• Vortrag: Der Wolf in Graubünden 180221
    Der Wolf in Graubünden von Dr. Georg Jürg Brosi Foyer Vaduzersaal Vaduz / Bild: Daniel Ospelt  (Daniel Ospelt)

Keine Wölfe, aber einige Luchse im Land präsent

Das Amt für Umwelt lud gestern zu einem Vortrag rund um den Wolf ins Foyer des Vaduzer Saals ein. Zusätzlich präsentierte das Amt Zwischenergebnisse des aktuellen Luchsmonitoring in Liechtenstein.

Der Vortragssaal war gut besetzt, und zwar mehrheitlich von Jägern und Jagdinteressierten. «Hintergrund dieser Veranstaltung ist, dass wir derzeit ein Wolfskonzept erarbeiten», erklärte Olivier Nägele vom Amt für Umwelt. Es sollen in Zukunft regelmässige Informationsanlässe in Liechtenstein stattfinden zu denen die ganze Bevölkerung eingeladen ist. Als Referent fungierte gestern Abend Georg Brosi, ehemaliger Vorsteher des Amtes für Jagd und Fischerei des Kantons Graubünden eingeladen, welcher über die Erfahrungen der Menschen mit der Wolfspräsenz sprach. 


Vier unbekannte Luchse in Fotofalle getappt 
Zuerst wurde aber ein anderes  Jagdtier in den Fokus gerückt. Vergangenen Sommer startete das Amt für Umwelt ein Pilotprojekt um den Luchsbestand in Liechtenstein zu bestimmen. Es wurden Standorte herausgepickt und Fotofallen installiert. Aufgezeichnet wurden zwei altbekannte Luchse: B242, welcher aus St.Gallen stammt und wahrscheinlich seit einigen Jahren in Liechtenstein sesshaft ist, und B609, der in der Schweizer Datenbank vermerkt war. «Es wurden auch vier unbekannte Luchse abgelichtet, welche noch nicht identifiziert werden konnten», erklärte Nägele. Wegen überbelichteter Fotoaufnahmen, konnten die Fleckenmuster der Tiere nicht richtig erkannt werden. Es sei jedoch denkbar, dass es vier unterschiedliche Jagdtiere gewesen seien, meint Nägele weiter. Das Pilotprojekt wird bis 2020 fortgesetzt. 


Bisher noch keine Wolfssichtung 
Georg Brosi musste sich des Öfteren mit dem Jagdtier «Wolf» auseinandersetzen. Als im Herbst 2012 bekannt wurde, dass sich am Calanda ein Rudel aufhält, wurde das Interesse in den Medien sowie in der Bevölkerung enorm. Der ehemalige Vorsteher des Amtes für Jagd und Fischerei des Kantons Graubündens, begannt sein gestriges Referat mit einem Scherz: «Da in Liechtenstein bisher noch kein Wolf gesichtet wurde, wollte ich Ihnen heute gerne ein Exemplar mitbringen. Leider wurde es aber von der Rhätischen Bahn überfahren.» Das Publikum brach in schallendes Gelächter aus. 
Brosi präsentierte den Zuhörern Zahlen und Fakten rund um den intelligenten Jäger. Zum Beispiel, dass ein Wolfsrudel von bis zu 12 Tieren pro Jahr 300 Stück Schalenwild reisst oder dass das Tier bis zu sechs Kilogramm Fleisch pro Tag verzerrt. «2016 wurden in der Schweiz 29 Wölfe registriert, davon lebten 14 in Graubünden. Meiner Meinung nach müssen Sie nicht lange warten, bis er auch nach Liechtenstein kommt», so Brosi. Nur schon das berühmte Calanda Rudel hat in den letzten sechs Jahren 38 Jungtiere geworfen. 
Laut Brosi gäbe es drei Problemfelder rund um das Jagdtier: Die Landwirtschaft, da der Wolf Schafe reisst, das Wild, da Jäger plötzlich ihre Beute teilen müssen und das Verhalten der Bevölkerung gegenüber dem Rudeltier. «Aus meiner Erfahrung kann ich sagen: Es ist nicht matchentscheidend wie viele Wölfe in einem Revier Platz haben, sondern wie gross die Akzeptanz der Bevölkerung gegenüber dem Tier ist», so Brosi.  (nb)

22. Feb 2018 / 08:00
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