kann es funktionieren. Und genau so haben wir es damals gemacht. Auch für uns war es ein Prozess. Und auch mit der Wirtschaftskammer haben wir zusammengearbeitet und sie ständig über die Fortschritte auf dem Laufenden gehalten. Wir haben alles Schritt für Schritt geplant und umgesetzt. 


Wie sah die Lihga zu Beginn, im Jahr 1978, aus?


Bei der ersten Lihga, die damals noch gegenüber der Ivoclar veranstaltet wurde, hatten wir 100 Aussteller. Im Unterschied zu heute waren es aber alles Liechtensteiner Unternehmen. Viele haben uns damals keine Zukunft vorhergesagt und meinten: «Das klappt sicher nicht.» Aber wir sind drangeblieben und haben unser Projekt weiterverfolgt und ausgebaut. Beispielsweise sind nach der ersten erfolgreichen Lihga auch unsere Schweizer Nachbarn auf uns zugekommen, die eine eigenen Messe wollten. Und so haben wir ab 1981 auch die Wiga veranstaltet – alternierend. In den geraden Jahren fand die Lihga statt und in den ungeraden die Wiga. Und das ist bis heute so. Der grosse Vorteil war, dass wir damit unterschiedliche Unternehmen in ausreichenden Abständen ansprechen konnten, auf beiden Seiten des Rheins. Besonders für kleine Betriebe ist es ein grosser Aufwand an eine Messe zu gehen. Und wenn sie jährlich stattfindet, so wie die Lihga in den ersten drei Jahren, dann wären uns sicher einige abgesprungen. Ausserdem konnten wir unsere Infrastruktur und unser Know-How so ohne Leerlauf nutzen – ein Jahr Lihga, ein Jahr Wiga. 


Wie unterscheidet sich die Lihga heute von damals?


Die Stände und Zelte sind heute sicherlich besser und grösser. Die ganze Infrastruktur hat sich weiterentwickelt. Ansonsten ist vieles noch wie früher. Wir hatten damals schon im Festzelt Bands und Unterhaltung, auch prominente Gastredner gehörten zur Lihga dazu. Anders ist natürlich auch, dass bei der ersten Lihga nur heimische Aussteller anwesend waren. Nach den ersten Jahren haben wir gemerkt, dass wir mit dem heimischen Markt einfach zu begrenzt waren. Deswegen sind wir dann auf die Gewerbekammer zugegangen und haben ab diesem Zeitpunkt auch ausländische Unternehmen zugelassen. Zuerst moderat und irgendwann haben wir die Lihga für alle Unternehmen geöffnet. Zu Beginn gab es auch keine Gemeinschaftsstände oder Stände von öffentlichen Institutionen. Diese sind erst mit der Zeit dazugekommen.


Was war das Erfolgsrezept?


Für mich gibt es einige wichtige Punkte. Zum einen muss man gut im Umgang mit anderen sein. Wer eine Messe veranstaltet, hat ständig Kontakt zu anderen Unternehmen, den Behörden und Gemeinden. Wer damit nicht klarkommt, hat keine Chance. Zum anderen ist ein Netzwerk essenziell. Man muss Menschen kennen, sich mit ihnen gutstellen und diese Kontakte pflegen. Nur dann kann ein Projekt wie die Lihga erfolgreich werden. Diese Prinzipien habe ich gelebt. Wenn es organisatorische Probleme gab, habe ich den direkten Kontakt gesucht und immer eine Lösung gefunden, weil ich die Personen kannte und wir die Beziehung pflegten. Man braucht einfach Fingerspitzengefühl und muss auf die Menschen zugehen.
Und natürlich muss den Unternehmen und den Besuchern etwas geboten werden. Wir haben immer schon Unterhaltung geboten und für die Gäste einen Event organisiert, der ihnen Spass macht und auch immer versucht, den Gästen etwas Neues zu bieten.


Gibt es ein Highlight, wenn Sie auf die Lihga zurückblicken?


Da gibt es natürlich viele Momente und Situationen, die ich da nennen könnte. Die Gastredner, die wir an der Lihga hatten, waren sicher immer ein spannender Punkt. Beispielsweise hatten wir einmal Peter Gauweiler zu Gast. Er hat seine Redezeit etwas überzogen und als ich das Mittagessen beim Restaurant, das wir reserviert hatten, verschieben wollte, war das leider nicht möglich. Also habe ich kurzerhand meine Cousine angerufen, die mit ihrem Mann damals in Schellenberg ein Restaurant hatte. Ganz kurzfristig hat sie die ganze Gesellschaft aufgenommen, wir genossen ein tolles Essen und verbrachten einen herrlichen Nachmittag in Schellenberg. Sonst sind mir vor allem die Kontakte geblieben, die Gespräche und Freundschaften, die ich während dieser Zeit schliessen konnte. Manchmal gab es auch Differenzen, aber wenn wir uns gemeinsam hingesetzt und geredet haben, sind wir immer zu einer Lösung gekommen. Und dafür ist die Lihga sicher auch genau richtig – Kontakte und Freundschaften schliessen und pflegen. Für mich war jede Lihga, von 1978 bis 2012, ein ganz besonderer Anlass und eine Freude. (lat)

03. Sep 2018 / 08:00
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