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    Für Bio-Produkte, die gemäss den geltenden Richtlinien produziert wurden, geben viele Verbraucher gerne Geld aus.  (iStock)

Liechtenstein ist Bio-Weltmeister

In Sachen Bio ist Liechtenstein ein Big Player: Mit 37,7 Prozent weist das Land den weltweit höchsten Bioanteil bei der Landwirtschaftsfläche auf. Die Konsumenten freut’s: In kaum einem anderen Land wird so viel Geld für Bioprodukte ausgegeben wie hier.

3592 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche ohne die Alpenweiden  gibt es in Liechtenstein. Das sind rund 5030 Fussballfelder oder etwa ein Drittel des gesamten Landes. Von den 109 Landwirtschaftsbetrieben im Land sind 46 zertifizierte Biolandwirte, weiss Florian Bernardi von der Bioberatung Liechtenstein. Jeder dieser Biobetriebe bewirtschaftet durchschnittlich eine Nutzfläche von rund 36 Hektar. Zudem gibt es 10 biozertifizierte Lebensmittelverarbeiter im Land.

37,7 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche, also etwa 2000 Fussballfelder, werden gemäss dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) in Liechtenstein biologisch bewirtschaftet. In keinem anderen Land der Welt ist der Anteil Fläche, die biologisch bewirtschaftet wird, so hoch wie hier. 

Erst seit 1990 wird biologisch produziert
Dass Liechtenstein die Weltspitze in Sachen Bioflächenanteil anführt, liegt nicht nur an der geringen Landesfläche: «Grundsätzlich ist es einfacher als kleines Land einen hohen Prozentsatz zu erzielen. Aber ohne gezielte Anstrengungen und ohne klare Strategie wäre der Biolandbau nicht so stark vertreten», sagt Florian Bernardi. Der Prozentsatz sei das Ergebnis einer jahrelangen Aufbauarbeit, die 1990 durch eine Privatinitiative ihren Anfang nahm. Damals habe es lediglich einen Biobetrieb im Land gegeben. «Ohne diese Initiative und ohne die dabei zur Verfügung gestellten finanziellen Mittel, wäre der Biolandbau in Liechtenstein wahrscheinlich nicht so weit verbreitet», so Bernardi.

Eine gesetzliche Grundlage, dass Liechtensteiner Betriebe biologisch produzieren müssen, gebe es aber nicht. Dennoch sei es für die Landwirte sinnvoll, die Entwicklungen im Biomarkt mitzuverfolgen: «Die Nachfrage und damit die Umsätze nach Biolebensmitteln zeigen seit Jahren ein konstantes Wachstum. Der Trend ‹Natürlich, regional und fair› wird mit grosser Wahrscheinlichkeit anhalten», erklärt Bernardi.  Letzten Endes entscheide der Konsument, wie stark der Biomarkt wächst. Dementsprechend sei der Beratungsaufwand der «Bioberatung» in den letzten Jahren kontinuierlich  gestiegen. Das liegt aber nicht nur an der stetig zunehmenden Anzahl an Betrieben: «Das Interesse am Biolandbau ist auch im nichtbäuerlichen Kreis gross.»

Für Bio-Produkte wird gerne ins Portemonnaie gegriffen
Nicht nur die Anfragen bei der Bioberatung steigen, sondern auch die Anzahl Bioprodukte im Einkaufskorb der Liechtensteiner. So belaufen sich laut «Bio Suisse» die jährlichen Pro-Kopf-Ausgaben für Bio-Produkte eines Schweizers  oder eines Liechtensteiners auf durchschnittlich 299 Franken. «Die Hälfte der Konsumenten in der Schweiz und in Liechtenstein kauft täglich oder mehrmals wöchentlich Bio-Produkte ein», erklärt Bernardi. Zum Vergleich: In Europa werden gemäss dem FiBL durchschnittlich 41 Euro pro Person ausgegeben. «In keinem anderen europäischen Land geben die Menschen mehr Geld für Biolebensmittel aus.» Gemäss Lohnstatistik 2014 beträgt der Medianlohn der in Liechtenstein Beschäftigten 6522 Franken. Heisst also, rund fünf Prozent des Monatslohns werden allein für Bio-Produkte ausgegeben.

In Liechtenstein produziert, in der Schweiz verzehrt
«In Liechtenstein wird eine breite Palette an Rohwaren biologisch produziert», sagt Florian Bernardi. Zum einen seien das Ackerkulturen, zum Beispiel Kartoffeln oder Raps, aber auch Gemüse und Obst, etwa Spinat, Karotten,   Weintrauben sowie Mostobst und Beeren. Zum anderen werden auch tierische Rohwaren wie Milch, Fleisch und Eier in Liechtenstein biologisch produziert.
Was in Liechtenstein biologisch produziert und verarbeitet wurde, landet jedoch nicht zwingend auch auf Liechtensteiner Tellern: «In der Regel liefern die Biobetriebe ihre Rohstoffe an Verarbeitungsbetriebe, zum Beispiel bei Milch, oder direkt an den Detailhandel, etwa bei Eiern.» Mit wenigen Ausnahmen haben diese Betriebe ihren Standort in der Schweiz. Erst die konsumfertigen Produkte würden dann wieder zum Liechtensteiner Endverbraucher kommen. «Meistens ist aber nicht mehr ersichtlich, ob der Rohstoff dafür aus Liechtenstein stammt.» (rar)

20. Feb 2018 / 05:30
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